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    Heute im TV: Ein schonungslos-brutales 5-Sterne-Meisterwerk – so gut kann deutsches Kino sein!
    Von Daniel Fabian — 22.04.2021 um 09:55

    Wer mit deutschem Kino „nichts anfangen“ kann, hat bislang vielleicht nur nicht die richtigen Filme gesehen – und kann mit Fatih Akins radikal-kompromisslosem Liebesdrama „Gegen die Wand“ am 22. April 2021 einen Anfang machen. Ab 20.15 Uhr im RBB.

    StudioCanal

    Gefühlt nach jedem deutschen Kinohit wird dem hiesigen Film mit besonders großer Skepsis begegnet – womöglich, um den Kassenschlagern, bei denen es sich nicht selten um flache Heile-Welt-Komödien handelt, ein wenig entgegenzuwirken. Aber was bringt das schon?

    Stattdessen könnte man sich genauso gut der anderen Seite des deutschen Films widmen. Einer ohne Hochglanzoptik, in der nicht beschönigt oder verkitscht, sondern das Leben in all seiner Kraft gezeigt wird – wie etwa in „Gegen die Wand“ von „Der goldene Handschuh“-Macher Fatih Akin.

    Ihr habt von dem Film noch nie gehört? Oder sogar immer wieder mal davon gehört, ihn aber nie gesehen? Dann empfehlen wir euch, heute Abend unbedingt einzuschalten, und euch von einem der besten deutschen Filme nach der Jahrtausendwende umhauen zu lassen. RBB zeigt „Gegen die Wand“ am 22. April 2021 um 20.15 Uhr.

    Ihr seid heute Abend schon verplant? Dann könnt ihr den Film alternativ auch einfach streamen. Bei Amazon Prime Video gibt’s „Gegen die Wand“ derzeit im Abo – allerdings nur noch bis zum Monatsende.

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    Darum geht’s in "Gegen die Wand"

    Das Leben von Cahit (Birol Ünel) gerät zunehmend aus den Fugen. Drogen, Alkohol und ein Selbstmordversuch bringen ihn schließlich in die Klinik, wo er auf Sibel (Sibel Kekilli) trifft – die ihn kurzerhand bittet, sie zu heiraten. Denn nur so kann die junge Frau, die er gerade erst kennengelernt hat, den Fängen ihrer konservativen Familie entkommen.

     

    Cahit, der aufgrund seiner türkischen Wurzeln überhaupt nur als Sibels Ehemann in Frage kommt, lässt sich auf die Scheinehe ein. Die beiden ziehen zusammen, leben abgesehen davon aber ein eigenes Leben, zu dem auch eigene Bettgenossen gehören. Als aus ihrer vorgegaukelten Beziehung langsam aber doch Ernst wird, bringt das so einige Probleme mit sich...

    +++ Meinung +++

    Außenseiter-Drama, Liebesgeschichte, knallharter Schocker

    „Gegen die Wand“ ist ein Liebesfilm, deswegen aber noch lange keine Romanze. Vor dem Hintergrund familiärer Gepflogenheiten, mit denen sich viele türkische (und deutsch-türkische) Frauen Tag für Tag konfrontiert sehen, verschwendet Regisseur Fatih Akin keine Zeit mit Oberflächlichkeiten, die einem eine perfekte Welt erklären wollen.

    Die Ehe im Film mag nur zum Schein sein, die Gefühle darin nicht. Und so tut „Gegen die Wand“ am Ende genau so weh, wie es der Titel verspricht. Es ist die schonungslose Darstellung von Liebe in seiner rohsten, intensivsten und auch tragischsten Form, mit der sich „Gegen die Wand“ dauerhaft ins Gedächtnis brennt – ob man nun will oder nicht.

    Dass man sich neben zahlreichen Schockmomenten nach dem Abspann auch noch an eine klitzekleine Szene erinnert, in der so etwas wie Lebkuchenherz-Romantik aufkommt, liegt nämlich nicht zuletzt daran, weil sie gewissermaßen den einzigen Silberstreif am Horizont symbolisiert. Sie ist der Hoffnungsschimmer, die Zuversicht, dass für Cahit und Sibel am Ende doch alles gut werden könnte, während sie das Leben mit all seiner Wucht erwischt – und die beiden von einer Tragödie in die nächste schlittern.

    StudioCanal
    Cahit (Birol Ünel) und Sibel (Sibel Kekelli): Eine Hochzeit mit Folgen

    „Gegen die Wand“ ist ein Außenseiter-Drama um zwei vom Leben gebeutelte, verlorene Menschen, die sich in der schwersten Zeit ihres Lebens Orientierung geben, eine Liebesgeschichte, die einem schmerzhaft klar macht, was es denn eigentlich heißt zu lieben, zu leben. Ein impulsiver Film über pure, ungezügelte Lebenslust, die aber eben auch mal wehtut und einem im falschen Moment den Boden unter den Füßen wegreißen kann.

    Aber sind es – sowohl in der Liebe als auch im Kino – nicht genau diese emotionalen Momente, die uns in Schockstarre versetzen, durch die wir uns am Ende auch so lebendig, so menschlich fühlen – und für die es sich zu leben lohnt?

    5 Sterne: Die FILMSTARTS-Kritik zu „Gegen die Wand“

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