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    Neu im Heimkino: Dieser außergewöhnliche Sci-Fi-Film ist ziemlich unbekannt, aber extrem gut
    12.06.2022 um 15:00
    Sidney Schering
    Sidney Schering
    -Freier Autor und Kritiker
    Sein erster Kinofilm war Disneys „Aladdin“. Schon in der Grundschule las er Kino-Sachbücher und baute sich parallel dazu eine Film-Sammlung auf. Klar, dass er irgendwann hier landen musste.

    Super kreativ und voller umwerfendem Charme: „Beyond The Infinite Two Minutes“ ist ein einmaliges Science-Fiction-Juwel. Nach seinem Festival-Siegeszug ist es endlich im deutschen Heimkino angekommen.

    Busch Media Group

    +++ Meinung +++

    Es ist eine derart ungewöhnliche filmische Erfolgsgeschichte, dass man sie glatt verfilmen möchte – doch der dabei entstehende Film könnte unmöglich mit dem Film mithalten, um den er sich dreht. Okay, bevor euch der Kopf schwirrt, der Reihe nach: Eine Theatertruppe nimmt umgerechnet etwas mehr als 25.000 Euro in die Hand, um innerhalb von sieben Tagen einen Film zu drehen. Der feiert in einem kleinen Kinosaal vor gerade einmal zwölf Leuten seine Premiere. Daraufhin wird er von einer japanischen Kinokette ins Programm aufgenommen, alsbald läuft er auf diversen internationalen Festivals – und räumt dort einige Preise ab.

    Genau dies ist die Geschichte hinter „Beyond The Infinite Two Minutes“, dem Sci-Fi-Film, der 2021 in Deutschland auf dem Fantasy Filmfest zum Publikumsliebling gewählt wurde. Jetzt endlich haben Festivalmuffel die Möglichkeit, ebenfalls die verrückte Zeitreisegeschichte zu erleben. Und Fans der liebenswert-wahnwitzigen Sci-Fi-Komödie können sie sich ab sofort ohne größeren Aufwand immer wieder anschauen. Denn: „Beyond The Infinite Two Minutes“ ist endlich auf DVD und Blu-ray sowie als VOD erhältlich.

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    Während die DVD eine Standard-Edition ist, gibt’s die Blu-ray der kreativen Echtzeitposse im limitierten Mediabook. Das enthält zusätzlich zur Blu-ray die DVD von „Beyond The Infinite Two Minutes“ und ein 16-seitiges Booklet über die faszinierende Produktionsgeschichte des Films im One-Take-Look.

    "Beyond The Infinite Two Minutes": Zeitreise in Echtzeit

    Café-Inhaber Kato (Kazunari Tosa) findet heraus, dass der Fernsehbildschirm in seinem Geschäft und der Computermonitor in seiner kleinen, über dem Café liegenden Wohnung auf sonderbar-paradoxe Weise miteinander verbunden sind, was das Konzept der Zeit enorm verkompliziert: Mit ihnen offenbart sich die Möglichkeit, zwei Minuten in die Zukunft zu schauen. Doch mit etwas Findungsreichtum und seinen durchgeknallten Freunden vergrößern sich Katos Spielmöglichkeiten. Was verblüffend beginnt, droht gefährlich zu werden...

    Ich will ehrlich sein: Bevor ich „Beyond The Infinite Two Minutes“ auf dem Fantasy Filmfest gesehen habe, war ich aufgrund des nahezu erdrückenden Vorabhypes in meinem Umfeld skeptisch. Wird es einer dieser Filme, nach denen ich denke: „War ja ganz gut, aber warum wird da so viel Gewese drum gemacht?“ Dann gingen die Lichter im Saal aus – und kurz danach erfüllte ein seeliges Lächeln mein Gesicht, das sich kontinuierlich steigerte, allein unterbrochen durch viele herzliche Lacher. Nach etwa 70 Minuten war die Vorführung zu Ende und mein Gesicht tat mir vom vielen Grinsen weh.

    Anders gesagt: Ich war überglücklich und konnte meinem Kollegen Björn Becher nur beipflichten, der in seiner FILMSTARTS-Kritik „Beyond The Infinite Two Minutes“ attestiert, dass ihm sein „Status als neuer Sci-Fi-Kultfilm schon jetzt kaum noch zu nehmen“ sei. Und wie er mag ich hoch erfreut ausrufen: „Mehr Spaß kann man in 70 Minuten kaum haben!“ Das liegt schon am hochsympathischen, eingespielten Ensemble, dem die Spielfreude fast schon aus allen Poren flimmert – ohne dass es die Illusion dieses Quasi-Kammerspiels stören würde. Denn die Figurentruppe ist ein illustrer Haufen erwachsener Spielkinder, mit denen sicher auch 70 Filmminuten ohne Zeitschleifen-Gimmick massig Spaß machen würden.

    Doch so schnell ich den Cast, bestehend aus der Theatergruppe Europe Kikaku und „Gaststar“ Aki Asakura, ins Herz geschlossen habe: Das wahre Highlight des Films ist, wie Regisseur Junta Yamaguchi das von Drehbuchautor Makoto Ueda ersonnene Zeitparadoxon umsetzt. Der Film besteht aus einer ganzen Reihe Plansequenzen, die dank täuschend gut kaschierter Schnitte im One-Take-Look daherkommt – „1917“ und „Birdman“ lassen grüßen. Während bei denen erstaunt, wie das Filmteam eine Breite an Ereignissen und Weite an Schauplätzen abdecken konnte, verwundert hier, wie mit solch einer Präzision auf derart kleinem Raum gearbeitet werden konnte. Was für die Kamera- und Regiearbeit gilt (unbedingt den Abspann anschauen, der ein Mini-Making-of ist!), gilt aber auch für das Skript:

    „Beyond The Infinite Two Minutes“ ist eine muntere, immer wieder überraschend-gewitzte Parade an selbsterfüllenden Prophezeiungen und pointiert enthüllter Bedeutungsverschiebungen der auf den Monitoren gesagten sowie gezeigten Dinge. Dass diese Echtzeit-Zeitenwirrwarr-Komödie komplett ruhelos ist und gleichzeitig wie ein entspannend-erfreulicher Besuch in einem abenteuerlich-kauzigen Café wirkt, ist nicht das größte Paradoxon an und in „Beyond The Infinite Two Minutes“. Aber es fasst die Essenz und vor allem die Faszination dieser „Lebe den Moment!“-Zukunftsblick-Farce treffend zusammen.

    Heimkino-Highlight: Dieser Zeitschleifen-Action-Kracher erhält endlich (!) sein längst überfälliges Upgrade

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