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    20 Years After
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    1,0
    schlecht
    20 Years After
    Von Ulf Lepelmeier

    Eine post-apokalyptische Welt, in der schon seit Jahren kein Kind mehr geboren wurde: Das klingt nach Children Of Men, ist aber 20 Years After. Regisseur Jim Torres bedient sich für sein Science-Fiction-Drama auch noch bei Mad Max und der Fernsehserie „Jericho - Der Anschlag“, versteht es dabei aber nicht, aus den fremden Versatzstücken etwas Ansprechendes zu basteln. So verkommt der mit einem Minimalbudget realisierte Film zu einem wirren Sud, der mit nicht vorhandener Action, schwachen Darstellerleistungen, langweiligen Dialogen und Logikfehlern wohl niemanden hinter dem Ofen hervorlockt.

    Nach 20 von nuklearer Verseuchung, Bürgerkriegen und Epidemien bestimmten Jahren ist die Erde völlig zerstört und die Menschheit stark dezimiert. Seit Ewigkeiten ist in diese schreckliche Welt kein Kind mehr geboren worden. Trotzdem ist die junge Sara (Azura Skye), die zusammen mit ihrer Mutter (Diane Salinger) in dem Keller einer abgelegenen Farm dahinvegetiert, in anderen Umständen. Die Stimme des Radiomoderators Michael (Joshua Leonard) ist das einzige Zeichen menschlichen Lebens, das die beiden in ihrem Verschlag vernehmen. Zumindest bis der überdrehte Bauchredner Samuel (Reg E. Cathey) auf die Ranch kommt und die beiden Frauen dazu auffordert, ihn zu einer kleinen Gemeinschaft zu begleiten, die in einem Höhlensystem haust. Bald ist außerdem eine geheimnisvolle Sekte hinter der schwangeren Frau her, deren ungeborenes Kind nicht weniger als die letzte Hoffnung auf das Fortbestehen der menschlichen Rasse bedeutet...

    „20 Years After“ lässt den Charakteren trotz langer Dialogpassagen, die den Theaterursprung des Stoffes zumindest noch erahnen lassen, keinerlei Raum zur Entfaltung. Wo das Theaterstück „Like Moles, Like Rats“ von Ron Harris noch hauptsächlich im Keller der Ranch spielte, verlassen Mutter und Tochter im Film bereits nach wenigen Minuten ihren Verschlag, um sich auf den Weg zur Höhlengemeinschaft zu machen - und sich so den Gefahren, die außerhalb der heimischen vier Wände lauern, auszusetzen. Gerade zu Beginn springt die Handlung immer wieder zwischen den Personen hin und her und lässt so den Fokus auf eine Haupthandlung oder eine Identifikationsperson vermissen.

    Dass die Figuren auch im weiteren Handlungsverlauf blass bleiben, verschulden vor allem die größernteils gelangweilt agierenden Schauspieler. Azura Skye (28 Tage, Tödlicher Anruf) schlafwandelt als schwangere Sara geradezu durch den Film. Während Joshua Leonard (Abgezockt, Blair Witch Project) etwas uninspiriert den depressiven Radiomoderator mit einer Vorliebe für Country-Musik verkörpert, liefert Reg E. Cathey („The Wire“, S.W.A.T.) - trotz eines starken Hangs zum Overacting - als Bauchredner noch die beste Leistung der ansonsten farblosen Besetzung ab.

    Die Bilder erreichen nur unteres Fernsehniveau, wobei sich das nicht allein durch das eng bemessene Budget rechtfertigen lässt. Ein weiteres gravierendes Problem ist die fehlende Atmosphäre. Es wird zwar ständig über die trostlose Situation, die kontaminierte Natur und die zerstörte Zivilisation geredet, aber visuell spiegelt sich dies zu keinem Zeitpunkt adäquat wider. So erinnern etwa die sonnendurchfluteten Baumkronen eher an ein Idyll als eine albtraumhafte Welt. Und die Überlebenden hinterlassen nicht den Eindruck, als sei ihre Existenz bereits seit zwei Jahrzehnten von Leid und Angst geprägt. Auch vor storytechnischen Ungereimtheiten und einigen Logiklöchern ist der Film nicht gefeit. Gegen Ende kommt etwa noch ein unpassendes Mystery-Element hinzu, das sich mit der im Science-Fiction-Bereich angesiedelten Geschichte nicht recht vertragen will. Eine gänzlich misslungene Sterbeszene wirkt hingegen einfach nur lächerlich.

    Regisseur Jim Torres liefert mit „20 Years After“ eine qualitativ abgründige Weltuntergangsmär ab, bei der es an allen Ecken und Enden an handwerklichem Können und wirklichem Einsatz mangelt. So erweist sich der preisgünstig produzierte Aufguss von Children Of Men als ungenießbare Direct-to-DVD-Kost, die man getrost im Regal stehen lassen sollte.

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