ThomasEdgar
0 follower |
Seine 34 Kritiken ansehen
|
3.5 - Gut
Der Film besticht durch seine Gradlinigkeit. Aus dem Weisenhaus heraus entwickelt sie sich, gesponsert durch einen vermögenden, väterlichen Liebhaber, zu dem, was sie wurde: Coco Chanel. Sie ist sich ihrer eigenen Arbeitsleistung bewusst, die Verkörperung der modernen Frau, zumindest in der Zielrichtung. Den Steigbügel haben ihr die Männer gehalten, nicht zuletzt der Mann ihres Lebens. Sie hat halt Glück gehabt.
Die Dramaturgie gipfelt im Tod ihres Liebhabers. Spannung entsteht in der Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Konventionen in einer Oberschicht, in der des Besitzes, und nicht der Liebe wegen geheiratet wird. Coco arrangiert sich. In jeder Phase wirkt sie selbstbestimmt, sie verkauft sich nicht. Der Tod des Liebhabers entläßt sie entgültig in ihre selbstbestimmte Freiheit, ihrem Erfolg als Modeschöpferin.
An dieser Stelle endet der Film. Für mich zu wenig vom Werdegang einer Frau, die einen Meilenstein in der Bekleidungsindustrie setzte und auch aneckte. Zu wenig von einer Frau, die weiß, was Arbeit ist. Der kleine Seitenieb auf die bürgerliche Idealisierung der Arbeit wirkt deplaziert. Der Film ist zu wenig Zeitzeugnis, der erste Weltkrieg findet nur am Rand Erwähnung. Er ist zu viel Beziehungsleben, das auch in anderen Zusammenhängen stattfindet.
Trotzdem finde ich den Film sehenswert, weil er sehr verständlich ist mit echten Kulissen jener Zeit. Sehr gut auch die schauspielerische Leistung. Hier punktet der Film, er wirkt durch seine Bilder und weniger durch seine Inhalte, die in ihrer Vereinfachung letztlich einem Arztroman ähneln. Aber vielleicht war Cocos Leben ja auch so, bevor sie zu Chanel wurde?
Übrigens: auffällig viel rauchen starke Frauen in neueren Filmen, die Zigarettenindustrie lässt grüßen.
Hinzugefügt am 05.10.2009 um 14:03 Uhr
Verstoß melden