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die diesjährige oscarverleihung ist eine schauparade der feigheit. gelang es in den letzten jahren noch recht gut auch kleine genrefilme zu beachten, die dann natürlich nicht ausgezeichnet wurden, so gehen die bei den diesjährigen gleich ganz leer aus. liste gefällig? jeff nichols meisterwerk "take shelter", "shame" mit einem großartigen fassbender, "carnage" einer von polanskis besten seit langem, "drive" gerade einmal nominiert, gosling garnicht. lieber schaltet die academy den rückwärtsgang ein und beglückt filme, die an eine zeit erinnern als noch alles gut war. auch david cronenbergs "a dangerous method" - über dessen deutschen verleihtitel man lieber den mantel des schweigens hüllt, gehört zu den übersehenen. zu schwierig scheint es einen film zu berücksichtigen, der auf derart kritische, intellektuelle ja eben dunkle weise über sex spricht. cronenberg interessiert sich vor allem dafür, was die menschen denken und wie sie handeln. und deswegen verlässt er sich auf ein brilliantes drehbuch von christopher hampton das schon auf der bühne kongenial funktionierte. superb fängt der film die verlogenheit und gleichzeitige ambivalenz einer epoche ein, die gerade erst damit beginnt in die abgründe eines vergnügens vorzudringen, das bis zu diesem zeitpunkt unter einer dicken kruste aus gesellschaftlicher etikette verborgen lag. am besten bringt der von fassbender etwas müde und blass gespielte jung die verlogenheit und widerspüchlichkeit jener zeit auf den punkt. unbedingt möchte er an seiner bürgerlichen existenz festhalten während seine wisschenschaftliche arbeit immer mehr dem triebabbau dient und in mehr und mehr mystische gefilde abdriftet. man weiß garnicht, wer der größere narr ist: er oder der von mortensen grandios karikierte sigmud freud. am besten macht ihre sache freilich keira knightley: in ihrer exaltierten interpretation der von hysterischen anfällen geplagten sabrina spielrein scheint der cronenberg´sche bodyhorror auf. wiedereinmal beweist knightley ein händchen für mutige rollen. von allen figuren ist vielleicht sie es, die am meisten benutzt wird. und ist doch diejenige die nicht ihr gesicht verliert. "a dangerous method" ist ein film der mit worten arbeitet und einen genau dadurch in seinen bann zieht.
Hinzugefügt am 17.02.2012 um 23:23 Uhr Verstoß melden
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