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    Cold Blood - Kein Ausweg, keine Gnade
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Cold Blood - Kein Ausweg, keine Gnade
    Von Christoph Petersen
    Nach dem Oscar für „Die Fälscher" (Bester nicht-englischsprachiger Film 2007) war es eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis es den österreichischen Regisseur Stefan Ruzowitzky in die USA treiben würde - selbst wenn in seinem ersten in Englisch gedrehten Film nach „Die Männer Ihrer Majestät" das kanadische Québec als glaubhaftes Double fürs winterliche Michigan herhält. Auch in der neuen Umgebung bleibt der Filmemacher sich treu und realisiert mit dem Action-Thriller „Cold Blood – Kein Ausweg, keine Gnade" erneut eine gut abgestimmte Mischung aus Genre-Kino und Charakterdrama, nachdem er mit „Die Siebtelbauern", „Anatomie" und sogar mit „Hexe Lilli: Der Drache und das magische Buch" (einem Kinderfilm mit Zombie-Einschüben) schon ähnliche Hybride erfolgreich umgesetzt hat. Mit „Cold Blood" empfiehlt sich der erneut stilsichere Ruzowitzky definitiv für weitere Hollywood-Aufgaben, selbst wenn sein geradliniger Film so manchem Zuschauer womöglich sogar etwas zu zielstrebig und einfach erzählt ist.

    Ihr Überfall auf ein Casino ist gut gelaufen, doch auf der Flucht verunglücken Addison (Eric Bana) und seine kleine Schwester Liza (Olivia Wilde) mit dem Auto mitten im vereisten Nirgendwo Michigans. Um nicht ins Raster der fahndenden Polizei zu fallen, beschließen die beiden, sich jeweils alleine bis zur Grenze durchzuschlagen. Während sich Liza von dem gerade aus dem Gefängnis entlassenen Boxer Jay (Charlie Hunnam) mitnehmen lässt, schlägt sich der gewaltbereite Addison zu Fuß durch die eiskalte Winterlandschaft und hinterlässt dabei eine blutige Spur. Der zuständige Sheriff Becker (Treat Williams) hat allerdings nicht nur die Suche nach dem Mörder im Kopf, sondern macht sich Sorgen um seine ambitionierte Polizisten-Tochter Hanna (Kate Mara), die keine Lust mehr auf stumpfsinnige Bürojobs hat und endlich auch da draußen ermitteln will. Schließlich führt der Zufall alle Beteiligten ins Haus von Jays Eltern June (Sissy Spacek) und Chet (Kris Kristofferson) - und zwar gerade rechtzeitig zum Thanksgiving-Festmahl mit gebratener Gans und Kürbiskuchen...

    Der stetige Wechsel zwischen mehreren parallelen Geschichten, die am Ende zusammenlaufen, ist kein rein dramaturgischer Kniff, denn Debütautor Zach Dean verbindet die einzelnen Stränge mit einem gemeinsamen übergreifenden Thema, das auch im früheren Originaltitel des Films „Kin" (= „Verwandtschaft") anklingt. Im Mittelpunkt aller drei Episoden steht stets ein familiärer Konflikt, der wie der Thriller-Plot ebenfalls im finalen Thanksgiving-Mahl kulminiert: Chet ist von seinem Sohn enttäuscht, seitdem dieser bei einem Boxkampf betrogen hat. Becker will seine Tochter beschützen, doch die möchte endlich ihren eigenen Weg gehen. Und Addison hat seit der Kindheit auf seine kleine Schwester aufpassen müssen und alle Gefahren buchstäblich aus dem Weg geräumt. Doch nun ist es auch für ihn an der Zeit, loszulassen – was zugleich aber auch bedeuten würde, dass er keine Aufgabe mehr im Leben hat. Von diesen drei parallelen Konflikten fesselt vor allem der zwischen den mittelschwer psychopathischen Geschwistern, während der zwischen Vater und Sohn emotional überzeugend aufgezogen wird. Allein der Sheriff-Tochter-Strang ist ein wenig zu klischeehaft geraten und Becker benimmt sich zu offensichtlich wie ein Idiot, um ihm für die Beziehung zu Hanna die Daumen zu drücken.

    Mit Ausnahme der Auffächerung in mehrere parallele Erzählstränge inszeniert Stefan Ruzowitzky seinen unterkühlten Thriller angenehm geradlinig und ohne unnötiges erzählerisches Fett. Es gibt hier auch keine selbstreflexiven Schnörkel und keinen Meta-Humor, stattdessen tut die Gewalt tatsächlich weh und die omnipräsente Eiseskälte zerrt selbst im gut geheizten Kinosaal am Zuschauer. Auch die Schauspieler überzeugen. Besonders Eric Bana („Wer ist Hanna?". „München") als fürsorglich-psychopathischer Killer mit Hardcore-Dialekt und Olivia Wilde („Cowboys & Aliens") als naiv-verführerische Femme fatale stechen heraus, während die Veteranen Kris Kristofferson („Blade") und Sissy Spacek („Carrie") aus ihren wenigen gemeinsamen Szenen als noch immer verliebtes Paar das Maximum herausholen. Lediglich „Everwood"-Star Treat Williams („Prince of the City", „Hair") fällt demgegenüber ein wenig ab, auch wenn sich der B-Movie- und Genre-Kino-Veteran hier eigentlich besonders wohlfühlen müsste. Denn obwohl die Verfolgungsjagden hier witterungsbedingt nicht auf Pferderücken, sondern auf Schneemobilen absolviert werden, fühlt sich der Film mit seinen oft atemberaubenden Widescreen-Panoramen wie eine Mischung aus modernem Western und Neo-Noir an – ein Eindruck, der vom finalen, ebenfalls angenehm schnörkellosen Shootout noch einmal nachhaltig untermauert wird.

    Fazit: Stefan Ruzowitzkys Amerika-Debüt ist ein schnörkellos-brutal inszenierter Action-Thriller vor eiskalt-atmosphärischer Schneekulisse.
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