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    Plan 9 from Outer Space
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    0,5
    katastrophal
    Plan 9 from Outer Space
    Von Jan Görner

    Mit „Verbrechen und andere Kleinigkeiten" hat Woody Allen eine wichtige Faustregel aufgestellt: Komik nämlich sei Tragödie plus Zeit. Ob es Ed Wood wohl trösten würde, dass sein Hauptwerk „Plan 9 from Outer Space" von 1959 heute als Klassiker rezipiert wird? Immerhin meinte der Regisseur bei der Premiere seines als persönlicher Schaffenshöhepunkt geplanten Films, dass er damit in die Geschichte eingehen werde. Und er hat Recht behalten. Denn inzwischen gilt der Sci-Fi-Gruselstreifen als schräger Kultfilm, der vor allem für seine unfreiwillige Komik geliebt wird.

    Fliegende Untertassen über Hollywood! Besorgt über die wachsende Zerstörungskraft der menschlichen Spezies versuchen Außerirdische, mit der Erdbevölkerung in Kontakt zu treten. Bevor die rückständigen Erdlinge die Zeichen der Zeit erkennen, sind bereits acht Alien-Pläne fruchtlos zurück in die interstellaren Schubladen gewandert. Als den Fremden langsam die Geduld mit der Menschheit ausgeht, greifen sie zu besonders perfiden Mitteln, um die Völker der Erde vor den Gefahren der neu entwickelten Solarbombe zu warnen: Mittels Elektrodenstrahlung werden die Körper kürzlich Verstorbener wieder ins Leben zurückgeholt, um als blutgierige Untote Jagd auf arglose Amerikaner zu machen. So handeln um den Frieden besorgte höhere Wesen nunmal, schließlich steht die Existenz des gesamten Universums auf dem Spiel!

    Edward Davis Wood Jr. zählt wahrlich zu den tragischsten Gestalten der Hollywood-Geschichte. Mit einer unvergleichlichen Talentlosigkeit geschlagen, wollte der Exzentriker Zeit seines Lebens als Filmkünstler ernst genommen werden. Doch erst im Tode wurde Wood wenig schmeichelhafter Ruhm zuteil. Eine Rehabilitierung seines Gesamtwerkes ging damit freilich nicht einher. 1980 verlieh man ihm postum den Golden Turkey Award als „Schlechtester Regisseur aller Zeiten" - ein Titel, der keine Erbfolge zulässt, und daher berechtigte Anwärter auf die Nachfolge auf unbestimmte Zeit vertrösten muss. Dass Wood mit seinem unbeholfenen Opus magnum „Plan 9 from Outer Space" auch den Preis als Schöpfer des schlechtesten US-Films aller Zeiten auf seiner Person vereint, erscheint folgerichtig.

    Und tatsächlich ist die Handlung dieses Machwerks derartig mit Logiklöchern und Anschlussfehlern überzogen, dass sie als solche kaum zu erkennen ist. Angefüttert mit allerlei Lächerlichkeiten wie windschiefen Papp-Grabsteinen und außerirdischen Führern, die wild rumpelstilzen, wenn ein „dummer, dummer Mensch" auf die Sinnlosigkeit ihres Plans hinweist, hat sich „Plan 9 from Outer Space" den Titel als Klassiker des Stümpertums redlich verdient. Anekdoten wie die Finanzierung durch eine baptistische Kirchengemeinde (samt obligatorischer Taufe für Wood und einige Cast- und Crewmitglieder) gibt es in Hülle und Fülle. Immerhin, „Plan 9 from Outer Space" ist keineswegs langweilig. Mag die Geschichte samt forcierter Friedensbotschaft à la „Der Tag, an dem die Erde stillstand" selbst im Kontext zweit- und drittklassiger 50er-Science-Fiction-Reißer besonders lächerlich sein, so fasziniert an „Plan 9 from Outer Space" doch das schiere Ausmaß des cineastischen Dilettantismus.

    Auch die exzentrische Darstellerriege um Profi-Wrestler Tor Johnson und Maila Nurmi alias Vampira wird so manchen mit hängender Kinnlade zurücklassen. Gegen das absurde Drehbuch kann auch ein routinierter Vertragsschauspieler wie Gregory Walcott („Sugarland Express") in der Hauptrolle als Jeff Trent nicht anspielen. In seiner letzten Rolle zu sehen ist Bela Lugosi („Dracula"), allerdings nur in tonlosem Archivmaterial. Wer an der Geschichte Woods bis zu seinem „Meisterwerk" „Plan 9 from Outer Space" interessiert ist, dem sei an dieser Stelle Tim Burtons geniale Biopic-Satire „Ed Wood" ans Herz gelegt. Ausgespart werden dabei die Zeiten, als sich der gescheiterte Regisseur im Herbst seiner Jahre mit Pornoproduktionen und dem Schreiben von Schundheftchen ein Gnadenbrot verdiente.

    In seinem oscarprämierten Film zeichnet Burton ein Bild von Ed Wood, das sich in den letzten Jahren langsam durchzusetzen scheint - das eines hoffnungslosen Romantikers und begeisterten Kinoliebhabers. Und das eines versessenen Dilettanten, der trotz herber Rückschläge an die eigene Vision und Größe glaubte. Im diesem Sinne bietet sich „Ed Wood" wunderbar für ein tragikomisches Double-Feature mit „Plan 9 from Outer Space" an. Auf gerade mal 79 Minuten verdichtet der Film mehr groteske Kulissen und dämliche Dialogzeilen als etliche Regalmeter in der nächstgelegenen Videothek zusammen. Und gerade deswegen lässt sich Ed Woods großem Streich ein schräger Reiz einfach nicht absprechen. Anders als bei vielen lieblos runtergekurbelten B-Movies lässt sich das Herzblut erahnen, das der Regisseur, Drehbuchautor und Produzent in sein Traumprojekt investiert hat. „Plan 9 from Outer Space" ist ein Film, den man gesehen haben muss - und sei es bloß, um glauben zu können, dass er existiert.

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