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Deathly Weapon
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,5
enttäuschend
Deathly Weapon
Von Björn Becher
Steven Seagal wird Filme drehen, bis er irgendwann tot vor der Kamera umfällt. Das ist gewiss. Seit Jahren kurbelt der mimisch unbegabte, früher aber mit passablen Actionern aufwartende Darsteller eine Billigproduktion für die Videotheken nach der nächsten runter. Da er aber einen treuen Fankreis hat und die Gruppe der Anhänger von anspruchsfreier B-Action auch nicht allzu klein ist, verdient er gutes Geld und sieht daher keinen Grund aufzuhören. Sein neuer Aufguss „Pistol Whipped“ („deutscher“ Titel: „Deathly Weapon“) ist immerhin in mancher Hinsicht mal wieder ein kleiner Fortschritt. Ausnahmsweise in den USA statt in Osteuropa gedreht, sucht sich Seagal einen Charakter heraus, der zu seiner Trägheit und dem Übergewicht passt. Das insgesamt sehr mäßige Tempo und die inspirationslose Inszenierung des Holländers Roel Reiné verhindern, dass aber endlich mal wieder ein durchschnittlicher Seagal-Film dabei heraus kommt.

Der abgehalfterte Ex-Cop Matt (Steven Seagal) ist ein spielsüchtiger Alkoholiker. Da er beim Pokern zudem bisweilen mehr als lausig agiert, belaufen sich seine Schulden mittlerweile auf über eine Million Dollar. Da tritt der arrogante, stets gut gekleidete Blue (Paul Calderon) an ihn heran. Sein mysteriöser, eher im Verborgenen bleibender Boss (Lance Henriksen) hat Matts gesamte Schulden aufgekauft und will nun, dass diese abgearbeitet werden. Matt soll für ihn ein paar Menschen umbringen, alles reiche Ärsche, die glauben, sie ständen dank ihres Geldes und Einflusses über dem Gesetz. Doch nach den ersten erfolgreichen Jobs ist Matts nächstes Ziel ihm nur zu gut bekannt: sein Freund und einstiger Kollege Steve (Mark Elliot Wilson), der mittlerweile auch der Stiefvater von Matts kleiner Tochter (Lydia Jordan) ist.

Seagal läuft durch eine recht altbekannte Geschichte, denn natürlich hat seine Figur noch den genretypischen Hintergrund als Ex-Elite-Kämpfer in einer geheimen Einheit. Leider geschieht dies größtenteils sehr zäh und eher ermüdend, auch kurze eingestreute Kämpfe können da nicht viel ändern. Selbst in geselliger Runde mit ein paar Bier und richtig Lust auf einen billigen Actionkracher kann man lange Zeit ein Gähnen nur schwer unterdrücken. Erst im Finale kommen die Actionfans auf ihre Kosten. Eine Schießerei auf der Straße, die offensichtlich ein wenig an Michael Manns Heat erinnern soll (allerdings meilenweit von deren inszenatorischer Brillanz entfernt ist) und der große Showdown auf dem Friedhof sorgen hier zumindest für kurzzeitige unterhaltsame Actionkost.

Dass Seagal schon lange nicht mehr sportlich und durchtrainiert ist, war bei seinen letzten Filmen ein großes Manko. Denn er wollte trotzdem immer einen coolen Typen mimen, der im Alleingang alle Bösewichte mit seinen Moves klein schlug. Wenigstens hat sich nun sein Rollenprofil geändert. Der abgehalfterte Ex-Cop mit Alkoholproblemen passt deutlich besser zu einem Seagal mit Speckrollen und Tränensäcken als seine letzten Charaktere. Ungewöhnlich ist, dass Seagal sehr viele Dialoge spricht. Die Anzahl der Sprachszenen ist deutlich höher als zuletzt und nachsynchronisiert wurde auch nichts. Stattdessen macht er einen auf Stallone und bekommt ähnlich wie dieser in John Rambo die Zähne kaum auseinander. Auch wenn sich das Drehbuch von J.D. Zeik (Ronin) dabei als etwas zu bemüht erweist, coole Sprüche unterzubringen, sind die Dialoge insgesamt über dem durchschnittlichen B-Movie-Niveau und halten auch ein paar amüsante Anspielungen bereit.

Die Inszenierung des Niederländers Roel Reiné kann sich insgesamt leider nicht profilieren. Die Kameraführung, die ein „mitten im Geschehen“ vermitteln will, dabei aber teilweise nervig ist und der Übereinsatz von nicht immer passenden Zeitlupen fallen besonders negativ auf. Auch die überdramatisierende, sehr B-Movie-typische Musik, die sich ständig in den Vordergrund drängt, ist alles andere als ein Glanzstück. Die zwei Pokerszenen zu Beginn sind zudem völlig an jeder Art von Spannungsaufbau vorbeiinszeniert. Wer sich als Pokerfan daher aufgrund des DVD-Covers einen Film erhofft, der nicht nur auf den Hype aufspringt, sondern auch ein wenig Action am Kartentisch zu bieten hat, sollte die Erwartungen beiseite schieben. Bis auf zwei eingangs auch nur sehr kurz gezeigte Hände spielt Poker keine Rolle.

An der Seite von Seagal versammeln sich überraschend gute Darsteller. Prominentester Name ist Lance Henriksen (Aliens, Near Dark), der sich bekanntlich ja für kaum einen Film zu schade ist, hier aber nur einen sehr kurzen Auftritt hat, der wohl seiner Freundschaft mit dem Regisseur geschuldet ist. Die Trumpfkarte des Casts ist dagegen Paul Calderon (Pulp Fiction, 21 Gramm, The Sentinel). Der völlig unterschätzte Neben- und Kleindarsteller, der auch als Schauspiellehrer arbeitet, liefert als mysteriöse rechte Hand des großen Bosses und dessen Sprachrohr eine exzellente und undurchsichtige Vorstellung ab. Schade, dass seine Rolle nicht größer ausgefallen ist. Mark Elliot Wilson (World Trade Center) gibt eine solide Bösewichtsperformance, die nur im Finale etwas zu überzogen (und auch mal unfreiwillig komisch) wird, während Daily-Soap-Darstellerin Renee Goldsberry sowie in einer kleinen Nebenrolle Open Water-Hauptdarstellerin Blanchard Ryan für ein wenig Weiblichkeit inmitten all des Testosterons sorgen.

Fazit: „Deathly Weapon“ bietet eine eher lahme Geschichte, die wenigstens Seagal in einer Rolle zeigt, die einigermaßen zu ihm passt, kann mit Nebendarsteller Paul Calderon, einigen guten Dialogen und zwei Actionszenen wenigstens hin und wieder überzeugen. Da die großen Actionszenen geschickt am Ende platziert sind, wird der Hardcore-Videothekenkunde über der Begeisterung für diese vielleicht sogar den öden Rest vergessen.
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