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    Rosso - Farbe des Todes
    Durchschnitts-Wertung
    3,1
    6 Wertungen - 2 Kritiken
    Verteilung von 2 Kritiken per note
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    2 User-Kritiken

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    4,5
    Veröffentlicht am 4. Dezember 2014
    Dario Argento ist ja immer so eine Sache. Oft fehlt es seinen Filmen an erzählerischem Wert und stattdessen punkten sie mit hell erleuchteten, fast schon grellen Farben, verspieltem Einsatz von Licht und Schatten, allerlei symbolischen Mustern auf Wänden, Böden oder Objekten und langen ausschweifenden Kamerafahrten. Dazu kommt dann immer wieder die schrille und leicht mystische Musik, meist von Goblin (wie auch in diesen Film) beigesteuert. Da jetzt schon einige Argento-Filme in meinem DvD-Player gelandet sind, war ich doch schlussendlich sehr überrascht über sein Werk, da es zwar in seiner Grundform den anderen Filmen wie "Suspiria" und "Horror Infernal" ähnelt, doch dabei eine viel komplexere Geschichte entwickelt, die man eigentlich bei ihm nicht erwartet. Die Story dreht sich wie bei einem Giallo üblich um die Aufdeckung einer Mordserie, bei denen die Mordszenen extravagant dargestellt werden. Im Mittelpunkt der Geschichte befindet sich der Pianist Marcus Daly, gespielt von David Hemmings, der Zeuge des Mordes an seiner Nachbarin wird, sofort ihr zu Hilfe eilt, aber zu spät kommt. Noch am Tatort lernt er die etwas neurotische Reporterin Gianna Brezzi, hier gespielt von Daria Nicolodi, kennen. Gemeinsam versuchen sie den Mord und die darauffolgenden aufzuklären und den Mörder zufassen. Was nun die Geschichte so interessant macht ist weniger die kriminalistische Suche nach dem Täter, sondern die verstecke Symbolik. Den im Kern handelt der Film von Sexualität, vom Kampf Mann gegen Frau und von Gefühlen der beiden Geschlechter. Dabei wird vor allem ein Augenmerk auf die Frau geworfen, die in jeder verschiedenen Lebenssituation durch verschiedenen Darsteller präsentiert und porträtiert wird. Dabei wird immer der Bezugspunkt zum Mann, in diesem Fall dem Hauptdarsteller gesucht. Aber auch homoerotische Gefühle wie von Mann zu Mann werden aufgeschlüsselt und einerseits zwar skeptisch, trotz allem aber tolerant dargestellt. Dabei spielen genau diese Punkte eine zentrale Rolle auf der Suche nach dem Mörder und das bringt den Film auf eine Ebene die sehr interessant und spannend ist und dem Zuschauer eine Verfolgungsjagd bietet die so sehr selten filmisch dargestellt wird. Dazu werden auch mehrere erzählerische Twists eingebaut, die auch ein David Fincher kaum besser hätte verfilmen können. Aber nicht nur auf dieser Metaebene überzeugt der Film, sondern auch in der Form der Kamerafahrten, der Farben und der symbolträchtigen Austattung. Zwar hebt sich der Film nicht so extrem ab wie "Suspiria", bleibt aber trotzdem typisch Argento. Hier spalten sich natürlich viele Meinungen, was absolut in Ordnung geht, weil Meinungen immer auf unterschiedlichen Wahrnehmungen beruhen. Für mich selbst sind besonders die Bildeinstellungen und die sehr spontanen Kamerawendungen spannend und interessant gewesen, da sie es geschafft haben auch bei mir eingesessen Cineast Grusel und Spannung zu erzeugen. Aber auch die unkonventionellen Argento-typischen Farben und Symbole sind mehr als nur einen Blick wert und unterstreichen das oben angesprochene Thema der Sexualität oder dem Kampf der Geschlechter sehr gut, sodass zum Ende des Films hin, wenn sich die Geschichte langsam entrollt hat und einem die Wahrheit präsentiert wird, wieder Bilder ins Gedächtnis gerufen werden, die einem Verknüpfungen erstehen lassen sodass man einen zweiten Blick noch einmal auf die besagte Stelle richtet muss um es zu kontrollieren. Somit also ein Film der auch öfters angeschaut werden kann und wohl auch muss um ihn ganz zu verstehen. Dazu kommen dann noch humoristische Szenen, die darauf beruhen das man auf die oben genanten Themen auch immer mit etwas Humor antworten kann, was nicht nur den Film oftmals etwas auflockert, sondern auch den Darstellern Sympathiepunkte ermöglicht. (Beste Szene: Unser Hauptdarsteller der Pianist und seine Partnerin reden über Frauen im Allgemeinen und während er das weibliche Geschlecht als schwach betitelt, fordert sie ihn promt zum Armdrücken heraus. Nach zwei Niederlagen fühlt sich der Mann gar nicht mehr so stark und lässt dies promt brummig an der Frau aus. Daraufhin antwortet sie ebenfalls zickig und das ganz spitzt sich zu einer lustigen Szene hoch.) Musikalisch legt auch hier Goblin wieder starke Akzente und unterstreicht mit einer weiteren brillanten Filmmusik die produktive Zusammenarbeit mit dem Regisseur. Zwar unterscheidet sie sich etwas von der Musik zu "Suspiria", mit dieser ansteigenden mystischen Stimme und den leisen Klingeln, was aber wohl daran liegt das in "Rosso" kein Bezugspunkt zum Okkultismus entsteht, und somit diese Musik klar besser gewählt ist. Stattdessen herrschen hier schrille, fast schon Techno-artige Klänge vor die besonders in den Sequenzen besondere Stimmung verbreiten, wenn das ungleiche Detektiv-Paar eine neue Entdeckung macht. Die in Szenen gesetzten Morde sind teilweise sehr brutal, obwohl man auch hier sagen muss das eine Filmkultur wie wir sie heute haben schon anderes gewohnt ist. Somit entfällt der Ekelfaktor ein wenig herrscht trotzdem aber noch vor. Eine Szene bleibt mir in Erinnerung in der eine Frau in der Badewanne in fast kochendes Wasser immer wieder kopfüber getaucht wird und man ihr Gesicht alle paar Sekunden kurz sieht und erkennt wie die Haut von rötlich zu "verkocht" wird. Kein angenehmer Anblick. Aber auch das gehört zu einem guten Giallo dazu und ist einem Argento-Fan im Vorfeld bekannt. Schlussendlich ist noch die schauspielerische Arbeit erwähnenswert, die allen voran von der soliden, leicht humoristischen Arbeit von David Hemmings beherrscht wird. Doch noch einen drauf setzt die italienische Daria Nicolodi die mit ihrer überdrehten selbstbewussten Darstellung viel Platz zum lachen lässt, aber auch zugleich Tiefe beweist. Daneben herrschen die sehr gut platzierten Nebendarsteller, sei es Gabriele Lavia als Carlo der bester Freund, Arbeitskollege und homosexueller Alkoholiker, sowie die nach Nähe trachtende einsame Mutter von Carlo, Clara Calamai in ihrem letzten Film oder der exzentrischen und telepathisch begabten schönen Macha Méril. Durchweg kann man also sagen einer der besten Filmen Argentos in seiner durchwachsenen Filmografie. Ein Film den ich absolut empfehlen kann und der bei mir nur haarscharf an den vollen 5 Punkten vorbei geschlittert ist.
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