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    Das Baby mit dem Goldzahn
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Das Baby mit dem Goldzahn
    Von Björn Becher
    Anfang bis Mitte der 90er Jahre waren die hessischen Comedians und Musiker Gerd Knebel und Henni Nachtsheim, besser bekannt als das Duo „Badesalz“, auf der Höhe ihres Erfolgs. Das Album „Diwodaso“ brachte für eine Comedy-Scheibe herausragende drei Single-Auskoppelungen hervor und gilt heute noch als eine der allerbesten und richtungsweisendsten Komiker-Platten. Der Erfolg bescherte dem Duo 1996 sogar einen Kinofilm. „Abbuzze! Der Badesalz-Film“ erreichte trotz des skurrilen und nicht ganz einfachen hessischen Humors auch über die Landesgrenzen des Äppelwoi-Staates hinaus respektable Zuschauerzahlen und ist in einigen Kreisen längst Kult. Auch wenn das Gedränge auf der Comedy-Plattform seitdem zugenommen hat und fast wöchentlich im Privatfernsehen ein sogenannter „Komiker“ neu auftaucht, haben „Badesalz“ ihren Platz behauptet. Neben Gastauftritten in Kinofilmen wie Herr Bello oder Video Kings konzentrieren sie sich vor allem auf das wichtigste Standbein eines guten Kabarettisten: ihr nach wie vor meist ausverkauftes Bühnenprogramm. Nachdem Knebel und Nachtsheim jahrelang an der Realisierung eines zweiten Kinofilms scheiterten, kommt auf DVD nun die auf ihrer jüngsten CD und einem Bühnenprogramm basierende Komödie „Das Baby mit dem Goldzahn“ heraus. „Badesalz“-Fans werden damit sicherlich ihren Spaß haben, auch wenn die alte Kreativität nicht erreicht wird und zu viele Witze leer laufen oder den Hardcore-Fans schon zu gut bekannt sind. Wer mit dem hessischen Comedy-Duo bislang nichts anfangen konnte, wird allerdings auch bei dem Film von Daniel Acht („Video Kings“) nur stirnrunzelnd vor dem Fernsehen sitzen.

    Weil der Bub (Gerd Knebel) krank ist, liest ihm seine Mutter (Henni Nachtsheim) ein Märchen vor: „Das Baby mit dem Goldzahn“. Wir schreiben das Jahr 2048, Deutschland ist verdummt. Denn der fiese Herrscher Rado (Gerd Knebel) hat nicht nur Universitäten zu Tattoo-Shops umgebaut, sondern auch den Schlager verboten. Nur noch Bum-Bum-Rock wird im Radio gespielt und dörrt die Gehirne der Bevölkerung weiter aus. Schlagersänger wie Tony Balloni (Gerd Knebel) operieren aus dem Untergrund und werden von der Geheimpolizei verfolgt. Doch ein Ausweg naht: Denn eine Legende besagt, dass das unschuldige Mädchen Lea (Olaf Mill) die Welt retten kann, wenn sie das Baby mit dem Goldzahn findet. Doch dazu muss Lea eine gefährliche Reise unternehmen, bei der sie unter anderem auf das Orakel von Offenbach (Gerd Knebel, Henni Nachtsheim) und die heiße Luft (Henni Nachtsheim) trifft.

    Wie schon bei ihrem Erstling „Abbuzze!“ ist das „Das Baby mit dem Goldzahn“ im Endeffekt eine von einer Rahmenhandlung lose zusammen gehaltene Aneinanderreihung von Einzelsketchen. Hier gibt es allerdings gleich zwei Handlungselemente mit der Erzählung der Mutter sowie der Suche von Lea nach dem titelgebenden Baby mit dem Goldzahn. Beide sorgen dafür, dass die von Musiker Olaf Mill verkörperte Lea in immer wieder neue Situationen stolpert, wo sie auf allerhand skurrile Gestalten trifft, die von dem „Badesalz“-Duo Knebel und Nachtsheim verkörpert werden. Besucher des Bühnenprogramms der beiden werden einige dieser Einzelnummern schon kennen, was bei den Besseren auch nichts ausmacht, denn hier kann man wiederholt lachen. Der Film ist dabei klar auf die vornehmlich hessische Fanschar zugeschnitten, denn der Rest wird zum Beispiel bei einem Kurzauftritt des kultigen Bibobabobären nur dumm aus der Wäsche schauen.

    Der Humor von „Badesalz“ ist gewöhnungsbedürftig. Manche Kalauer haben sehr bescheidenes Niveau, vieles wirkt oft sehr prollig und der grotesk-demaskierende Grundton des Prolltums und der gesellschaftlichen Missstände von „Abbuzze“ fehlt leider weitestgehend, obwohl sich ein Zukunftsszenario hierfür gerade anbieten würde. Wunderbar sind „Badesalz“ aber nach wie vor, wenn sie sich mit trocken-ernsten Sprüchen, die meist von Gerd Knebel nach sanfter Vorbereitung durch Henni Nachtsheim (oder manchmal Olaf Mill) reingeknurrt werden, begeistern. Wenn Nachtsheim mit feiner Erzählstimme berichtet, dass Lea sich nun ihr Lieblingskleid angezogen hat und daraufhin Knebel auf seine unnachahmliche Art reinbrüllt, dass sie den „gelben Lappen doch schon die ganze Zeit an hat“, blüht das Herz des „Badesalz“-Fans auf. Dass das Duo wie gewohnt fast alle Rollen selbst übernimmt, wird natürlich auch parodiert („Habe ich Sie nicht gerade im anderen Haus gesehen?“ – „Man wird doch mal umziehen dürfen?“). Musikalische Darbietungen wie zum Beispiel der „Asbest Song“ dürfen bei den auch in diversen Bands tätigen Knebel und Nachtsheim genauso wenig fehlen, wie mit der „Hamburger Taxi Folter“ die üblichen Seitenhiebe gen Norden.

    Fazit: „Das Baby mit dem Goldzahn“ steht deutlich hinter „Abbuzze“ zurück, macht aber trotzdem noch Spaß. Am besten genießt man den Film in trauter Runde, ausgestattet mit ein paar Bembel voll Stöffsche. Dann wird das ganze Geschehen gleich noch eine Ecke lustiger und sympathisch ist der Self-Made-Film, bei dem auch mal die Mikros deutlich sichtbar im Bild hängen, sowieso. Dafür sorgt schon die originelle Einzelvorstellung aller (Klein-)Sponsoren während des Abspanns.
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