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    Jappeloup - Eine Legende
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    Jappeloup - Eine Legende
    Von Andreas Günther

    Womöglich bedeutet dem französischen Filmstar Guillaume Canet („Zusammen ist man weniger allein“) der Pferdesport einfach zu viel, um unvoreingenommen einen Kinofilm darüber machen zu können: Früher selbst ein talentierter Springreiter, fungiert Canet bei „Jappeloup – Eine Legende“ nun als Hauptdarsteller und Drehbuchautor in Personalunion. Basierend auf dem Leben des Sportreiters Pierre Durand und seinem Pferd Jappaloup inszeniert Action-Spezialist (und ehemaliges Mitglied des kanadischen Reit-Nationalteams) Christian Duguay („The Art of War“) ein  Biopic, bei dem sich die Macher immer wieder vergaloppieren: Mal ist die Erzählung zu unfokussiert, dann wieder zu sentimental.

    Mit der Unterstützung seiner pferdebegeisterten Eltern (Daniel Auteuil, Marie Bunel), die für ihn Mitte der 1970er Jahre den Weinanbau in der Nähe von Bordeaux aufgeben und stattdessen einen Reitstall aufmachen, peilt der jugendliche Springreiter Pierre Durand (Guillaume Canet) eine steile Karriere an. Nach einem schlimmen Sturz orientiert er sich jedoch um und wird Anwalt – eine Karriere, mit der er nie glücklich wird. Die folgende Rückkehr in den Pferdesport mündet nicht nur in der Ehe mit seiner Reiterkollegin Nadia (Marina Hands), sondern bringt ihn auch mit Jappeloup zusammen. Anfangs traut Pierre dem eigensinnigen Hengst nicht viel zu, doch schon bald erringt das Duo erste Erfolge. Aber Pierre leidet darunter, dass Jappeloup zwar ein großartiges Pferd ist, er selbst aber als nur mittelmäßiger Reiter gilt. Als er bei den Olympischen Spielen in Los Angeles stürzt, will der verzweifelte Pierre seinen Hengst sogar verkaufen…

    Pierre Durand und besonders Jappeloup sind Legenden des Reitsports. Aber Guillaume Canet hat die wahre Geschichte spürbar seinen eigenen Lebensdaten angenähert. Ganz so, als wolle er nun zumindest auf der Leinwand nachholen, was ihm in der Realität verwahrt geblieben ist. Schließlich galt Canet bis zu einem Unfall selbst als große Nachwuchshoffnung im Springreiten, bevor er sich für eine Karriere als Schauspieler und Regisseur entschied. So überzeugend wie seine souveränen Regiearbeiten „Bad, Bad Things“, „Kleine wahre Lügen“ und vor allem „Kein Sterbenswort“ ist „Jappeloup“ allerdings nie. Besonders im Vergleich zu dem nervenzerfetzenden Neo-Noir „Kein Sterbenswort“ treten die Schwächen von „Jappeloup“ deutlich zutage. Dabei liegt der Vergleich nicht nur nah, weil das Pferdesport-Milieu teilweise dasselbe ist, sondern auch wegen einer déjà-vu-artigen Szene: Als Pierre beim Großen Preis von Frankreich antritt, wird per Lautsprecher als Gast auf der Tribüne der Schauspieler Jean Rochefort begrüßt. Unmöglich, da nicht an „Kein Sterbenswort“ zu denken, wo eben jener Rochefort während eines Reitturniers verhaftet wird. Aber so straff komponiert „Kein Sterbenswort“ auch war, in dem Canet als Gangstersprössling in der Pferdebox kleine Mädchen missbraucht, so sehr mangelt es „Jappeloup“ nun an überzeugenden Konflikten und Charakteren.

    Wenn eine Viertelstunde vor Schluss des Stallmädchen Raphaelle (Lou de Laàge) Pierre vorwirft, er habe nicht zwei Minuten in der Box von Jappeloup verbracht, deutet sie eine gestörte Beziehung zwischen Reiter und Pferd an, die ein interessantes Thema gewesen wäre – aber dieser Konflikt kommt viel zu spät. Stattdessen wird viel Zeit mit dem Ehrgeiz des Vaters, Ärger mit dem Trainer und ein bisschen Ehegezänk verplempert. Das Pferd, dem Titel nach ja eigentlich der Star des Films, bleibt hingegen ein unbekanntes Wesen ohne Ausstrahlung. Und mit seinem Reiter sieht es nicht viel besser aus: Ein eigensinniger, eigenbrötlerischer, leicht aufbrausender Typ ist das, dem man genauso gleichgültig gegenübersteht wie dem Tier, das er lieblos antreibt. Zudem fehlt Canet mit seinen fast 40 Jahren der naive Elan, um eine Figur in ihren Zwanzigern zu spielen. Und die Maske hat auch gepennt: Am Anfang hat Pierre mehr Falten als am Ende. Richtig freuen kann man sich da nur über die verblüffend reale Inszenierung der Olympischen Spiele von Los Angeles und Seoul sowie die atemberaubenden Sprungaufnahmen, in denen Regisseur Duguay am Set das Reiten selbst übernahm.

    Fazit: Das Sportler-Biopic „Jappeloup - Eine Legende“ kommt nie richtig in die Hufe.
     

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