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Eine der zahlreichen Konventionen bei der alljährlichen Oscarverleihung besteht darin, dass Hollywood keinen Hehl daraus macht, wie gerne es sich selbst feiern lässt...und dementsprechend gerne Filme und deren Macher nominiert und auszeichnet, welche diese Selbstverliebtheit mit Hingabe bedienen. Aus diesem Grund war der Oscar-Triumph von "The Artist" eine doch ziemlich vorhersehbare Angelegenheit. Selbiges steht jedoch weniger im Verhältnis zur tatsächlichen Qualität des Films als man es nach all der Lobpreisung annehmen könnte; einzig die absolute Berechtigung von Jean Dujardins Auszeichnung als bester Hauptdarsteller steht keineswegs zur Diskussion. Tatsächlich ist neben dem in der jetzigen Filmlandschaft zweifellos einzigartigen Status von "The Artist" als wahrhaftiger Stummfilm im Stile einer vergangenen Epoche der Filmgeschichte der einzige Grund, der den Film vor dem relativen Abrutschen in die Banalität rettet, seine verspielten künstlerischen Einschübe. So ist etwa der Alptraum Valentins, in welchem seine Umgebung auf einmal beginnt, wie im von ihm verlachten Tonfilm Geräusche von sich zu geben, während er selber weiterhin seiner Stimme "beraubt" bleibt, ein hintersinniger Bruch der sich vom Regisseur selbst aufgelegten Grenzen im akustischen Bereich und eine bemerkenswerte filmhandwerkliche Selbstreflektion. Trotzdem gilt: Der Plot inklusive unvermeidlich uramerikanischem "A Star Is Born"-Schema sowie die Figuren sind wie die vom Film zitierten Vorbilder und Idole ein schlechter Scherz. Das ist natürlich beabsichtigt, will Regisseur Hazanavicius diese legendäre Ära nunmal in all ihren Facetten, also auch ihrer rührseligen Naivität, wiederbeleben. Und dass dazu auch der ewigtreue lebensrettende Hund gehört, muss man als Nicht-Lassie-Fan dann eben einfach schlucken. Es stellt sich allerdings bei aller - für jeden Cineasten natürlich auch mehr als berechtigten - Sentimentalität und Nerdseligkeit doch auch irgendwie ein leichtes skeptisches Stirnrunzeln anhand der Frage ein, wieviel Selbstverherrlichung und unkritisches Imitieren ein Film verträgt, der zum Kunstwerk hochgepusht wird und am Ende dafür eben den Oscar als besten Film kassiert. Wenn die inhaltliche Ebene dieses erklärten "Kunstwerkes" eben nicht nur (!) auf der Storyebene ausgesprochen dünn ist, - was ihn dann nämlich z.B. vom storymäßig ebenfalls eigentlich völlig belanglosen "Kill Bill" unterscheidet (oho, welch ein Vergleich) - dann muss man die berühmte Gretchenfrage der Filmkritik oder der Kunstkritik allgemein stellen, ob formale Klasse allein ausreicht, um für sich den Anspruch als Meisterwerk geltend machen zu dürfen. Um es also noch einmal deutlich zu betonen: Selbstverständlich kann man an der handwerklichen Brillianz des Films nicht den geringsten Zweifel hegen. Kamera, Schnitt, Kostüme, Ausstattung oder auch die herrliche Musik von Ludovic Bource sind über jede Skepsis erhaben, ebenso das wundervolle Ensemble. "The Artist" ist ein vortrefflicher Film, ein besonderer Film, ein schöner Film, ein gewitzter Film. Und dennoch: Es bleibt der bittere Nachgeschmack, dass "American Beauty" wohl einer der Ausnahmefälle bleibt,bei dem die Academy mutiges, kritisches Gegenwartskino prämiert.
Hinzugefügt am 10.05.2012 um 21:45 Uhr Verstoß melden
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