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Kleinstatthelden
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,0
schlecht
Kleinstatthelden
Von Christian Horn
Debütfilme sind so eine Sache: Entweder überzeugen sie auf der ganzen Linie und lassen gespannt auf das Folgeprojekt warten, das nicht selten an den hohen Ansprüchen scheitert (darin sind sie erfolgreichen Debüt-Alben in der Musik nicht unähnlich) – oder sie leiden unter den typischen Problemen eines Erstlingswerks: an mangelndem Mut zur Eigenständigkeit, an allzu oft gesehenen Inszenierungsmustern und letztlich an formaler wie inhaltlicher Unausgereiftheit. Das Kinodebüt „Kleinstatthelden" von Marc Schaumburg gehört in die zweite Kategorie. Das scheint auch Jung-Regisseur zumindest unterbewusst zu ahnen und so lässt er schon im Presseheft verlauten, dass er „nörgelnde Besserwisser", „ernste Kritiker" sowie die von ihm angenommene „deutsche Einstellung zu Kunst und Film (Hauptsache traurig, ernst und bedeutsam)" nicht leiden kann – aber auch dadurch wird „Kleinstatthelden" nicht besser.

Janosch (Jonas Baeck, „Code 21") ist Anfang zwanzig, hat seine Heimatstadt Lüdenscheid zum Studieren verlassen und schlägt sich nun als Musiker durch. Eher widerwillig besucht er seine alte Heimat im Sauerland und wird dort mit allerhand Problemen konfrontiert. Die Beziehung zu seinen vormals besten Freunden Dirk (Felix Meyer), Tanja (Tabea Tarbiat), Markus (Philipp Milbradt) und Miriam (Svenja Ingwersen) ist nicht mehr dieselbe, was für Spannungen und Frustrationen sorgt. Außerdem liegt die Ehe seiner Eltern Ernst-Hermann (Thomas Ulrich) und Susanne (Anja Niederfahrenhorst) am Boden, was Janosch zusätzlich belastet. Als wäre das nicht genug, verliebt sich der vergeblich auf Erfolg wartende Musiker auch noch in Lina (Nadine Salomon), die ausgerechnet mit dem coolen Obermacker Carsten (Marvin Gronen, „Das Jahr der ersten Küsse") anbändelt...

Wie der Großteil aller Debütfilme setzt auch „Kleinstatthelden" in der Erfahrungswelt des Regisseurs an, indem er von den Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens erzählt. Ebenfalls nicht unüblich für einen Erstlingsfilm ist die episodische Struktur von „Kleinstatthelden", der gleich an mehreren Fronten (Liebes-)Beziehungsprobleme aller Art verhandelt, dabei aber immer an der Oberfläche bleibt. Subtil oder doppelbödig erzählt Marc Schaumburg an keiner Stelle, im Gegenteil macht er alle Entwicklungen, Streitpunkte und Wendungen überdeutlich. An allen Fronten spitzen sich die Ereignisse auf rasante und forcierte Weise zu, bis sie in gefälligen Höhepunkten aufgelöst werden: Mal mehr, mal weniger offen, der eine versöhnlich, der andere dramatisch – da ist für jeden etwas dabei.

Auch inszenatorisch lässt Schaumburg jegliche Originalität oder Selbstständigkeit vermissen. Wie in beinahe jedem misslungenen deutschen Film ertönt auch in „Kleinstatthelden" bei jeder Gelegenheit softe Gitarrenmusik, was hier aufgrund der Profession des Protagonisten zwar noch irgendwie Sinn macht, aber nichtsdestotrotz nur schwer erträglich ist. Die Bilder von Kameramann Marc Beyer sind zwar handwerklich einwandfrei, kommen aber nie über eine bloße Abbildung hinaus und bleiben daher immer oberflächlich, nichtssagend und austauschbar. Der teilweise angebrachte Klamauk sowie der Sidekick Markus, der mit Jogginganzug rumläuft und täglich zehn Schokoriegel isst, reihen sich in das übrige Stückwerk nahtlos ein. Abgesehen von einer Szene in Stummfilm-Ästhetik, die zumindest guten Willen erkennen lässt, verzichtet Schaumburg auf jegliche inszenatorische Höhepunkte.

„Kleinstatthelden" scheitert am Zusammenspiel von holprigem Inhalt und abgedroschener Inszenierung und ist am Ende nicht mehr als ein unbedarfter, kleiner und im schlechten Sinne harmloser Film, der im Vorabendprogramm der Dritten ein besseres Zuhause gefunden hätte als auf der Kinoleinwand. So muss man kein sonderlich ernster Kritiker sein, um das Abgedroschene und Witzlose an Marc Schaumburgs Langfilmdebüt zu erkennen – und selbst wohlwollenden Rezensenten dürften beim Schlusszitat, das die Einfältigkeit des vorherigen Geschehens glänzend widerspiegelt, die Haare zu Berge stehen: „Die Liebe ist wie ein Netz, in dem sich Herzen verfangen wie Fische." Puh!
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