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    Sounds and Silence - Unterwegs mit Manfred Eicher
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Sounds and Silence - Unterwegs mit Manfred Eicher
    Von Jan-Thilo Caesar
    Die Plattenfirma ECM wird wohl den meisten Musikliebhabern ein Begriff sein, weniger bekannt ist hingegen der Apparat, der sich hinter dem Kürzel verbirgt. Die Dokumentarfilmer Peter Guyer („Big Mac Small World") und Norbert Wiedmer begleiten den Gründer und Motor des Labels, Manfred Eicher, auf einen musikalischen Road Trip und zeichnen dabei ein subtiles Porträt von dem Produzenten und seiner Arbeit. Über sechs Jahre filmten die Regisseure Proben, Konzerte und Aufnahmen, in „Sounds And Silence" lassen sie vor allem Bilder und Klänge sprechen.

    Das ist auch die eigentliche Stärke des Films, denn die perfekt abgemischte Musik von ausnahmslos spannenden Künstlern sorgt für einen wahren Ohrenschmaus. In ruhigen Kameraeinstellungen lassen Guyer und Wiedmer den Zuschauer als Beobachter am musikalischen Schaffensprozess teilhaben. Nach einer kurzen Einleitung und wenigen Worten Eichers, findet man sich schon mitten in einer Probe für ein neues Stück von Arvo Pärt wieder. Es werden nach und nach weitere Künstler wie Eleni Karaindrou oder Marilyn Mazur vorgestellt und der Zuschauer verfolgt, meist im Wechsel mit Interviews, deren Arbeit mit Eicher. Dabei wird jeder Schritt des Entstehungsprozess vorgeführt, vom ersten Ton über die Auswahl des Covers bis zur fertigen CD. Die unkommentierten Aufnahmen werden dem selbstauferlegten Ziel des Films, „die Magie der Musik einzufangen", durchaus gerecht, doch verhindert die damit einhergehende Informationsarmut zugleich auch ein tieferes Eintauchen in die Klangwelt Eichners Arbeit. Gerade seine Person bleibt eher blass, weshalb der Film keinen wirklichen roten Faden besitzt und einiges an Potenzial verschenkt. Gegen Ende wirken viele Dinge nur noch angeschnitten und fragmentarisch aneinandergereiht, so berichtet beispielsweise ein Künstler von den Auswirkungen des Krieges auf seine Musik, was aber in der knapp bemessenen Zeit für die Interviews leider gleich wieder untergeht. Ein Schwerpunkt auf einen Musiker oder eine Produktion hätte dem Film sicher nicht geschadet und für mehr Kontinuität gesorgt. So bewegt sich die Dokumentation zu oft nur an der Oberfläche und schafft keine echte Beziehung zwischen Künstler und Zuschauer.

    Darunter hätte aber wiederum die musikalische Vielfalt gelitten. Denn schlussendlich bleibt „Sounds And Silence" eine Dokumentation über Musik, die weniger Informationen und dafür mehr Emotionen vermitteln möchte. Durch faszinierende, oft auch ungewöhnliche Klänge sowie vielen Nahaufnahmen der Musizierenden wird den Bildern eine Seele verliehen. Die Musikauswahl ist abwechslungsreich - ob man sich nun eher zur Klassik, zum Jazz oder zum Latin hingezogen fühlt, den ausgewählten Stücken sollte jeder audiophile Zuschauer, der sich nicht auf zerstörerische Metalklänge oder DSDS-Popkonserven eingestellt hat, etwas abgewinnen können. In den mehr als 1.000 Veröffentlichungen von ECM finden sich keine Mainstream-Produktionen, Eicher sucht die musikalische Perfektion und wenn man ihn bei seiner Arbeit beobachtet, merkt man, wie viel Leidenschaft er in diese Suche steckt. Besonders deutlich wird das in der Schlussszene des Films, die den Anfang wieder aufgreift und Eicher bei den Proben für eine Aufnahme mit Arvo Pärt zeigt. Für wirklich hochklassige Musik ist eben mehr als nur gutes Equipment nötig, Können und Hingabe sind ebenso wichtig.

    „Sounds And Silence" ist ein ruhiger, fast schon meditativer Film, der durch seine gelungene musikalische Untermalung begeistert und einen interessanten Blick hinter die Kulissen ermöglicht. Doch so harmonisch die Komposition von Bildern und Klängen auch ist, ein weniger wortkarger Manfred Eicher oder ein paar mehr Informationen über die Hintergründe der Künstler hätten den Film mehr Tiefe geben können. Die einzelnen Stationen der Reise durch die faszinierende Klangwelt Eichers ziehen zu schnell am Zuschauer vorüber und verlieren dadurch an nachhaltiger Wirkung. Dem disponierten Musikliebhaber ist der Film dennoch zu empfehlen, denn die abwechslungsreichen Stücke entschädigen für vieles.
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