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    Kent Nagano - Montreal Symphonie
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Kent Nagano - Montreal Symphonie
    Von Christian Horn
    „Kent Nagano – Montreal Symphony" von Bettina Ehrhardt ist ein in jeder Hinsicht klassischer Dokumentarfilm. Über einen Zeitraum von einem Jahr begleitete die Regisseurin den US-amerikanischen Star-Dirigenten japanischer Herkunft, Kent Nagano, bei Auftritten mit seinem kanadischen Orchester und montierte die dort erstellten Aufnahmen in konventioneller Art und Weise. Herausgekommen ist ein Film mit sehr viel Musik und vielen Interviewsituationen, der stets um die Frage kreist, welches Verständnis Kent Nagano von Musik hat und wie er zu dem berühmten Dirigenten wurde, der er heute ist.

    Geboren wurde Kent Nagano am 22. November 1951 in Berkeley, Nordkalifornien. Im Alter von vier Jahren kam er zur Musik, weil seine Mutter wollte, dass er Unterrichtsstunden am Piano nimmt. Mit zehn Jahren entdeckte er seine Leidenschaft, wollte zunächst eigene Stücke komponieren und entschied sich später doch dafür, Dirigent zu werden. Heute ist er Leiter des Symphonieorchesters in Montreal und der bayerischen Staatsoper - ein Star der Szene, der immer wieder nach neuen Möglichkeiten sucht, die von ihm geliebte Musik zu vermitteln. Einblicke in die Anfänge und Arbeitsweise des Dirigenten legen den Grundstein für Ehrhardts Porträt, das seinen Protagonisten in Montreal, Nunavik, Paris und München beim Interpretieren von Klassikern von Bruckner, Mahler oder Debussy zeigt...

    Im Mittelpunkt von „Kent Nagano – Montreal Symphony" steht freilich der Protagonist selbst und damit auch seine Musik. Bettina Ehrhardt zeigt Nagano bei Proben und Auftritten, in der Interaktion mit seinen Musikern und lauscht ihm auf Spaziergängen und in Interviews. Die ruhige, konzentrierte Sprechweise und die charismatische Ausstrahlung Naganos tragen den Film über weite Teile. Das erklärte Ziel des Dirigenten stellt Ehrhardt rasch heraus: Nagano will die Musik aus dem Konzertsaal tragen und ihr die Freiräume geben, die sie zur Entfaltung braucht. Um das zu erreichen, probiert Nagano gerne Neues, etwa eine Aufführung im Hockeystadion von Montreal (für die Werbeplakate posiert der Star-Musiker in einem Hockey-Trikot). Im spannendsten Kapitel des Films reist Nagano mit seinem Orchester nach Québeck, in den hohen Norden Kanadas. Dort spielt er ein Konzert mit und für die Inuit: Wenn Naganos westlich geprägte Musiker auf den Kehlkopfgesang der Inuit treffen, ist das ein lohnender und auf jeden Fall musikalisch-innovativer Moment.

    Bettina Ehrhardt hingegen hat wenig Interesse, Neues auszuprobieren und beschreitet vorwiegend konventionelle Wege. Naganos Ziel, die Musik in die Welt hinauszutragen, visualisiert sie naheliegend mit Straßenszenen, die in die Konzertaufnahmen hineinmontiert werden. Die Aufnahmen der Auftritte selbst, aus denen der Film gut zur Hälfte besteht, erscheinen ebenso konventionell: Eine Einstellung, die das komplette Orchester zeigt, der Gegenschuss ins Publikum – Nagano beim Dirigieren, eine Nahaufnahme der Streicher und so weiter... Das Ergebnis liegt auf der Hand: Fans von Kent Nagano oder Klassik-Interessierten, die schon beim Anblick eines Orchesters ins Schwärmen geraten, sei „Kent Nagano – Montreal Symphony" ans Herz gelegt. Alle anderen werden sich vermutlich eher langweilen. Anders ausgedrückt: Der Film steht und fällt mit dem Grad an Interesse, das der Zuschauer Kent Nagano und klassischer Orchestermusik entgegen bringt. Ein solches Interesse erst zu entfachen vermag der Film zumindest nicht.
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