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Annie
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Annie
Von Andreas Staben
Will Glucks Musical-Neuverfilmung „Annie“ gehörte zu den Filmen, die nach der von Seth Rogens Komödie „The Interview“ ausgelösten Cyberattacke auf Sony Pictures vorzeitig ans Licht der Online-Öffentlichkeit geraten sind. Vor diesem Hintergrund finden es die Studioverantwortlichen womöglich nicht mehr so lustig, wenn Jamie Foxx hier als Handy-Mogul und Bürgermeister-Kandidat damit angibt, dass er sogar in der Freiheitsstatue einen Funkmast platziert hat. Der sorglose Umgang mit sensiblen Daten ist letztlich nur ein Randaspekt der modisch aufgepeppten Song-Parade, die allgegenwärtigen Smartphones und Bildschirme sowie die wichtige Rolle von Facebook und Co. stehen aber beispielhaft für das etwas anbiedernd wirkende Bemühen der Macher aus dem Musical-Klassiker ein cooles Produkt für die heutigen Kids zu machen. So hat diese Neuauflage am Ende zwar mehr Schwung als John Hustons etwas betuliche erste Verfilmung des Bühnenmusicals von 1982, aber gerade bei der Aktualisierung der Songs durch Greg Kurstin und den australischen Star Sia  wird hier doch gelegentlich über das Ziel hinausgeschossen. So sind es am Ende das große Herz von „Beasts of the Southern Wild“-Entdeckung Quvenzhané Wallis und der professionelle Charme von Oscar-Preisträger Jamie Foxx („Ray“), die diese „Anna“ zu trotz allem durchaus kurzweiliger Familienunterhaltung machen.

Die elfjährige Annie (Quvenzhané Wallis) lebt mit drei anderen Mädchen als Pflegekind bei der strengen Miss Hannigan (Cameron Diaz). Die bekommt für jeden ihrer Hausgäste einen staatlichen Zuschuss, aber sonst sind die Kinder der trinkfreudigen Ex-Sängerin eher lästig. Umso mehr hofft Annie darauf, ihre Eltern wiederzufinden, von denen ihr nur ein Brief und ein Amulett geblieben sind. Jeden Freitag wartet sie vor dem Lieblingsrestaurant von Vater und Mutter, doch immer wieder wird ihre Hoffnung enttäuscht. Erst als der Milliardär Will Stacks (Jamie Foxx) sie eines Tages geistesgegenwärtig davor bewahrt, von einem Laster überfahren zu werden, verändert sich für Annie alles. Ein Zeuge hat die Rettungsaktion gefilmt und nun will Stacks Berater Guy (Bobby Cannavale) die Situation für den Telekommunikations-Tycoon ausnutzen. Stacks will Bürgermeister von New York werden, hat aber ein Imageproblem. Nun nimmt er Annie in seiner Luxuswohnung auf und inszeniert sich als kinderlieber Familienmensch…


Regisseur Will Gluck („Einfach zu haben“) und seine Co-Autorin Aline Brosh McKenna („Der Teufel trägt Prada“) legen ihre Absichten von Anfang an offen: In einem Prolog im Klassenzimmer präsentiert zunächst eine vorlagengetreu rothaarige Annie ein Projekt, doch ehe man sich über deren Ideen wundern kann, folgt die neue Annie – mit selbstbewusstem Afro-Look. Sie erzählt ihren Klassenkameraden von Roosevelts New Deal der 30er Jahre (eine Verbeugung vor der Handlungszeit des Originals), überträgt diese Ideen im Handumdrehen in die Gegenwart und gibt ihren Mitschülern eine Lektion in gelebter Solidarität. Diese entwaffnende Großherzigkeit der quirligen Protagonistin bleibt bis zum Ende die große Stärke des Films. Mit ihrem Charme macht Wallis auch ihre Gesangseinlagen zu mehr als bloßen Nummern, auch wenn ihre Singstimme nicht die gewaltigste ist und die Songs zum Großteil überproduziert sind. Und an einer echten Musical-Choreographie versucht sich Gluck (abgesehen von einem durchwachsenen Kinder-Putzkommando zu „Unser Leben ist echt krass“) meist gar nicht erst. Während sich Jamie Foxx als menschenfeindlicher Workaholic, der sein Herz entdeckt, dabei noch ganz gut schlägt, bleiben die anderen Nebenfiguren blass, wobei Cameron Diaz‘ („Die Schadenfreundinnen“) Darbietung als verbitterte Säuferin und Opportunistin immerhin noch durch Eigenwilligkeit beeindruckt. Die originellste Szene ist dann auch ein vom „Lego Movie“-Duo inzenierter Film im Film (eine „Twilight“-Parodie) mit Mila Kunis, Ashton Kutcher und Rihanna.

Fazit: Durchschnittliche Musical-Neuauflage mit charmanter Hauptdarstellerin.

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