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    Warm Bodies
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Warm Bodies
    Von Christoph Petersen
    Ein bisschen untot, ein bisschen romantisch, ein bisschen „teenie", fertig ist der Blockbuster! So scheinen zumindest all die Hollywood-Produzenten zu denken, die aktuell auf Biegen und Brechen versuchen, einen Nachfolger für die finanziell unverschämt erfolgreiche „Twilight"-Saga an den Start zu bringen. Mit „Beautiful Creatures - Eine unsterbliche Lieb", „Chroniken der Unterwelt", „Warm Bodies" und dem ebenfalls auf einem Buch von „Bis(s)..."-Autorin Stephenie Meyer basierenden „Seelen" kommen 2013 gleich eine ganze Reihe von potentiellen „Twilight"-Erben in die Kinos. Und Jonathan Levine hatte bei seiner Untoten-Romanze „Warm Bodies" das größte Hindernis zu überwinden, immerhin ist sein nicht länger unter den Lebenden weilender Protagonist kein goldglitzernder James-Dean-Vampir und auch kein Werwolf mit Waschbrettbauch, sondern ein langsam vor sich hinrottender, dümmlich stotternder Zombie. Es ist nicht ganz einfach, mit so einem „unattraktiven" Helden (selbst wenn es Jennifer-Lawrence-Exfreund Nicholas Hoult ist) eine glaubhafte Liebesgeschichte zu erzählen, aber Jonathan Levine meistert diese Herausforderung mit einem für dieses Genre unüblich intelligenten Skript bravourös und bietet uns nebenbei noch eine bissige Satire. So ist sein Film letztlich etwas ganz anderes als „Twilight" und gegen R und Julie aus „Warm Bodies" wirken Bella, Edward und Co. ohnehin ganz schön blutleer!

    Ein mysteriöser Virus hat die Menschheit an den Rand des Abgrunds gedrängt. Infizierte verwandeln sich in fleischfressende Monster ohne Erinnerung an ihre menschliche Vergangenheit. Einer der Zombies ist R (Nicholas Hoult), dem nur noch der erste Buchstabe seines früheren Namens einfällt und der inzwischen an Bord einer verlassenen Boeing 747 haust. Auf einem seiner Streifzüge nach Menschenfleisch trifft er auf die hübsche Julie (Teresa Palmer) – doch anstatt ihr Hirn zu fressen, rettet er sie kurzerhand vor seinen Zombie-Kumpels. Und da der ganze Flughafen mit Untoten verseucht ist, bleibt Julie zunächst gar nichts anderes übrig, als sich bei R zu verstecken. Zwischen den beiden entwickelt sich eine Vertrautheit, die R einen Teil seiner längst verlorengeglaubten Seele zurückzugeben scheint. Doch die Zombies auf dem Rollfeld sind nicht das einzige Problem des ungleichen Paars. Auch Julies Vater, der zombiejagende General Grigio (John Malkovich), hätte gegen den neuen Freund seiner Tochter mit Sicherheit etwas einzuwenden...


    Ja, die Story klingt im ersten Moment ziemlich weit hergeholt. Aber Isaac Marions Untoten-Variante von William Shakespeares Überklassiker „Romeo und Julia" ist trotzdem hundertmal intelligenter als Stephenie Meyers merkwürdig keusche „Twilight"-Romane. Gerade im ersten Drittel des Films gelingt es Regisseur und Drehbuchautor Jonathan Levine hervorragend, den hintergründigen Witz der Buchvorlage auf die Leinwand zu übertragen: Die durch die Flughafenhallen schlurfenden Zombies tippen immer noch ebenso gedankenlos auf ihre Mobiltelefone ein, wie sie es vermutlich vor ihrem Ableben auch schon getan haben. Und wenn sich R und sein bester Untoten-Kumpel M (Rob Corddry) an der Theke der Flughafenbar gegenseitig angrunzen, ist kaum ein Unterschied zum Verhalten vieler quicklebendiger Kneipenbesucher zu fortgeschrittener Stunde auszumachen. Dazu kommt noch Rs grandios-lakonischer Off-Kommentar und es steht fest: So viel würde sich gar nicht ändern, wenn wir alle plötzlich ziellos herumstreunende Zombies wären!

    Bereits mit diesem atmosphärischen Auftakt zahlt es sich aus, dass die Produzenten statt auf einen effektversessenen Blockbuster-Schöpfer lieber auf einen Independent-Filmemacher wie Levine („50/50", „All the Boys Love Mandy Lane") mit seiner ganz eigenen Vision gesetzt haben. Aber die größte Herausforderung wartet ja auch erst im zweiten Drittel auf ihn: die Zombie-Liebesgeschichte! Doch auch diese Klippe umschifft der Filmemacher mit einem starken Skript und einer sensiblen Inszenierung souverän. Statt auf die ausgelutschte Liebe-auf-den-ersten-Blick-Behauptung zurückzugreifen, entwickelt Levine die Beziehung zwischen der attraktiven Blondine und dem verfaulenden Außenseiter behutsam - und angesichts der Umstände sogar überraschend glaubhaft. Dabei hilft auch ein Drehbuchkniff, der zwar aus dem Nichts kommt, aber trotzdem funktioniert: Indem R das Hirn von Julies Ex-Freund verspeist, durchlebt er dessen Erinnerungen und weiß so, wie er Julie vielleicht für sich gewinnen kann.

    In den ersten zwei Dritteln ist „Warm Bodies" noch vergleichsweise überschaubar: Ein Großteil der Handlung spielt sich schließlich im Inneren eines stillgelegten, mit alten Schallplatten vollgestopften Flugzeugs ab. Doch das kann in diesen Budgetsphären natürlich nicht bis zum Ende so bleiben. Nachdem R und Julie festgestellt haben, was die Liebe in dem Zombie emotional auslöst und dass der Virus vielleicht sogar bekämpft werden kann, wollen sie das natürlich auch Julies Vater mitteilen, damit der General mit seinen Truppen nicht weitere Untotenhorden sinnlos niedermäht. Aber dazu muss das ungleiche Paar nicht nur an den „normalen" Zombies vorbei, sondern auch an den skelettartigen „Boneys", in die sich Zombies verwandeln, wenn sich ihre Seele endgültig aufgelöst hat. Die horrorhafte Action verläuft dabei in gewohnten Genrebahnen und die finale Weltenrettung wirkt ein wenig überhastet. Aber da das Action-Ende schon im Buch der schwächste Teil war, ist es auf jeden Fall die richtige Entscheidung, es im Film nicht breiter auszuwalzen – so kommen die großen Stärken der ersten zwei Drittel der Erzählung noch besser zur Geltung.

    Fazit: Satire statt Seifenoper – mit „Warm Bodies" zeigt Filmemacher Jonathan Levine, was im Genre der Teenie-Fantasy-Romanze tatsächlich alles möglich ist!
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