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Der Hypnotiseur
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Der Hypnotiseur
Von Katharina Granzin
Lasse Hallström ist ein international bewährter, zwei Mal für den Oscar nominierter (für „Mein Leben als Hund" und für „Gottes Werk und Teufels Beitrag") Regisseur, der sich bereits in verschiedenen Genres bewährt hat. Wenn solch ein Fachmann einen schwedischen Bestseller-Thriller adaptiert, kann dabei nichts völlig Verkehrtes herauskommen. Und doch ist die Verfilmung des Romans „Der Hypnotiseur" des Schriftstellerpaares Alexander Ahndoril und Alexandra Coelho Ahndoril, die gemeinsam unter den Namen Lars Kepler auftreten, bisweilen so glatt und genrekonform geraten, dass man fast ein wenig mit den Augen rollen möchte vor Erstaunen. Zum Teil liegt dies an der literarischen Vorlage, nichtsdestotrotz ist es enttäuschend, dass Hallström nicht mehr herausholen kann. Immerhin ist der Versuch, das Schweden-Splatter-Genre mit einer Art Variation des Ingmar-Bergman-Klassikers „Szenen einer Ehe"-Variante zu kreuzen, nicht ohne Reiz. Im Großen und Ganzen reiht sich „Der Hypnotiseur" aber nur in die aktuelle, vor allem im TV stattfindende, Schwemme an Schwedenthrillern, die einander an abstruser Blutigkeit zu überbieten suchen, ein. Davon gibt es jetzt also einen mehr, aber immerhin einen mit tollen Schauspielern.

Im winterlichen Stockholm wurde eine ganze Familie dahingemetzelt: Vater, Mutter und die kleine Tochter sind tot, alle zerfetzt von einem großen Messer. Der fünfzehnjährige Sohn Josef (Jonatan Bökman) wird schwerverletzt ins Krankenhaus gebracht und liegt dort im Koma. Nur der Arzt Erik Bark (Mikael Persbrandt), der sich auf Hypnose versteht, dringt zu ihm vor, doch die Hinweise, die sich aus dem Komagestammel des Jungen ergeben, bringen den ermittelnden Kommissar Joona Linna (Tobias Zilliacus) nicht entscheidend weiter. Als der Junge plötzlich erwacht und aus dem Krankenhaus flieht, eskalieren die Ereignisse, und der Hypnotiseur und seine Familie finden sich urplötzlich selbst im Fadenkreuz wieder. Kurz darauf wird Barks Sohn Benjamin (Oscar Pettersson) entführt – ein schwerer Schicksalsschlag für den tablettensüchtigen Arzt und seine entfremdete Frau Simone (Lena Olin), der aber auch eine Läuterung bringen könnte...

Lasse Hallström legt in seiner Thriller-Adaption einen starken Fokus auf die Familie des Hypnotiseurs, deren Zerfall längst eingeläutet ist. Ausgerechnet die Auslöschung einer anderen und die Bedrohung der eigenen Familie eröffnet plötzlich die Chance zur Rettung. Wie aus einem Katalog für schwedische Lebensart bebildert er dabei das Heim des Hypnotiseurs. Geschmackvoll, ästhetisch, wertig, mit den richtigen Möbeln, Kerzenleuchtern und Naturschnickschnack an den richtigen Stellen, und ein paar selbstgemalten Bildern, denn die Frau des Hypnotiseurs ist Künstlerin. Dieses Heim ist quasi das Sinnbild einer echten schwedischen Idylle, die wiederhergestellt werden muss. Doch irgendwie passt die symbolhafte Ausstattung von Anfang an nicht zu den handelnden Personen. Es besteht eine seltsame Diskrepanz zwischen den biederen Kerzenleuchtern, die ganz offensichtlich von einer sorgsamen Hausfrau platziert sein müssen, und der nervösen, sogar etwas hysterisch veranlagten Künstlerin, die Lena Olin („Chocolat", „Awake") als des Hypnotiseurs eifersüchtige Ehefrau bravourös darstellt. Auch Mikael Persbrandt („Agent Hamilton", „In einer besseren Welt") ist beeindruckend als tablettensüchtiger, von den Fährnissen des Lebens gezeichneter Melancholiker.

Dem Film hätte es gutgetan, wenn es auch nur annähernd vergleichbares psychologisches Feintuning auf der Täterseite gegeben hätte. Doch hier geht es um den bloßen Effekt. Wie dem ungeschriebenen Gesetz gehorchend, dass man im Vergleich zu Vorgängerarbeiten immer noch eins draufsetzen muss, um die Rezipienten überhaupt noch zu schockieren, wird die Schraube immer weiter gedreht. Bei „Der Hypnotiseur" geht es darum die anderen Schweden-Krimis zu toppen und da reicht es schon lange nicht mehr, wenn ein Kind ermordet wird. Folgerichtig wird hier der nächste Schritt vollzogen und
- Spoiler :
ein Kind zum Mörder gemacht
-
. Diese Wendung ist allerdings viel zu simpel ausgedacht und hier auch noch plump motiviert. Da wird einmal mehr auf die beliebte Allzwecklösung „Psychische Krankheit" zurückgegriffen. Diesen Ballast der Buchvorlage kann das Filmteam um Hallström nicht abschütteln. So ist „Der Hypnotiseur" eine handwerklich prima gemachte Bestseller-Adaption mit mittelmäßig motivierter Handlung. Wie gesagt: Ein Schwedenthriller mehr.

Fazit: Lasse Hallströms „Der Hypnotiseur" ist ein souverän inszenierter, hervorragend besetzter, doch letztlich zu glatter Thriller, der aus dem Genre-Mittelmaß nicht allzu weit herausragt.
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