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New Kids Turbo
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,0
lau
New Kids Turbo
Von Stefan Geisler
„EY, JUNGE!" – 2007 tauchten die „New Kids" erstmals im Internet auf. Bewaffnet mit Jogginghose, Schnauzbart, Goldkette und Dosenbier starteten die fünf niederländischen Vollproleten ihren Kreuzzug gegen die Wächter des guten Geschmacks. Der MTV-Ableger Comedy Central erkannte als erster das Potenzial. Der Sender nahm die Clips ins Programm und bestellte sogar neue Folgen. Diese Entscheidung brachte der Comedy-Sendung von Steffen Haars und Flip Van der Kuil den nötigen Rückenwind für den 2010 produzierten Kinofilm „New Kids Turbo". Nun sind die Vokuhila-Krieger, die bereits eine eingeschworene Fangemeinde mitbringen, auch auf den deutschen Leinwänden angekommen. Jetzt besetzen Jugendliche in Jogginghosen die deutschen Kinosäle, natürlich stilecht mit angeklebtem Schnauzer, und statt Eis wird vor den Vorstellungen Dosenbier geordert. Die volle Proleten-Packung von Drei-Minuten-Clips auf Kinofilmlänge gestreckt, das ist mitunter ganz lustig, endet aber überwiegend in hirnlosen Aneinanderreihungen bekannter Pöbeleien und ausgelutschter Running Gags.

Richard Batsbak (Huub Smit), Gerrie van Boven (Tim Haars), Rikkert Biemans (Wesley van Gaalen), Robbie Schuurmans (Steffen Haars) und der arbeitslose Barrie Butsers (Flip Van der Kuil) sind die Ober-Prolls im schönen Dörfchen Maaskantje. Saufen, Pöbeln und mit getunten Autos die Gegend unsicher machen: Das ist ihr Programm. Als die Jobs von Richard, Garrie, Rikkert und Robbie der Weltwirtschaftskrise zum Opfer fallen, stellt sich bald die Frage, wo nun das Geld für neues Bier herkommen soll. Der geistreiche Plan: Von nun an wird einfach nichts mehr bezahlt. Natürlich ist jedem klar, dass das nicht lange gut gehen kann und so werden schon kurz darauf polizeiliche Gegenmaßnahmen eingeleitet. Das scheint den Jungs jedoch ziemlich egal und so kommt es bald zur finalen Konfrontation mit einer holländischen Spezialeinheit...

Egal ob man den Humor der „New Kids" nun mag oder nicht, einen gewissen Kult-Faktor kann man der Sendung nicht absprechen. Richard, Gerrie, Rikkert, Robbie und Barrie wirken, als wären sie irgendwo zwischen den späten 80er und frühen 90er steckengeblieben. Diese Überdosis Blödheit lässt sich in kleinen Dosen ganz gut ertragen, wirkt aber bereits nach der ersten Viertelstunde ziemlich ermüdend. Hier reiht sich eine Niveaulosigkeit an die nächste, wobei wirklich niemand verschont bleibt. So werden hochschwangere Frauen gegen Pfeiler geschubst, die Blase direkt in die Kamera entleert und Behinderte vorgeführt. Das ist oft menschenverachtend, wird aber zumeist durch die dumm-blöde Sprücheklopferei der Hauptprotagonisten zumindest so weit entschärft, dass man sich ab und an dem puren Irrsinn der zelebrierten Idiotie trotzdem nicht erwehren kann.

Die Handlung von „New Kids Turbo" ist mehr Schein als Sein. Ihr einziger Zweck: den Hauptakteuren Handlungsfreiraum für ihre Niveaulosigkeiten einzuräumen. Es werden ganze Ortschaften auf Regierungsbefehl hin ausgelöscht, waffenbesessene Alt-Nazis eliminiert, ordentlich Bier gesoffen und mit allen Mitteln versucht, endlich einmal die von einem anderen Mann hochschwangere Freundin zu nageln. Es dreht sich also alles um die Probleme des einfachen Mannes. Wer bei der anfänglichen Erwähnung der Weltwirtschaftskrise auf Gesellschaftskritik hofft, hat aufs falsche Pferd gesetzt. Hintergründige Statements sucht man vergebens, die Devise ist und bleibt: Hirn ausschalten! „New Kids Turbo" entpuppt sich als eine Aneinanderreihung von kurzen Sketchen die durch ein Handlungsgerüst nur notdürftig zusammengehalten werden.

„New Kids Turbo" ist ein Film mit wenig Platz für Grauzonen – für die einen ist der gefeierte Einzug der Comedy-Helden aus Holland das Non-Plus-Ultra an grenzdebil-genialer Unterhaltung, für die anderen bleibt es verachtenswerter Nonsens jenseits des guten Geschmacks. Doch auch wenn man sich zur ersten Gruppe zählt, wird man sich wohl eingestehen müssen, dass „New Kids Turbo" sicherlich kein Meisterwerk ist. Zu selten zünden richtige Knaller und den größten Teil der Komik machen die beschränkten Pöbeleien der fünf Vollproleten aus. Und mal ehrlich: Wie lange können Ausrufe wie „Fickschnitzel Muschi, JUNGE" wirklich lustig sein? Doch wohl kaum mehr als zehn Minuten am Stück.

Wirklich gelungen ist hingegen die deutsche Synchronisation. Kein Wunder, schließlich haben diesen Job die holländischen Hauptdarsteller, wie auch schon in den kurzen TV-Clips, gleich selbst übernommen. Fans der Serie werden mit diesem Brachialhumor-Streifen sicherlich ihren Spaß haben, sind doch selbst alle Nebendarsteller der kurzen Clips wieder mit von der Partie. Alle, die über die Serie schon nicht lachen konnten, werden diesen Film hingegen wohl selbst sturzbetrunken nicht schadlos überstehen. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Werdegang der niederländischen Saufköppe weiter gestaltet, eine neue Staffel steht schon in den Startlöchern und das Sequel „New Kids Nitro" wurde bereits angekündigt: „FEUERBALL, JUNGE!"
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