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    Lola gegen den Rest der Welt
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Lola gegen den Rest der Welt
    Von Melanie Lauer
    Sie sind jung, attraktiv, intelligent – und reichlich verwirrt: So geht es immer mehr Frauen um die 30, zumindest wenn man aktuellen Film- und Serienstoffen Glauben schenken mag, die wiederum oft von jungen Frauen inszeniert werden. Während Lena Dunham mit ihrer von Kritikern und Publikum gleichermaßen gefeierten HBO-Serie „Girls" in die seltsame Leere zwischen Mädchendasein und dem Leben einer erwachsenen Frau stach und dabei bisweilen sehr bittere Töne anschlug, behandelte Leslye Headland diese komplizierte Phase in Form einer krachenden Komödie: Selbst Anfang 30 brachte sie in ihrem Regie-Debüt „Die Hochzeit unserer dicksten Freundin" die emotionalen Turbulenzen ihrer Protagonistinnen mit abgründigem Humor auf die Leinwand. Von derartigem Gefühlschaos kann auch die 29-jährige Lola aus Daryl Weins „Lola gegen den Rest der Welt" ein Liedchen singen. Die romantische Komödie kommt zwar über weite Strecken ganz luftig-leicht daher, aber auch ernsthafte Momente kommen nicht zu kurz: ein frech-fröhlicher Film nicht nur über die Irrungen und Wirrungen der Liebe, sondern auch über den ganz normalen weiblichen Wahnsinn mit Ende 20.

    Lolas (Greta Gerwig) perfektes Leben steht auf dem Kopf: Ihre Highschool-Liebe Luke (Joel Kinnaman) hat sie verlassen – und das drei Wochen vor der geplanten Hochzeit. Urplötzlich befindet sich Lola am emotionalen Tiefpunkt ihres bisherigen Daseins: Obwohl ihre besten Freunde Alice (Zoe Lister Jones) und Henry (Hamish Linklater) in jeder noch so absurden Lage für sie da sind, wechseln sich für Lola Tage voller Wut, Verzweiflung und Eifersucht ab mit wilden Party-Exzessen, ernüchternden One-Night-Stands, aber auch dem unerwarteten Genuss der wiedergewonnenen Freiheit. So schwankt Lola von einem Extrem ins andere, dabei versucht sie eigentlich nur, sich selbst zu finden. Dass sie es sich mit ihrem Ego-Trip nach und nach mit all denen, die ihr wichtig sind, verscherzt, wird ihr erst ziemlich spät bewusst. So beschließt sie, endlich Verantwortung zu übernehmen und ihr Leben in den Griff bekommen – und zwar ganz allein...

    „Mit Lola gegen den Rest der Welt" wagt sich bemerkenswerterweise ein Mann an die diffuse Phase des weiblichen Erwachsenwerdens. Doch so ganz ohne die Hilfe einer Frau kommt auch Daryl Wein („Breaking Upwards") nicht aus. Das Drehbuch schrieb er nämlich gemeinsam mit Zoe Lister Jones („Arranged"), die außerdem die Rolle der exzentrischen besten Freundin Alice übernahm. Dabei schöpften beide aus den Erfahrungen einer ehemals gemeinsamen offenen Beziehung. Dass in vielen Episoden des Films so offen und unprätentiös mit autobiografischen Bezügen gearbeitet wird, darf durchaus als Ausdruck einer selbstbewussten neuen Generation junger Filmemacherinnen verstanden werden. Selbstbewusst ist auch Lola. Sie analysiert, überlegt und taktiert – um am Ende zielsicher die falsche Entscheidung zu treffen. Dass dieser Trip voller emotionaler Untiefen nie erdrückend, das Auf und Ab nie zermürbend wirkt, ist zu wesentlichen Teilen Kameramann Jakob Ihre („Eine Familie") zu verdanken. Gekonnt fängt er scheinbar jeden einzelnen Sonnenstrahl New Yorks ein und bringt warme, lichtdurchflutete Bilder auf die Leinwand.

    Bei einer solchen visuellen Leichtigkeit wirken Lolas Nöte und Sorgen dann auch eher wie ein flüchtiger dunkler Schatten. Dass dieses aufreibende Tal der Selbstfindung ganz sicher bald durchschritten sein wird, steht hier kaum jemals außer Frage. Dringlich wirken soll die Reise trotzdem – ein Balanceakt, der insbesondere der Hauptdarstellerin Greta Gerwig („Greenberg", „Arthur") hervorragend gelingt. Der Allrounderin, die auch als Drehbuchautorin und Regisseurin erfolgreich ist, nimmt man spontane Party-Exzesse genauso ab wie dramatische Eifersuchtsszenen und vorgetäuschte Orgasmen. Freche Egotrips wechseln sich hier mit spätpubertärer Unsicherheit ab. Diese so charmanten wie exzentrischen Stimmungsschwankungen ziehen sich wie ein roter Faden durch den Film. Auch die glänzend besetzten Nebenfiguren haben allerhand mit sich selbst zu tun – noch mehr aber mit Lola. Allen voran deren Kumpel Henry (Hamish Linklater), der ihre bezaubernde Eigenwilligkeit am eigenen Leib zu spüren bekommt, dabei allerdings nicht ohne emotionale Blessuren zurückbleibt.

    Fazit: Mit ihrer spaßigen Coming-of-Age-Komödie „Lola gegen den Rest der Welt" zeigen Regisseur Daryl Wein und seine Co-Autorin Zoe Lister Jones, wie man die instabile Gefühls- und Gedankenwelt von jungen Frauen ernst nimmt, ohne den Witz und die Alltäglichkeit dieser Erfahrungen aus dem Blick zu verlieren.
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