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    Urban Explorer
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    Urban Explorer
    Von Rochus Wolff

    So ziemlich jede Großstadt hat schon mal Horrorfilme hervorgebracht, die so wirken, als seien sie gezielt gegen die Maßnahmen der lokalen Fremdenverkehrsämter gerichtet: Was da so alles im vermeintlich hippen (oder wenigstens sicheren) Untergrund lauert, frisst meist bevorzugt junge Touristinnen aus dem Ausland. So ist es in „Catacombs" über den Tod in den Pariser Katakomben, und so ähnlich geht es in „Creep" zu, in dem Franka Potente durch die Londoner U-Bahn-Schächte irrt. Nun also Berlin: Andy Fetscher will in seinem Horror-Thriller „Urban Explorer" zeigen, auf welch blutig-poröser Erde die deutsche Hauptstadt steht, aber seine politischen Andeutungen bleiben nur Fassade - und statt Angst und Schrecken verbreitet der Film über weite Strecken leider nur Langeweile.

    Das frisch verliebte Touristenpärchen Lucia (Nathalie Kelly) und Dennis (Nick Eversman) vertraut sich dem jungen Berliner „Dante" (Max Riemelt) an, der ihnen in einer geführten Tour die geheime Unterwelt Berlins zeigen will. Mit von der Tunnelpartie sind noch die Französin Marie (Catherine de Léan) und die Koreanerin Juna (Brenda Koo). Besondere Attraktion der Nacht soll ein Besuch im erst jüngst entdeckten und eigentlich verschlossenen „Fahrerbunker" sein, der reich mit Wandmalereien versehenen Notunterkunft von Hitlers Fahrpersonal. Unterwegs gibt es ein paar unheimliche Begegnungen, aber richtig schwierig wird die Lage erst, als „Dante" sich bei einem Sturz schwer verletzt - Lucia und Dennis müssen sich schließlich auf die Hilfe eines mürrischen Mannes (Klaus Stiglmeier) verlassen, der alleine in dem Höhlensystem zu leben scheint...

    Andy Fetscher ist für Horrorfreunde, obwohl noch ein ganz junger Regisseur, kein Unbekannter - mit dem abendfüllenden Genrefilm „Bukarest Fleisch" schloss er vor einigen Jahren sein Studium an der Filmakademie in Ludwigsburg ab. Und der Mann hat dort tatsächlich einiges gelernt. Technisch ist „Urban Explorer" jedenfalls keine Enttäuschung. Das eher schmale Budget wird hier zur Tugend gemacht - mit viel Schärfe-Unschärfe-Spielchen, zahlreichen Nahaufnahmen, mit gekonntem Einsatz von Licht, Schatten und Dunkelheit regt Fetscher die Phantasie an, während eigentlich gar nicht so viel passiert. Eine Weile lang funktioniert das gut, aber irgendwann noch vor dem Ende der ersten Filmhälfte verliert „Urban Explorer" das Gleichgewicht und es wird allzu offensichtlich, dass wir diese dunklen Gänge, die flackernden Taschenlampen und tropfenden Wasserrohre dann eben doch schon einige Male gesehen haben.

    Abgesehen vom Grundproblem des beschränkten Schauplatzes, der immer die Gefahr der Eintönigkeit birgt – die Fetscher durch interessante Varianten lange vermeiden kann -, lauert in den engen Schächten und Gängen des Untergrunds eine weitere Schwierigkeit für jeden Filmemacher: Wie viele unterschiedliche Dinge kann man in diesen Tunneln und Höhlen machen? Es wird gerannt, geflohen, geschrien und sich gefürchtet, gewiss, und ab und an kommt jemand auf unangenehme Weise zu Tode. Aber selbst die Ruhepausen dazwischen können dann irgendwann nicht mehr darüber hinwegtäuschen, dass man sich in genau diesem Gang schon einmal gefürchtet hatte. In „Urban Explorer" wird das besonders im letzten Drittel augenfällig, als Fetscher für eine langgestreckte Folterszene die Glaubwürdigkeit seiner Figuren aufs Spiel setzt. Die letzten Minuten sind dann mit allerlei Splatter-Momenten und Grausamkeiten durchsetzt, was vorher kaum angedeutet wurde, den Genrekenner jedoch dennoch nicht überraschen wird - letztlich ist „Urban Explorer" von einer die Langeweile streifenden Vorhersehbarkeit.

    Während die erzählerischen Defizite gegen Ende unübersehbar sind, ist „Urban Explorer" technisch eine reife Leistung, die zeigt, dass das Genrekino aus deutschen Landen eine Zukunft hat. Leider erreicht der Film nicht die Komplexität, die etwa im Endzeit-Thriller „Hell - Die Sonne wird euch verbrennen" zu bestaunen ist, aber Andy Fetscher sollte man auf jeden Fall im Auge behalten; schon jetzt lässt sich anhand von „Urban Explorer" trefflich über die Einführung von Videoüberwachung in Berliner U-Bahnhöfen streiten...

    Fazit: Das Grauen lauert im Untergrund - technisch beeindruckender, aber allzu vorhersehbarer Berlin-Horror mit blutigem Finale.

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