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Jeder hat einen Plan
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Jeder hat einen Plan
Von Ulf Lepelmeier
Manchmal bestimmen Zufälle das Leben: Ana Piterbarg, Regisseurin bei mehreren südamerikanischen Telenovelas, traf in Buenos Aires zufällig auf „Herr der Ringe“-Star Viggo Mortensen und nutzte die Gunst der Stunde, ihm von einem Drehbuch zu berichten, an dem sie arbeitete. Einige E-Mails später sicherte der in Argentinien aufgewachsene Mortensen nicht nur sein Mitwirken an dem Noir-Drama „Jeder hat einen Plan“ zu, sondern bot auch noch an, bei der Produktion zu helfen. Das Ergebnis ist ein unaufgeregtes Spielfilmdebüt um einen Protagonisten, der keinen Lebensplan hat und die Möglichkeit des Identitätstausches mit seinem Zwillingsbruder nutzt, um der eigenen Existenz zu entfliehen.

Agustín (Viggo Mortensen) ist ein verheirateter Kinderarzt in Buenos Aires, der von innerer Unruhe getrieben ist, die ihn schon mal dazu bringt, sich tagelang in einem Raum einzuschließen. Als sein als Imker im Tigre-Delta arbeitender zwielichtiger Zwillingsbruder Pedro (ebenfalls Viggo Mortensen) nach jahrelanger Funkstille plötzlich vor seiner Tür steht und ihm von seiner Todesdiagnose Lungenkrebs berichtet, sieht Agustín die Chance für einen kompletten Neuanfang. Er ertränkt den Todkranken und kehrt an seiner statt in die sumpfige Tigre- Gegend zurück, in der die Brüder einst ihre Kindheit verbrachten. Doch das Zurücklassen der eigenen unerfüllten Existenz und das Annehmen der Identität des in kriminelle Machenschaften verstrickten Bruders erweist sich als gefährliches Spiel...

Das spannende Konzept des Rollentausches und eine bedrohliche Grundstimmung  kann Spielfilmdebütantin Ana Piterbearg letztlich nicht konsequent zur Entwicklung einer dramatischen Handlung nutzen. Das Arrangieren mit der Identität des Bruders, in die Agustín sich aus seiner vorherigen bürgerlichen Existenz flüchtet, wird trotz des zwiespältigen Milieus und der kriminellen Tendenzen des verstorbenen Bruders wenig spannend entwickelt. Die dumpf-trübe Stimmung des morastigen Flussdeltas dominiert den Film und lässt Story- und Charakterentwicklung versanden. So atmosphärisch die bemerkenswerte Kameraarbeit von Lucio Bonelli („Ein Jahr ohne Liebe“) unzweifelhaft auch ist, etwas mehr Einblicke in die Vergangenheit des Brudergespanns hätten als zusätzlicher Unterbau gutgetan. Während Piterbarg etwas zu träge und unfokussiert erzählt, beweist sie unzweifelhaftes Talent bei der Generierung von Stimmungen. Besonders eindrucksvoll ist wie sie ihrem Protagonisten gänzlich unaufdringlich auf der Flucht aus dem geregelten städtischen Leben Buenos Aires in die ungastliche Sumpflandschaft folgt, in der ein ungeahntes Netz aus Kriminalität und Verrat auf ihn wartet.

In seiner bereits vierten spanischsprachigen Produktion überzeugt Viggo Mortensen („The Road“, „Tödliche Versprechen“) in einer Doppelrolle. Gekonnt arbeitet er Agustíns etwas zurückhaltendes Wesen und seine Unsicherheit im Umgang mit den Menschen in Pedros Umfeld heraus, die ihn für seinen toten Zwillingsbruder halten. Doch die ruhige Gelassenheit mit der er die Doppelrolle meistert, reicht dabei nicht an seine Glanzleistung in „A History Of Violence“ heran, bei der er einen unscheinbaren Familienvater binnen Sekunden allein durch seinen veränderten Blick in einen eiskalten Killer verwandelte. Doch gerade die Szenen mit der jungen Rosa (Sofia Gala), die als Mitarbeiterin und Geliebte des Imkers Pedro schnell merkt, dass sie es mit einer anderen Person zu tun hat, überzeugen. Die vorsichtige, zärtliche Beziehung zu der erst 21-Jährigen stellt praktisch den einzigen Lichtblick in dem morastigen und von verschlossen- unterkühlten Menschen bewohnten Delta dar.

Fazit: Ana Piterbargs geling es in ihrem Debütfilm „Jeder hat einen Plan“ nicht, eine durchweg einnehmende Story zu erzählen. Doch dafür versteht es die argentinische Regisseurin umso besser eine eigenwillige Noir-Stimmung zu erzeugen, in die sich Viggo Mortensen mit seinem zurückgenommenen Spiel gekonnt einfügt.
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