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    Manolo und das Buch des Lebens
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    Manolo und das Buch des Lebens
    Von Andreas Staben
    Die großen Hollywood-Studios wollen mit ihren Animationsfilmen nicht nur Unterhaltung für die ganze amerikanische Familie schaffen, sondern gleich für die gesamte Welt. Und wenn es wie in „Manolo und das Buch des Lebens“ um ein bestimmtes Land geht, um seine Legenden und Traditionen, dann wird das natürlich schonend für das globale Publikum aufbereitet. In einem mexikanischen Restaurant irgendwo in Europa schmeckt es schließlich auch niemals genauso wie im Land der Azteken selbst. Regisseur Jorge R. Gutierrez, Produzent Guillermo del Toro („Pans Labyrinth“, „Pacific Rim“) und ihre Mitstreiter erzählen in ihrer turbulenten 3D-Mexiko-Folklore-Fabel dann auch passenderweise davon, wie schwierig es ist, allen zu gefallen,  - und versuchen sich zugleich selbst darin. Dieses Bemühen sieht man dem farbenprächtigen Spektakel im Guten wie im Nicht-so-Guten an.

    Der sanftmütige gutherzige Manolo (Stimme: Diego Luna) wurde in eine mexikanische Stierkämpfer-Dynastie hineingeboren, aber obwohl er in der Arena großes Talent beweist, will er viel lieber ein gitarrespielender Troubadour sein, was sein Vater Carlos (Hector Elizondo) gar nicht gerne sieht. Sein bester Freund Joaquin (Channing Tatum) ist das genaue Gegenteil von Manolo: stark, machohaft, eitel. Gemeinsam haben die beiden jungen Männer dagegen das Interesse an der willensstarken Generalstochter Maria (Zoe Saldana). Dieses Liebesdreieck wird schließlich zum Gegenstand einer Wette zweier rivalisierender Gottheiten: La Muerte (Kate del Castillo), die Herrin über das Land der Erinnerten, wo die Verstorbenen ein glückliches Dasein nach dem Tode fristen, setzt darauf, dass der sensible Manolo das Herz der ebenso feurigen wie selbstbewussten Maria erobert, während ihr Gegenspieler Xiabalba (Ron Perlman) aus dem düsteren Land der Vergessenen Joaquin favorisiert…


    Eines lässt sich über „Manolo und das Buch des Lebens“ wahrlich nicht behaupten: dass es den Machern an Ideen gemangelt hätte. Das beginnt bei der Einbettung der märchenhaften Haupthandlung in einen erzählerischen Rahmen in einem Museum. Das bietet nicht nur die Gelegenheit, den nicht-mexikanischen Zuschauern gleichsam nebenbei eine Einführung in die wichtigsten Elemente der Geschichte zu geben, sondern erlaubt später auch noch einen willkommenen (und etwas bequemen) selbstreflexiven Schlenker: Die Kinder, denen von Manolo, Maria und Co. erzählt wird, beschweren sich lauthals über eine tragische Wendung und ihre Klagen bleiben nicht ohne Folgen… Auffällig ist aber vor allem der Kontrast im Look der beiden Ebenen: da stehen die merkwürdig ungelenk wirkenden Figuren des Rahmens mit ihren surrealen Proportionen dem mittelamerikanischen Holzpuppen nachempfundenen Design der Legendenwelt gegenüber. Letzteres gibt dem Film ein überaus originelles visuelles Gewand und ist mit dem sorgfältig eingesetzten auf Erdtönen aufbauenden Farbenreichtum einer der großen Pluspunkte des Films.

    Die buchstäblich hölzernen Gesichtszüge der Figuren gehen dabei aber auch ein wenig zu Lasten ihres Ausdrucksvermögens, wodurch die ohnehin sehr schematische Erzählung weiter an Wirkung verliert. Neben dem Softie und Sympathieträger Manolo und der an moderne Disney-Figuren wie Merida erinnernden Maria (sie zeigt der Machogesellschaft mit jugendlich-feministischer Verve, wo es langgeht) bleibt der breitschultrige Held Joaquin blass, während das Duell der Götter für ein wenig Biss sorgt. Die traditionellen Elemente werden indes immer wieder durch Ironie oder Anachronismen (vor allem im Soundtrack, auf dem Mariachi-Versionen von „Creep“, „I Will Wait“ und anderen Hits erklingen) in den Hintergrund gedrängt. Das Bild vom Kerzenmacher (Ice Cube), der aus seinem von tausenden Lichtern erleuchteten Zwischenreich die Schicksale der Lebenden überblickt, ist ein poetischer Höhepunkt, dagegen wirkt die Stierkampfaction in ihrer aufregenden Dynamik fast schon gewöhnlich. In der Arena kommt es auch zu der kuriosesten und widersprüchlichsten Szene des Films, wenn die Künstlerseele Manolo dem Torero-Dasein entsagt und sich in einem Lied bei seinem tierischen Widersacher entschuldigt: Die Tradition des Stierkampfs wird hier ein wenig zu populistisch aufs Horn genommen – und genau damit rennen die Macher beim weltweiten Publikum offene Türen ein.

    Fazit:  „Manolo“ ist eine farbenprächtige Fabel in originellem Look, erzählerisch wird allerdings auf einen kleinen gemeinsamen Nenner geschielt.

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