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The French Connection II
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
The French Connection II
Von Ulrich Behrens
„French Connection“ (1971) von William Friedkin gehört sicher zu den besten Actionfilmen seiner Zeit und ist auch noch heute ein sehenswerter Film. Die Story basierte auf einem Buch von Robin Moore, der die Geschichte zweier wirklicher Polizisten, Eddie Egan und Sonny Grosso, erzählte, die 1962 einen französischen Godfather aufspürten, einen Mann, der in Frankreich – obwohl von den amerikanischen Behörden zur Fahndung ausgeschrieben – nie festgesetzt wurde, weil er unter dem persönlichen Schutz des französischen Präsidenten de Gaulle stand. (De Gaulle und der Drogenbaron hatten eine gemeinsame Zeit im Krieg erlebt.) Egan und Grosso bekamen in dem Film übrigens kleine Nebenrollen. „French Connection“ ging im Actionfilm, bezogen auf das Thema „Polizei jagt Gangster“ neue Wege, und es konnte nicht ausbleiben, dass der Film ein Sequel finden würde. Der Film, der diese Art des Cop-Movies – mit einem Cop, der kein strahlender Held ist und nicht nur gute Seiten hat – zum ersten Mal dokumentierte, war Peter Yates „Bullitt“ aus dem Jahr 1968 mit Steve McQueen, Robert Vaughn und Jacqueline Bisset.

1975 entschloss sich John Frankenheimer („DNA – Die Insel des Dr. Moreau“, 1996; „Ronin“, 1998; „Wild Christmas“, 2000), der am 6.7.2002 verstorbene Regisseur, dazu, Detective Doyles Jagd auf den französischen Großdealer Charnier auf französischem Boden weiter zu erzählen.

Jimmy „Popeye“ Doyle (Gene Hackman), dem der französische Drogenbaron Alain Charnier (Fernando Rey) in New York entkommen war, bekommt von seinem Chef den Auftrag, die französischen Kollegen in Marseille bei der Suche nach Charnier zu unterstützen. Doyle, ein hartgesottener, egozentrischer Bursche mit rassistischen Anwandlungen und einer unstillbaren und skrupellosen Gier, Charnier das Handwerk zu legen, findet sich in der französischen Mittelmeerstadt nur schwer zurecht, zumal ihm sein französischer Kollege, Inspektor Barthelemy (Bernard Fresson), damit konfrontiert, dass er mit Doyles Praktiken nicht einverstanden ist: Fünf Tote hat die Jagd auf Charnier in New York gekostet, und Doyle hatte dabei mehr als nur seine Finger im Spiel. Barthelemy ermahnt Doyle, sich aus aller Polizeiarbeit herauszuhalten. Er verpasst ihm ein „Büro“ direkt neben den Toiletten im Polizeipräsidium. Doch Doyle ist ein Fuchs. Seine Waffe hat er im Futter seines Koffers eingenäht, und er denkt überhaupt nicht daran, sich aus der Fahndung herauszuhalten. Was er nicht weiß, aber wissen könnte, ist, dass er nur als Köder für Charnier dienen soll. Barthelemy und seine Kollegen Diron (Jean-Pierre Castaldi) und Miletto (Charles Millot) warten nur darauf, dass Charnier Doyles Anwesenheit bemerkt.

Genau das passiert. Charnier erwartet eine größere Lieferung Rauschgift, das von einem niederländischen Frachter nach Marseille gebracht wird, und als er Doyle im Hafen sieht, steht sein Entschluss fest: Er lässt ihn von seiner rechten Hand Jacques (Philippe Léotard) entführen und setzt ihn unter Drogen, drei Wochen lang. Er will von Doyle erfahren, was der von seinen Machenschaften weiß. Doyle allerdings weiß nichts.

Barthelemys Suche nach Doyle bleibt ergebnislos. Charnier lässt Doyle den „goldenen Schuss“ verpassen und vor dem Polizeipräsidium aus dem Auto werfen; er hofft, ihn endlich los zu sein. Doch Doyle ist zäh. Nachdem er drei Wochen mit Drogen vollgepumpt worden ist, muss er nun wochenlang in eine Zelle auf Entzug. Er erzählt Barthelemy, er wisse nicht, wohin ihn Charniers Männer gebracht hatten. Eine Lüge. Als er wieder clean ist, geht er in das Hotel Des Colonnades, sein „Gefängnis“, schüttet Benzin aus und steckt das Gebäude in Brand. Ergebnis dieser Wahnsinnstat: Zumindest ein Gefolgsmann Charniers kann gefasst werden. So erfahren die Polizisten von der Lieferung des niederländischen Frachters und warten darauf, dass Charnier den Kapitän bezahlt, um ihm eine Falle zu stellen ...

Die Geschichte, die Frankenheimer, Laurie und Robert Dillon hier erzählen, ist äußerst dünn und auch nicht sehr spannend. Frankenheimer füllte sie daher mit Zusatzballast an, der nicht immer überzeugt, und setzte dabei ausschließlich auf das Können Gene Hackmans. Schon die Eingangssequenz deutet auf diese In-die-Länge-Ziehen-mangels-Inhalt-Methode hin. Lange, wenn auch schöne Aufnahmen vom Fischmarkt in Marseille, auf dem Barthelemy & Co. gerade nach Rauschgift in saftigen Fischen suchen, können über die inhaltliche Schwäche des Films nicht hinwegtäuschen. Eine weitere Szene, in der Doyle in einer Bar zunächst vergeblich einen Whiskey zu bestellen versucht – der französische Barkeeper (André Penvern) versteht nicht, was er will – ist für die Geschichte völlig unnötig und wird derart ausgebreitet, dass sie empfindlich stört. Etwas ähnliches gilt für den Entzug Doyles in der Gefängniszelle. Hackman spielt hier zwar ganz ansehnlich, aber die Szene ist völlig überdehnt.

Die Szene, in der Doyle das Hotel Des Colonnades anzündet, ist unglaubwürdig. Sie soll wohl bedeuten: Doyle ist ein unberechenbarer Cop, getrieben vom Ehrgeiz, ein Mann, der über Leichen geht, Hauptsache er erreicht sein Ziel: die Festnahme Charniers. Doch Doyle ist andererseits – das weiß man aus dem Film Friedkins – kein Dummkopf und kein Anfänger. Action um der Action willen also? So scheint es.

Hackman hat auch in diesem Film wirklich gute Szenen, in denen er den Charakter Doyles exzellent zu spielen weiß. Dafür allerdings erscheinen alle anderen Personen – Charnier, Barthelemy, von den anderen ganz zu schweigen – als personelles Zusatzfutter ohne Bedeutung und charakterliche Tiefe. Lediglich der Showdown zwischen Doyle und Charnier lässt noch etwas spüren von Friedkins Klassiker aus dem Jahr 1971.
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