Weil ich schöner bin
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Kritik der FILMSTARTS.de-Redaktion Weil ich schöner bin

2,5


Von Ulf Lepelmeier

Beim Unabhängigen Filmfest Osnabrück 2012 trat Regisseur Frieder Schlaich („Otomo", „Paul Bowles – Halbmond") mit „Weil ich schöner bin" im Wettbewerb um den Preis für Kinderrechte an, ein naheliegendes Forum für einen Film, in dem eine 13-jährige Kolumbianerin vehement für ihren Verbleib in ihrer Wahlheimat Deutschland kämpft. Schlaich konzentriert sich in seinem frechen Teenagerdrama allerdings ganz auf seine aufgeweckte Protagonistin und verzichtet zugunsten eines positiven Grundtons auf eine tiefergehende Analyse der sich aufdrängenden Fragen zu den Themen Integration und Illegalität.

Die lebhafte 13-jährige Charo Kolumbianerin (Mariangel Böhnke) geht in Berlin-Kreuzberg zur Schule und scheint ein ganz normales Teenagerleben mit Hochs und Tiefs zu führen. Doch sie hütet ein Geheimnis, das sie nicht einmal ihrer besten Freundin Laura (Mira Aring) anvertrauen darf: Seit Jahren lebt sie illegal in Deutschland. Als ihre als Putzfrau arbeitende Mutter (Angeles Aparicio) von der Polizei geschnappt wird, ist die Abschiebung der beiden nur noch eine Frage der Zeit. Doch Charo fühlt sich in Deutschland zu Hause und will nicht nach Südamerika zurück. Entschlossen setzt sie alles dran, in Deutschland bleiben zu dürfen und ihre Freunde nicht verlassen zu müssen.

„Weil ich schöner bin" – So keck antwortet Charo ihrer Freundin Laura auf die Frage, warum sie sich so sicher ist, als Erste einen Kuss von einem Jungen zu bekommen. Mit diesem kokett-überheblichen Satz charakterisiert Regisseur Frieder Schlaich seine ebenso entschlossene wie selbstbewusste Protagonistin, die eine erzwungene Rückkehr nach Kolumbien nicht akzeptieren will. Charo ist eine Jugendliche, die weiß was sie will und sich zumeist auch durchzusetzen versteht. Während ihre Mutter sich scheinbar schon mit der Abschiebung nach Lateinamerika abgefunden hat, gibt sich die 13-Jährige nicht kampflos geschlagen.

Mit einer bemerkenswert ungestümen Lebendigkeit verkörpert Schauspieldebütantin Mariangel Böhnke Charo, die in einem Moment todtraurig über ihre Situation brütet und im nächsten schon wieder kichernd auf dem Balkon tanzt. Diese unbeschwerten Augenblicke kindlicher Freude und jugendlichen Leichtsinns bilden einen wirkungsvollen Kontrast zum Druck durch die drohende Abschiebung. Regisseur Schlaich zeigt die Problematik der Illegalität konsequent aus der Sicht seiner jugendlichen Protagonistin. Er konzentriert sich ganz auf die Erfahrungswelt der Heranwachsenden und lockert den Film immer wieder mit amüsant-unüberlegten Aktionen Charos auf und fügt dazu auch noch einige animierte Sequenzen ein.

„Weil ich schöner bin" soll ganz offensichtlich kein sozialrealistisches Drama über das Leben in der Illegalität sein, aber auch für einen frechen Jugendfilm wirken einige der hier gestreiften ernsten Themen und Problem doch stark verharmlost. So kommt die Armut, in der die meisten illegalen Einwanderer auch in Deutschland leben, kaum zum Ausdruck: Charos Mutter ist zwar nur Putzfrau im Hause wohlhabender Leute, auch erwähnt Charo einmal, dass die Eltern von Laura ja viel wohlhabender seien, doch wirklich existenzielle Geldprobleme scheint es nicht zu geben. Und wenn von den Dreharbeiten in Kreuzberg verlautet, dass eine laufende Aufnahme unterbrochen werden musste, weil Hauptdarstellerin Mariangel Böhnke wegen ihrer angeblich viel zu freizügigen Kleidung von türkischen Jugendlichen übel beschimpft wurde, die die selbstbewusste Latina für eine Muslima hielten, stellt sich die Frage, warum Schlaich jegliche Integrationsproblematik und die möglichen Konflikte zwischen unterschiedlichen Zuwanderungsgruppen vollständig außen vor lässt.

Fazit: „Weil ich schöner bin" ist ein schwungvoller Jugendfilm über eine 13-Jährige, die sich neben den Wirren der Pubertät auch mit ihrer Existenz als illegale Einwanderin herumschlagen muss. Frieder Schlaichs Film lebt von seiner lebhaft aufspielenden Hauptdarstellerin, aber die harte Realität, die ihm das Thema gibt, wirkt doch insgesamt etwas verharmlost.

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