Reincarnated
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Kritik der FILMSTARTS.de-Redaktion Reincarnated

3,0


Von Robert Cherkowski

Der Musiker Snoop Dogg ist ein Weltstar und längst außerhalb von Hip-Hop-Fan-Kreisen nicht nur bekannt, sondern auch beliebt. Der umtriebige Geschäftsmann hat sich ausgehend von seiner erfolgreichen Rap-Karriere selbst zur Marke gemacht und beschränkt sich bei seiner Selbstdarstellung und Selbstvermarktung schon lange nicht mehr nur auf den guten alten Sprechgesang. Früh öffnete er sich der Popmusik, spielte in populären Filmen wie „Training Day" und „Starsky & Hutch" mit, vertrieb Actionfiguren seiner selbst, diente als Vorbild für Computer-Spiel-Charaktere, betrieb ein Modelabel und war sogar Gastgeber einer Pornoreihe („Snoop Doggs Doggystyle").
Das Image des schlaksigen Rappers als sympathischer Kumpel mit Kiffer-Attitüde hat sich an vielen Fronten als Kassengold erwiesen. Da er sich immer wieder neu erfindet, überrascht auch sein neuster Coup nicht weiter. Laut eigenen Aussagen hat Calvin Cordozar Broadus Jr., wie er bürgerlich heißt, im Rap alles erreicht und will sich nun als Reggae-Künstler neu beweisen. Daher firmiert der 41jährige nun als „Snoop Lion" mit Dreadlocks in der Löwenmähne. Das Vice-Magazin begleitete ihn bei dieser Metamorphose und einem Trip nach Jamaika, wo der Musiker seinen neuentdeckten Wurzeln nachforschte und ein Album aufnahm. Auch wenn die daraus entstandene Dokumentation „Reincarnated" von Regisseur Andy Capper vor allem ein weiterer Promo-Stunt um seine Person ist, macht es doch Spaß, ihm dabei auf den Fersen zu sein.

Ein großes Portrait über die Neuerfindung eines Stars ist „Reincarnated" nicht. Schon sehr früh wird klar, dass sich Chamäleon Snoop Dogg hier vor allem einen kleinen Jux macht: Zu Beginn gibt er erst einmal zu Protokoll, dass er sich für eine Reinkarnation von Bob Marley hält und es angeblich große Ähnlichkeiten zwischen der eigenen Biografie und der Marleys gebe. Allerdings weiß er dann nicht einmal, dass Marleys Karriere in den Trenchtowns von Kingston begann, sondern erfährt dies völlig überrascht erst von dessen einstigen Musikkollegen Bunny Wailer. Überhaupt wirkt Snoop Dogg die meiste Zeit wie ein amerikanischer Tourist, dessen Reggae-Kenntnisse mit Riddims und Gras erschöpft sind. Sein „großes Eintauchen" in die jamaikanische Kultur beschränkt sich in erster Linie darauf, Stadt- und Landrundfahrten zu unternehmen und anschließend im Studio ein Stück Pop-Reggae darüber aufzunehmen, was er denn heute so erlebt hat. Snoop besucht die Ghettos – Snoop macht einen Reggae-Ghetto-Song. Snoop hört vom legendären Drogendealer und Armen-Patron Christopher „Dudus" Coke – Snoop macht einen Reggae-Song über Dudus. Snoop besucht die Grasplantagen, kifft sich in die Wolken und isst eine Grapefruit – Snoop macht einen Song übers Kiffen und Grapefruit-Essen. Und so weiter, wobei überhaupt meist gekifft wird...

„Reincarnated" ist so in erster Linie ein Werbefilm für das gleichnamige Reggae-Album des Superstars. Aber: Das Reisetagebuch des umtriebigen Künstlers ist nichtsdestotrotz eine sympathische Dokumentation und ein nettes Star-Portrait geworden. Verantwortlich dafür ist auch die Zusammenarbeit mit dem internationalen Lifestyle- und Szene-Magazin Vice, wo man schon Erfahrungen mit den unterschiedlichsten Themen hat. Die Redakteure sind schon mit Basketball-Exzentriker Dennis Rodman nach Nordkorea gereist, haben über Kindersoldaten im Kongo, über liberianische Kannibalen-Generäle und Eselschänder im kolumbianischen Hinterland berichtet. Man hat also Erfahrung mit „derben" Weltreisen, die ohne Rücksicht auf politische Korrektheit, Geschmacksgrenzen oder Leib und Seele absolviert werden. Dieser zusätzliche Blickwinkel ist dafür verantwortlich, dass „Reincarnated" auch einige sehr gelungene Impressionen von Jamaika bietet, die weit entfernt von Sunshine-Reggae-Klischees sind. So wird keinen Hehl aus der Armut des Landes gemacht. Gleichzeitig wird jedoch nicht versäumt, die Schönheit des Inselstaates und den Stolz seiner Bewohner hervorzuheben. Die gelungene Bebilderung dieser Gegensätze ist der deutliche stärkere Teil der Selbstdarstellungs-Dokumentation, die Interview-Einschübe, in denen sich der Musiker über seine Karriere-Anfänge, das Rap-Geschäft, Familie, Werte und die Abkehr vom bloßen Leistungsdenken auslässt, hätte es da gar nicht gebraucht

Fazit: Die Redakteure des Vice-Magazins begleiten Snoop Dogg auf seinem Jamaika-Trip und lauschen seinen nicht immer ganz neuen, doch stets lässigen Ansichten über Gott, die Welt, sich selbst und die Kraft der Musik. „Reincarnated" ist so vor allem Pflichttermin für Fans, aber auch durchaus lehrreich für Laien und insgesamt unterhaltsam für Jedermann.

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