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Haus Tugendhat
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2 User-Kritiken

Felix H.
Felix H.

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4,0
Veröffentlicht am 11.06.13
Im Grunde baut Frau Granzin ihre unqualifizierte Ablehnung des Films auf ihr eigenes Mißverständnis: sie erwartet einen architekturhistorischen Film, einen der das "kulturhistorische Denkmal" feiert, aber stattdessen habe man ihr einen Personen-Film vorgesetzt. Anders ausgedrückt: sie wollte einen Film über eine Sache, aber man gibt ihr einen über Menschen. Sie wollte einen Kommentar-Film und kriegt einen, der auf die nachträgliche Schlaumeierei von irgendwelchen Historikern verzichtet. Für diese Entscheidung des Regisseurs gegen das Kommentieren aus dem Off gibt es beste Gründe. Jeder Expertenkommentar ist eine willkürliche Auswahl unter hunderten von Fachleuten, die sich mit der Sache auskennen oder auszukennen glauben, von denen dann vielleicht 5 oder 10 zu Wort kommen. Diese Willkür ist niemals zu rechtfertigen, sie bildet lediglich die mehr oder weniger beliebigen Preferenzen und Sympathien des einen Filmemachers ab, der sich hinter den Experten versteckt, oder die Defizite des anderen, die man zumeist dadurch kaschiert, daß einander widersprechende Ansichten präsentiert werden, um auch nur ja keinem aufs Füßchen zu treten. Das wäre dann die biedere, angepaßte und nichtssagende Pluralismus-Methode, die seit Jahrzehnten vom Fernsehen praktiziert wird. Wenn man stattdessen die Menschen zu Wort kommen läßt, in deren Leben das Haus Tugendhat eine bedeutsame Rolle gespielt hat oder noch immer spielt, gibt es diese Beliebigkeit nicht. Es sprechen diejenigen, die wirklich mit und in der Geschichte des Hauses leben. Und wer könnte das Portrait eines Wohnhauses besser mit Leben erfüllen als die Menschen, deren Biographien mit der des Hauses ineinandergreifen? Architektur ohne Menschen produziert Wohn- und Arbeitskäfige oder Gefängnisse für Kunstwerke, Verkaufsartikel und ähnliches. Das gilt nicht minder für die sogenannte moderne Architektur und somit auch für viele von deren hochgelobten "Stars". Wer braucht Gebäude, die von "architekturhistorischer Bedeutung" sind? Wenn sich die geistige Arbeit und das Handwerk der Architektur verselbständigen und nur noch auf ruhmversprechende Äesthetik einerseits oder profitable Zweckmäßigkeit andererseits abzielen, werden die Arbeitsergebnisse immer abstoßender, von selbstverliebt bis brutal. Mit Gebäuden beider Art sind inzwischen alle Städte der Welt vollgestellt, am schlimmsten die Metropolen. Beides ist "moderne Architektur", und beides ist Architektur ohne Menschen, und das heißt zwangsläufig: gegen Menschen. Ein Wohnhaus muß für die Menschen da sein, die es bewohnen. Die historische oder ästhetische Bedeutung ist bei manchen Gebäuden möglicherweise nicht uninteressant, aber stets Nebensache. Die wirklich guten Architekten kennen diese Priorität und vor allem: sie respektieren sie. In genau diesem Sinn hat Dieter Reifarth das 'Haus Tugendhat' porträtiert: in Kommunikation mit den Menschen, die mit dieser Villa auf vielfältige Weise lebensgeschichtlich verbunden sind. Was wiederum konsequent dazu führt, daß es in seinem Film auch um die politische Geschichte der Villa geht, die sich zu einer exemplarischen Erzählung des Totalitarismus des 20. Jahrhunderts ausweitet. In welcher Atmosphäre wurde das Haus gebaut, wie hat der deutsche Faschismus es behandelt, wie der Ostblock-Sozialismus und wie die darauf folgenden demokratisch verfassten nachtotalitären Systeme? So hat, meines Wissens, bisher noch keiner von der Tugendhat-Villa gesprochen. Insofern ist dieser Film in seiner ganzen inhaltlichen Reichweite auch noch eine Pioniertat. Ein Film über gerade diese Villa mit rein ästhetischem und architekturhistorischem Interesse wäre kalt, mechanisch und akademisch geworden. Architektur ohne Menschen ist Architektur gegen Menschen. Das hat Frau Granzin anscheinend nicht begriffen. Unverständlicherweise hat sie sich über das ausgelassen, was sich an vorgefasster Meinung hinter ihrer Stirn abspielt, anstatt (wie es die Aufgabe einer sachkundigen Filmkritik ist) das wahrzunehmen und zu beurteilen, was vor ihr auf der Leinwand stattfindet. Der Film von Dieter Reifarth hat solche Ahnungslosigkeit nicht verdient.
Alfred K.
Alfred K.

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4,0
Veröffentlicht am 12.05.13
Der Film, den ich bei einer Vorpremiere in München gesehen habe, ist weder konfus noch zu lang. Im Gegenteil. Er zeichnet sich gerade dadurch aus, daß er genau hinschaut und die Leute vor der Kamera nicht als Staffage benutzt. Er läßt sie zu Wort kommen und hört ihnen zu. Es gibt wenige Filme, denen es gelingt so facettenreich von Architektur zu erzählen. Zum Glück tauchen die üblichen Verdächtigen (Kunst- und Architekturkritiker) nur als Schlaglichter auf. Der Film richtet vielmehr sein Augenmerk auf die Bewohner und Nutzer des Hauses Tugendhat - vor allem auch auf jene, die unfreiwillig dort waren. Indem sie ihre Zeit in der Villa erinnern, erzählen sie sowohl von der Bedeutung einer wegweisenden Architektur, wie auch von seinem Erbauer. Ist ihre Betrachtungsweise nicht ungleich interessanter, als ein weiterer Film über Mies van der Rohe und das Neue Bauen? Der Autor Dieter Reifarth richtet bewußt den Focus auf eine Vielstimmigkeit im Zeichen der achtzig-jährigen Geschichte des Hauses. Weshalb sollte das „unbestimmt menschlich“ (was auch immer das bedeuten mag) und unentschieden sein? Katharina Granzin wirft Reifarth eigentlich vor, daß er nicht den Film gemacht hat, den sie gerne sehen wollte. Anstatt „Haus Tugendhat“ unvoreingenommen zu betrachten, ist ihre Kritik eher das Resultat geschmacklicher Willkür. Sie meint, der Autor verzettele sich in der Fülle seines Materials und habe dabei das Sujet aus den Augen verloren. Kann es sein, daß Frau Granzin den ganzen Film aus den Augen verloren hat? Sie schaut beharrlich am „Haupt-Erzählstrang“, nämlich der Geschichte des Hauses, vorbei. Interessant auch, daß sie dem Film Redundanz vorwirft, sich selbst aber hartnäckig wiederholt. „Die schärfsten Kritiker der Elche, waren früher selber welche!“ (F. W. Bernstein)
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