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Da muss Mann durch
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,5
enttäuschend
Da muss Mann durch
Von Asokan Nirmalarajah
Zuweilen kommt es vor, dass der Name des Regisseurs eines Films im dazugehörigen Presseheft keine Erwähnung findet. An seiner Stelle berichtet dann in der Regel der Produzent über Ursprünge und Herausforderungen des Projekts. Und wenn dann auf dem Plakat und im Film selbst der fiktive Platzhalter-Name Thomas Lee (früher bekannt als Alan Smithee) die Crew-Liste abschließt, dann sind das klare Anzeichen dafür, dass es  Probleme gegeben hat und der Regisseur seinen Namen vom Endprodukt entfernt haben wollte (wenn dazu überhaupt etwas verlautet, ist bevorzugt die Rede von „kreativen Differenzen“). Für „Da muss Mann durch“, die Fortsetzung des Kinohits „Mann tut was Mann kann“ von 2012, wurde erneut Marc Rothemund („Groupies bleiben nicht zum Frühstück“) engagiert, der sich aber offensichtlich mit der Produktion überworfen hat und daher offiziell nur noch als Co-Autor genannt wird. Trotzdem muss das Endergebnis nicht zwangsläufig ein schlechter Film sein, immerhin sind für das Komödiensequel die vier männlichen Hauptdarsteller und der Drehbuchautor (Hans Rath, nach der eigenen Romanvorlage) des charmanten Vorgängers vor der ansprechenden Kulisse von Mallorca wiedervereint. Doch bei diesem halbherzigen und witzarmen Versuch,  an den Erfolgsfilm anzuschließen, geht der besondere Charme der Figuren verloren und ihre Erfahrungen und Einsichten aus dem ersten Teil werden weitgehend ignoriert.

Wir begegnen dem Verleger Paul (Wotan Wilke Möhrig) nach einer kurzen Rückschau auf den ersten Teil, in der seine große Liebe Iris (Jasmin Gerat) nicht einmal Erwähnung findet, wieder als Single. Bei einer Feier auf Mallorca begegnet er der Tochter seines Chefs, der schönen Lena (Julia Jentsch). Es ist Liebe auf dem ersten Blick. Als ihr der schwerreiche britische Adelssohn Patrick Arterberry (Stephan Luca) einen Heiratsantrag macht, entscheidet sich Lena für Paul und acht Wochen danach kehrt das Paar zurück auf die Insel, um einige schöne Tage auf dem Anwesen ihrer Eltern zu verbringen. Lenas Mutter Elisabeth (Daniela Ziegler) stellt ihren Schwiegersohn in spe gleich auf die Probe und bietet ihm eine Position im Vorstand an, sollte er ihr überzeugende Ideen für das Firmenwachstum präsentieren. Paul ruft seinen Freund Schamski (Jan Josef Liefers) zur Unterstützung hinzu, doch dieser macht sich lieber an eine von Lenas Schwestern heran. Unterdessen wird Patrick wieder zum  ernsthaften Liebeskonkurrenten, nachdem Lena herausfindet, dass sie sich bereits in der zwölften Schwangerschaftswoche befindet. Paul versucht mit dieser unangenehmen Situation klarzukommen und bekommt unverhofft Rückendeckung von seinen Freunden Günther (Oliver Korittke) und Bronko (Fahri Yardim), die es aus unterschiedlichen Gründen auch aus Berlin ins sonnige Mallorca verschlägt…


Nach Angaben des Produzenten Alexander Thies stand schon während der Dreharbeiten zu „Mann tut was Mann kann“ fest, dass es eine Fortsetzung der Abenteuer des zentralen Männergespanns geben würde. Da verwundert es dann schon etwas, dass die Triebfeder der Handlung des Originals in diesem Sequel einfach links liegen gelassen wird. Seine Liebe zur Tierärztin Iris (die bodenständige Figur war überdies eine der größten Stärken des ersten Films) spielt einfach keine Rolle mehr. Es ist vielmehr ganz so, als ob es das Finale von „Mann tut was Mann kann“, in dem Paul Kopf und Kragen riskiert, um die Hochzeit seiner Angebeteten zu verhindern, gar nicht gegeben hätte. Stattdessen wird die charakterliche Entwicklung der Hauptfigur Paul im zweiten Teil einfach wieder auf null gesetzt und er verliebt sich einfach in eine neue attraktive, aber leider bereits vergebene Frau. Diesmal ist es die verlockende Blondine Lena (verkörpert von Julia Jentsch, Hauptdarstellerin aus Marc Rothemunds oscarnominiertem „Sophie Scholl – Die letzten Tage“), die aber ungleich profilloser und uninteressanter daherkommt als Pauls frühere Herzdame.

Auch die Wiedervereinigung der chaotischen Männer-WG aus Teil 1 vor einer neuen, paradiesischen Kulisse, wo beim bewährten Rotwein über Beziehungen gefachsimpelt wird, wirkt konstruiert und fällt enttäuschend aus. Während Oliver Korittke („Doktorspiele“) und Fahri Yardim („Alles ist Liebe“) meist nur als groteske Lückenfüller für unmotivierte Slapstickszenen herhalten müssen, darf Jan Josef Liefers („Honig im Kopf“) nur eine Seite seiner süffisanten Machofigur ausspielen - die des sexbesessenen Frauenhelden. Und Wotan Wilke Möhrings („Who Am I“) Paul, der permanent von den Eltern, Schwestern und dem Ex-Verlobten seiner Herzdame malträtiert wird, wirkt dabei ratlos und überfordert. Die Unreife dieser Männerfiguren ist gerade deshalb so enttäuschend, weil sie in „Mann tut was Mann kann“ als reife, reflektierte Protagonisten voll amüsanter Lebensweisheiten auftraten. In „Da muss Mann durch“ sind sie hingegen nicht weit von den pubertären Helden etwa aus den „Eis am Stiel“-Fortsetzungen entfernt. Dort wie hier wird versucht, Humor aus unerwarteten nackten Brüsten, anstößig dekoriertem Essen und schlüpfrigen Wortspielen zu schöpfen - doch zündet kaum einer der Gags.
 
Fazit: Man kann sich an den üppigen Villen, dem tiefblauen Wasser und den weiteren Attraktionen Mallorcas, die in „Da muss Mann durch“ aneinandergereiht werden, kaum sattsehen. Was sich aber vor dieser traumhaft in Szene gesetzten Kulisse abspielt, ist nur ein enttäuschender, kindischer Abklatsch des gesetzteren und ungleich intelligenteren Vorläufers „Mann tut was Mann kann“.
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