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    The Bachelor Weekend
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    The Bachelor Weekend
    Von Asokan Nirmalarajah
    Hangover”, der Überraschungshit von 2009 über die katergebeutelte Rekapitulation eines komplett aus dem Ruder gelaufenen Junggesellenabschieds (auf Englisch: Bachelor Party oder auch Stag Night), sorgte mit seinem Kassenerfolg nicht nur bald für zwei (weniger amüsante) Fortsetzungen, sondern es folgten eine ganze Reihe ähnlich gestrickter Buddy-Komödien (von „Kill the Boss“ über „Last Vegas“ bis zur weiblichen Variante in „Brautalarm“): Todd Phillips‘ urkomische Slapstick-Sause macht bis heute Schule. Auch „The Bachelor Weekend“ steht mit seiner Story über einen chaotischen Männertrip im Fahrwasser von „Hangover“, allerdings schlagen Regiedebütant John Butler und sein Co-Drehbuchautor und Hauptdarsteller Peter McDonald („Der ewige Gegner“) deutlich sanftere Töne an. Ihre etwas ungelenk erzählte und leider nur milde amüsante Komödie ist so etwas wie das bodenständige irische Gegenstück zu dem Las-Vegas-Wahnsinn des Vorbilds.  

    Die Hochzeit von Fionnan (Hugh O’Conor) soll etwas ganz Besonderes sein. Deshalb überrascht der enthusiastische Szenenbildner seine Verlobte Ruth (Amy Huberman) mit einem überdimensionierten Modell des Hochzeitsaals – sogar die Brautpaarpuppen sind perfekt im Raum platziert. Ruth hat zwar Verständnis für die etwas „femininen“ Züge ihres zukünftigen Gatten, aber als Fionnan sich gegen einen Junggesellenabschied ausspricht und lieber bei ihrem Frauenabend dabei sein würde, platzt ihr der Kragen. Sie überredet Fionnans Freund und Trauzeugen Davin (Andrew Scott), einen Männertrip in die Natur zu organisieren. Auf dem Campingausflug werden die beiden begleitet von Simon (Brian Gleeson) und von Fionnans schwulem Bruder Kevin (Michael Legge), der seinen gleichnamigen Partner Kevin (Andrew Bennett) mitbringt. Der gemütlichen Softie-Runde wird aber in der Gestalt von Ruths Bruder „The Machine“ (Peter McDonald) ein Unruhestifter an die Seite gestellt, dessen machohafte Ansichten das Wochenende zu einem Erlebnis machen…


    Mit dem allmählich ausartenden Männerausflug in die Wildnis nehmen John  Butler und Peter McDonald die sogenannte Wild-Men-Bewegung der 1990er Jahre auf die Schippe, die mit dem Erscheinen des Buch „Eisenhans“ von US-Schriftsteller Robert Bly ihren Anfang nahm. In dieser „mythopoetischen“ Männerbewegung besinnen sich von der Gesellschaft missverstanden fühlende Männer zurück auf eine archaische Männlichkeit, die exemplarisch durch Figuren wie den „wilden Mann“ verkörpert wird. In „The Bachelor Weekend“  wird dieser Versuch der Rückbesinnung als Quelle für peinlich-komische Situationen genutzt, in denen die kultivierten, sensiblen Protagonisten durch den Wald stolpern und von dem überzeugten, aggressiven Macho The Machine (der Name ist kein Zufall) zu mehr „Männlichkeit“ angestachelt werden. Dem stehen die ruhigeren Momente des Films gegenüber – hier erscheinen die verunsicherten Freunde als sehr gefühlvolle, von Bindungsängsten, Schulden, Gewissensbissen und Selbstzweifeln gebeutelte Figuren.

    Was sich in der Theorie einleuchtend und potenziell sehr unterhaltsam anhört, erweist sich in der tatsächlichen Umsetzung dann aber meist als halbgar und handzahm. Zwar sind die genrebedingt recht stereotypen Figuren in diesem Rahmen durchaus sorgfältig gezeichnet und die Besetzung zeigt durchweg solide Leistungen, doch trotzdem kommt die Komödie nie so recht in Schwung. Abgesehen von witzigen Einwürfen zum Selbstverständnis der Iren als treue U2-Fans, netten Anspielungen auf die „Herr der Ringe“-Filme und einer Szene, in der The Machine darauf besteht, im gemeinsamen Männerzelt zu masturbieren, um friedlich schlafen zu können, plätschert der Film harmlos vor sich hin. Witz, Esprit und Leichtigkeit fehlen hier weitgehend und einen zünftigen Männerklamauk mit viel Alkohol und anzüglichen Gags nach Art einschlägiger Klassiker wie „Bachelor Party“ oder eben „Hangover“ sollte man schon gar nicht erwarten.

    Fazit: „The Bachelor Weekend“ ist die etwas betuliche irische Variante der in jüngster Zeit sehr erfolgreichen Buddy-Komödien über einen chaotischen Männertrip. Trotz ordentlicher Darsteller und einiger vielversprechender Ansätze zünden viel zu wenige Pointen.

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