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    Nuoc (2030)
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    Nuoc (2030)
    Von Niklas Pollmann

    Der Öko-Romantik-Thriller „Nuoc (2030)“, der die Panorama-Sektion der Berlinale 2014 eröffnete, ist laut den Machern der erste vietnamesische Science-Fiction-Film. Vietnam gehört ähnlich wie Holland zu den vom klimawandelinduzierten Meeresanstieg existenziell bedrohten Ländern, da überrascht es nicht, dass in „Nuoc (2030)“ ein pessimistischer Ausblick auf ein vom Meereswasser verschlungenes Festland geworfen und eine nationale Kollektivangst verarbeitet wird. Regisseur Nghiem-Minh Nguyen-Vo („Buffalo Boy“) gelingt damit ein zwar sehr interessanter Genre-Hybrid, bei dem die einzelnen Elemente aber nie in Einklang gebracht werden.

    Im Jahre 2030 ist die Hälfte des agrarwirtschaftlich nutzbaren vietnamesischen Festlands von Salzwasser überflutet. Viele ehemalige Bauern sind nun Fischer und Schifffahrtsnomaden. Sao (Quynh Hoa) und ihr Mann Thi (Kim Long Thach) besitzen ein solches überschwemmtes Stück Land und versuchen es zu verteidigen. Als Thi ertrunken aufgefunden wird, ist sich Sao sicher, dass es sich nicht wie von den Ärzten attestiert um einen Unfall, sondern um vorsätzlichen Mord handeln muss. Schnell wird klar, dass ein multinationaler Konzern, für den Saos ehemaliger Liebhaber Giang (Quy Binh) an genmanipuliertem Seegras arbeitet, mit dem Vorfall zu tun haben muss.

    „Nuoc“ bedeutet „Wasser“. In „Nuoc (2030)“ ist Vietnam im Jahre 2030 davon in doppelter Weise gezeichnet. Auf der einen Seite das Salzwasser, das das Land der Bauern in ein seichtes Gewässer verwandelt hat, auf der anderen die Knappheit von Süßwasser, das den vietnamesischen Einwohnern nur durch Regenschauer verfügbar ist. Zudem werden die Lebensumstände durch Heuschreckenplagen und soziale Verrohung erschwert. Dass ein multinationaler Privatkonzern hinter dem Aufbrechen funktionierender sozialer Strukturen im Vietnam steckt, dürfte dabei keine ganz zufällige Zukunftsvision sein – jenseits der weit verbreiteten Kapitalismuskritik stehen Filmemacher aus Vietnam schließlich auch nach wie vor unter der Kontrolle der kommunistischen Partei.

    Trotz Panaroma- und vogelperspektivischen Aufnahmen — vereinzelt kommt sogar ein Fischaugenobjektiv zum Einsatz — erzählt Nghiem-Minh Nguyen-Vo zu Beginn die gesellschaftliche Dystopie geschickt aus der Nähe seiner Figuren und verzichtet auf zu große Erklärungen. Im Laufe der Handlung, die in verschiedenen Episoden vor dem Mord, nach dem Mord und zehn Jahre zuvor im Jahre 2020 erzählt wird, verliert er aber jegliche erzählrhythmische Kongruenz aus den Augen. Die Inszenierung ist durchweg uneinheitlich: mal im ruhigen Arthouse-Stil, mal als spannender Thriller und am Ende auch noch mit unzeitgemäßen Computeranimationen. Beliebig wechseln sich auch Szenen gänzlich ohne Musikeinsatz und mit tosender klassischer Musik ab. Der Genre-Hybrid zerbricht so zunehmend an seinem ambitionierten Ansatz, Thriller, Romantik und anspruchsvolle Science-Fiction unter einen Hut zu bekommen.

    Fazit: „Nuoc (2030“) ist eine überambitionierte und mäßig spannende Genre-Mixtur.

    Dieser Film läuft im Programm der Berlinale 2014. Eine Übersicht über alle FILMSTARTS-Kritiken von den 64. Internationalen Filmfestspielen in Berlin gibt es HIER.

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