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    Ma Ma - Der Ursprung der Liebe
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,0
    lau
    Ma Ma - Der Ursprung der Liebe
    Von Andreas Cordes

    „Für die Frauen“ steht da am Ende von „Ma Ma – Der Ursprung der Liebe“ auf der Leinwand, doch es ist sehr wahrscheinlich, dass die eine oder andere Adressatin im Publikum diese Widmung durch Regisseur und Drehbuchautor Julio Medem („Lucia und der Sex“) dankend ablehnt. Denn das Melodram aus spanisch-französischer Produktion kann man (und frau) getrost als grandiosen Murks bezeichnen. Vornehmlich geht es zwar um die verhängnisvolle Brustkrebs-Erkrankung der jungen Mutter Magda, hingebungsvoll gespielt von Oscar-Preisträgerin Penélope Cruz („Vicky Cristina Barcelona“), doch damit alleine will sich Medem thematisch nicht begnügen und so verwurstet er im Verlauf seines Films auch noch die desolate spanische Wirtschaft, das Schicksal sibirischer Waisenkinder, sexuelle Horizonterweiterung, die Frage nach dem Sinn des Lebens und die Fußball-Europameisterschaft 2012. Dieser krude Mix fügt sich in der Summe seiner (für sich meist immerhin recht ansehnlichen) Teile nie zu einem stimmigen Ganzen und auch die plakative Symbolik – zwischenzeitlich lässt der Filmemacher tatsächlich Krebse (!) aus dem Wasser an Land krabbeln, um das Fortschreiten von Magdas Krankheit zu verdeutlichen – sorgt für Irritation, sodass selbst die beeindruckende Penélope Cruz den mauen Gesamteindruck nicht wesentlich verbessern kann.

    Im Spanischen kann mit „mama“ sowohl die „Mutter“, als auch die weibliche „Brust“ gemeint sein, wobei die zunächst seltsam daherkommende Zweiteilung des Wortes im Filmtitel weniger auf diese Doppeldeutigkeit, als auf eine Teilung der Erzählung in zwei Akte hinweist. Im ersten Akt nimmt die alleinerziehende Mutter Magda den Kampf gegen den Brustkrebs auf und lernt dabei Arturo (Luis Tosar, „Cell 211“) kennen, der gerade den Verlust von Frau und Tochter zu verkraften hat. Chemotherapie, Haarausfall und Mastektomie zum Trotz können Magda und ihr Sohn Dani (Teo Planell) bald hoffnungsvoll in eine neue Zukunft mit einem neuem Mann/einer neuen Vaterfigur blicken. So weit, so gut. Doch im zweiten Akt, der auf einen mehrmonatigen Zeitsprung folgt, wartet Medem dann mit einigen Überraschungen auf und verfällt immer stärker in eine assoziativ-metaphorische Erzählweise, was deutlich weniger überzeugend ausfällt. Unter anderem tritt hier die Figur von Magdas gutaussehendem Gynäkologen Julián (Asier Etxeandia, „Shrew's Nest“) stärker ins Zentrum, der gleich mehrere Male seine schmachtend-schöne Singstimme zum Einsatz bringen darf, was ebenso unerwartet kommt wie es unpassend wirkt. Ein gemeinsamer Ausflug von Magda und Julián in einen noblen Swingerclub bleibt ebenfalls ein Fremdkörper und Ähnliches gilt für das sibirische Waisenmädchen, das Magda in ihren Tagträumen erscheint.

    Anders als in Julio Medems besten Filmen entfaltet sich in „Ma Ma“ höchstens im Ansatz die ganz eigene Kraft und Logik einer surreal-(alb-)traumhaften Erzählung, stattdessen schiebt sich immer mehr das Wollen eines um jeden Preis gegen den Strom schwimmenden Filmemachers in den Vordergrund. Der spanische Regisseur verweigert den klar erkennbaren erzählerischen Zusammenhang in der zweiten Filmhälfte zugunsten einer geradezu beliebig wirkenden Anhäufung von heterogenen Ideen und Motiven, was dazu führt, dass selbst die eindeutig als emotional und rührend angelegte Schlussszene eher ungewolltes Lachen als Tränen hervorrufen dürfte. Rein visuell dagegen hat „Ma Ma“ beachtliche Qualitäten: Kameramann Kiko de la Rica („Blancanieves“) schreibt seinen Bildern vor allem zu Beginn immer wieder ein Gefühl von Haltlosigkeit ein - Magdas Welt gerät buchstäblich aus den Fugen. Und Editor Iván Aledo verzahnt wichtige Szenen kunstvoll ineinander statt sie klassisch hintereinander zu montieren, was dem Geschehen bei aller thematischen Schwere etwas Lebendig-Pulsierendes verleiht. Und es bleibt die beherzt aufspielende Penélope Cruz, die aus Magda eine nie aufgebende Kämpferin macht.

    Fazit: Penélope Cruz glänzt in einem thematisch hoffnungslos überfrachteten Krebs-Melodram, das der starken Leistung seiner Hauptdarstellerin inhaltlich nicht gerecht wird.

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