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    Ixcanul - Träume am Fuße des Vulkans
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Ixcanul - Träume am Fuße des Vulkans
    Von Christoph Petersen

    Während das 17-jährige Maya-Mädchen Maria (María Mercedes Croy), das mit ihren Eltern im nach Kaffee und Vulkan riechenden guatemalischen Hochland lebt, mit dem Plantagenvorsteher Ignatio (Justo Lorenzo) verheiratet werden soll, träumt ihr heimlicher Freund Pepe (Marvin Coroy) davon, in die USA auszuwandern, weil er dort zumindest besser als die Schwarzen behandelt werden würde. Und nach dem Berlinale-Wettbewerbsbeitrag „Ixcanul“ von Regiedebütant Jayro Bustamante kann man Pepes Plan durchaus nachvollziehen, denn in Guatemala selbst steht die indigene Minderheit ganz unten in der gesellschaftlichen Nahrungskette: Ohne die Amtssprache Spanisch zu beherrschen und noch immer alten Aberglauben nachhängend (schwangere Frauen können mit ihrer Energie die Schlangen aus den Feldern vertreiben), werden die Maya von der europäischstämmigen Mehrheit gnadenlos ausgebeutet – und dabei geht es nicht nur um ihre Arbeitskraft.

    Obwohl Maria besonders übel mitgespielt wird, wenn sie im Krankenhaus einen auf Spanisch verfassten Wisch unterschreibt, dessen Inhalt sie und ihre Familie gar nicht nachvollziehen können, ist das nämlich alles andere als ein Einzelschicksal: Nicht von ungefähr ist Guatemala trotz einer Bevölkerung von gerade einmal 13 Millionen Menschen der weltweit größte Exporteur von Neugeborenen. Aber trotz seiner tragischen Geschichte (ein Happy End braucht hier niemand zu erwarten) zieht „Ixcanul“ sein Publikum nicht einfach nur runter, stattdessen hat Regisseur Bustamante einen trotz unentschuldbarer Ausbeuterei und monumental-bildgewaltigen Aufnahmen der unwirtlichen Natur auch extrem sinnlichen Film gedreht, der die Verbundenheit der Maya zu ihrer Heimat verbildlicht: So hat Maria ihr „erstes Mal“ nicht etwa mit Pepe oder Ignatio, sondern mit einem vermutlich Jahrhunderte alten Baum, an dessen gewaltigen, unmöglich noch aus dem Boden zu reißenden Wurzeln sie sich reibt.

    Fazit: Vor dem Hintergrund eines aktiven Vulkans erzählt Regisseur Jayro Bustamante ein eindringliches Drama über den Widerstreit von Tradition und Moderne.

    Dieser Film läuft im Programm der Berlinale 2015. Eine Übersicht über alle FILMSTARTS-Kritiken von den 65. Internationalen Filmfestspielen in Berlin gibt es HIER.

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