Mein Konto
    Neuland
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Neuland
    Von Katharina Granzin

    Der preisgekrönte Dokumentarfilm „Neuland“ der jungen Filmemacherin Anna Thommen hat - als ursprünglich sicher nicht intendierter Nebeneffekt - das Potential dazu, das ramponierte Image der Schweiz als Einwanderungsland gründlich aufzupolieren und zu zeigen, dass trotz Ereignisse der jüngeren Vergangenheit auch dort Integration möglich ist. Thommen hat mit ihrer Kamera zwei Jahre lang eine Integrationsklasse begleitet, wie sie in Basel für nicht mehr schulpflichtige Jugendliche angeboten wird, die noch nicht lange im Land sind. Im Zentrum des Films steht der Lehrer Christian Zingg, ein in sich ruhender Mittfünfziger, der für seine Schüler im Laufe der Zeit zu einer sehr wichtigen Bezugsperson wird. Exemplarisch für die gesamte Klasse hat Thommen ein paar Schülerschicksale bzw. Lebenswege herausgegriffen, die sie verfolgt.

    Es sind vor allem Ehsanullah aus Afghanistan und die Albanerin Nazlije aus Serbien, an denen intensiv Anteil genommen wird: zwei Jugendliche, deren Voraussetzungen kaum unterschiedlicher sein könnten. Während Nazlije nach dem Tod ihrer Mutter zusammen mit dem Bruder in die Schweiz gekommen ist, weil ihr Vater dort schon lange lebt, hat Ehsanullah, der aus einer einfachen Bauernfamilie stammt, eine lange, abenteuerliche und sehr teure Flucht hinter sich. Viele Tausend Dollar schuldet er deswegen Leuten, die damit drohen, seiner Familie das Land wegzunehmen, falls er das Geld nicht zurückzahlt. Deshalb ist es für Ehsanullah nicht einfach, immer in die Schule zu kommen; er muss dringend arbeiten gehen. Thommens Langzeitbeobachtung zeigt nicht nur die – sprachliche, soziale, psychische – Entwicklung der jungen Leute, sondern nimmt auch Anteil an den Dramen in ihren Leben. Ehsanullahs Asylantrag etwa wird zuerst abgelehnt, Nazlijes Bewerbung um einen Ausbildungsplatz bleibt lange erfolglos. Ihren Klassenkameradinnen und -kameraden geht es ähnlich. Wenn der Film mit einer berührenden Abschiedsfeier endet, ist das fast ein Zuviel an Happy-End. Denn mit Sicherheit wird das Leben nach Abschluss der Integrationsklasse für die jungen Leute eher unübersichtlicher. Aber ganz zweifellos haben sie durch den Herrn Zingg einen guten Start bekommen.

    Fazit: Gelungene und berührende Langzeitbeobachtung einer Integrationsklasse von eingewanderten Jugendlichen in Basel.

    Möchtest Du weitere Kritiken ansehen?
    Das könnte dich auch interessieren
    Back to Top