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    Grüße aus Fukushima
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    2,5
    durchschnittlich
    Grüße aus Fukushima
    Von Michael Meyns
    Erleuchtung garantiert“ hieß vor gut 25 Jahren der erste Film, den Doris Dörrie zumindest zum Teil in Japan drehte. Die Mitte der 80er Jahre durch den Komödienhit „Männer“ bekannt gewordene Regisseur ist wie so viele Westler von der Fremdheit des Landes der aufgehenden Sonne fasziniert - von den Merkwürdigkeiten des japanischen Alltags, aber auch von der Spiritualität der Menschen, die in aller Regel ganz selbstverständlich an Geister glauben. Japan ist somit ein idealer Schauplatz für eine filmische Sinnsuche, die Dörrie dann auch 2008 in „Kirschblüten-Hanami“ unternahm. Damals war es der grantelnde Witwer Elmar Wepper, der durch die Freundschaft zu einer jungen Einheimischen wieder zu sich selbst fand, in Dörries neuestem Japan-Ausflug, dem Drama „Grüße aus Fukushima“ ist es nun die motzende, grobschlächtige junge Deutsche Marie (Rosalie Thomass), die durch die Freundschaft zu einer älteren Dame, der ehemaligen Geisha Satomi (Kaori Momoi), wertvolle Lektionen über das Leben lernt.


    Subtil ist es nicht, wie Dörrie die Gegensätze zwischen den Ländern und zwischen ihren beiden Hauptfiguren ausspielt: Marie, die große, laute Teutonin, Satomi die feingeistige, dezente Asiatin. Vom Unglück sind beide verfolgt, Marie hat ihren Zukünftigen kurz vor der Hochzeit betrogen und wurde verlassen, Satomis Haus wurde während der Reaktorkatastrophe von Fukushima zerstört, vor allem aber fühlt sie sich für den Tod ihrer Schülerin verantwortlich, die in den Fluten ertrank. Als freiwillige Helferin kommt Marie nun nach Japan: „Ich wollte mich besser fühlen durch das Unglück Anderer“, wie sie in einem Moment der Selbsterkenntnis gesteht. In den Ruinen von Satomis Haus verbringen die beiden so unterschiedlichen Frauen viel Zeit miteinander, kommen sich nach und nach näher und lernen voneinander. Ein bisschen gefällig ist das, immer ein wenig zu deutlich und zu direkt, aber wenn Dörrie sich zwischendrin zurückhält und sich aufs reine Beobachten beschränkt, dann fängt sie einige schöne Momente einer ungewöhnlichen Freundschaft ein.

    Fazit: Zum dritten Mal siedelt Doris Dörrie einen Film in Japan an und erneut ist „Grüße aus Fukushima“ eine spirituelle Sinnsuche, die sich aus dem Kontrast zwischen den Kulturen speist. Wenig subtil und bisweilen überdeutlich erzählt die Regisseurin von der Freundschaft zweier gegensätzlicher Frauen.

    Dieser Film läuft im Programm der Berlinale 2016. Eine Übersicht über alle FILMSTARTS-Kritiken von den 66. Internationalen Filmfestspielen in Berlin gibt es HIER.
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