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    Riverbanks
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    4,0
    stark
    Riverbanks
    Von Katharina Granzin
    Es sind existenzielle Themen, an die der griechische Regisseur Panos Karkanevatos in „Riverbanks“ rührt: Heimatlosigkeit, Flucht, die Suche nach Sinn im scheinbar sinnlosen Dasein, Liebe und Verlust. Der Film ist ein intensives, oft intimes Kammerspiel inmitten einer weiten Landschaft, was die - innere wie äußere – Einsamkeit und Heimatlosigkeit der Figuren umso schmerzlicher spürbar macht. Als Hauptkulisse des Films dient das kaum bewohnte Grenzgebiet zwischen Griechenland und der Türkei; ein paar wenige Szenen sind in Istanbul angesiedelt. Trotz der klaren Verankerung an konkreten Orten und in einer konkreten Wirklichkeit zielt Karkanevatos mit seiner kontrollierten, sehr zeichenhaften Bildsprache nicht auf einen puren Realismus: Sein Drama mag mit Blick auf die aktuellen Flüchtlingsströme entstanden sein, doch es richtet sich an den potenziellen Flüchtling in uns allen.

    Der junge Grieche Yannis (Andreas Konstantinou) ist als elternloses Heimkind aufgewachsen, inzwischen ist die Armee für ihn Berufung, Heimat und Familie zugleich. Der Soldat verfügt über eine besondere Gabe beim Aufspüren von Minen und als im Grenzgebiet zur Türkei Tellerminen aus dem Zypernkrieg beseitigt werden sollen, meldet er sich freiwillig. Eines Nachts begegnet Yannis dort einer Frau, die einer Gruppe von illegalen Flüchtlingen über den Grenzfluss geholfen hat, und verliebt sich in sie. Doch Chryssa (Elena Mavridou) führt ein kompliziertes Doppelleben: Tagsüber verkauft sie Gemüse auf dem Markt und kümmert sich liebevoll um ihr kleines Kind, nachts arbeitet sie für eine Bande von skrupellosen Menschenschmugglern, die bewusst den Tod von Flüchtlingen auf dem gefährlichen Weg in Kauf nehmen. Die Liebe zwischen der Schleuserin und dem Soldaten kann und darf nicht sein und bringt beide in Lebensgefahr.


    In einer Seitenhandlung wird das Schicksal eines kurdischen Jungen gezeigt, der ohne seine Eltern fliehen musste. Seine kleine Schwester ist im Grenzfluss ertrunken, aber er wandert stoisch immer weiter und weiter – bis ihm endlich jemand eine helfende Hand entgegenstreckt. Karkanevatos erzählt diese Episode mit größtmöglicher Lakonie und absolut unsentimental - vielleicht ist sie gerade deshalb so eindrücklich. Der lange Weg des Jungen, parallel geführt zur Haupthandlung des Films, spiegelt die Suche des Soldaten Yannis nach einem Ziel im Leben. Auch der ist letztlich ein Heimatloser, ein fast schon Verlorener, der sich aber nicht aufgibt. Er sucht und findet Sinn darin, sein Leben zu riskieren, um andere Leben zu retten. Sogar an die Liebe glaubt Yannis noch, so sehr sogar, dass er trotz aller Gefahr versucht, die Geliebte aus ihren Verstrickungen mit der Schleuser-Mafia zu retten.

    Im ungemein intensiven Spiel des Hauptdarstellers Andreas Konstantinou („Little England“) gewinnt die Außenseiterfigur des Yannis eine enorme Präsenz. Allerdings konzentriert sich Regisseur Karkanevatos so stark auf diesen Protagonisten, dass für alle anderen Figuren nur grob konturierte Nebenrollen bleiben, auch Yannis' Geliebte Chryssa besitzt wenig Eigenständigkeit. In ihrem Namen klingt ja bereits das Wort „Christus“ an und so ist ihre wichtigste erzählerische Funktion, dem einsamen Soldaten Erlösung zu verheißen. „Riverbanks“ mag eine Geschichte mit vielen Akteuren sein, letztlich handelt es sich um das Drama eines Einzigen. Wenn der hier immer wieder versucht, seiner existenziellen Unbehaustheit zu entkommen, dann steht er symbolisch für den Menschen an sich – und dass weder Yannis noch seine namenlose Spiegelfigur des Flüchtlingsjungen sich jemals aufgeben, macht immerhin Hoffnung.

    Fazit: Fesselndes griechisches Drama über Menschen auf der Flucht und das Menschsein an sich.
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