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Allein gegen die Zeit - Der Film
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,0
lau
Allein gegen die Zeit - Der Film
Von Antje Wessels
Die bislang zwei Staffeln umfassende Jugendserie „Allein gegen die Zeit“ ist so etwas wie das kinderfreundliche Pendant zu Kiefer Sutherlands Anti-Terror-Wettlauf „24“: Das Krimiformat um eine abenteuerlustige Berliner Schülerclique entwickelt seinen Reiz hauptsächlich über seine Echtzeit-Inszenierung. Für ihre innovative Erzählweise, die äußerst hohen Produktionsstandards und die pfiffig geschriebenen Drehbücher wurde die Serie für diverse Medienpreise nominiert, darunter der International Emmy und der Deutsche Fernsehpreis. Direkt nach der Ausstrahlung der zweiten Season begannen 2012 die Pläne für eine Leinwandadaption, die nun erst vier Jahre später den Weg in die Kinos findet. Das Personal vor und hinter der Kamera wurde dabei kräftig durchgewechselt: Ruby O. Fee („Verrückt nach Fixi“), die als Sophie in der Serie eine der Hauptrollen spielte, wurde durch Stephanie Amarell („Mona kriegt ein Baby“) ersetzt, die Serienschöpfer Ceylan Yildirim sowie Angelika Paetow übergaben ihren Produzentenposten an Martin Hofmann („Schloss Einstein“) und das Regiezepter übernahm Christian Theede („Im weißen Rössl“). Dieses Bäumchen-wechsel-Dich-Spiel ist „Allein gegen die Zeit – Der Film“ anzumerken. Wo die Serie als ernstzunehmender Teenie-Thriller besonderen Charme entwickelte, hat der Film nur noch hanebüchenen Science-Fiction-Mummenschanz zu bieten.

Die Berliner Schüler Ben (Timon Wloka), Jonas (Timmi Trinks), Leo (Janina Fautz), Özzi (Uğur Ekeroğlu) und Sophie (Stephanie Amarell) sind mit ihrer Klasse auf Abschlussfahrt in Hildesheim, als es bei der Besichtigung des Doms zu einer folgenschweren Explosion kommt, durch die das eingespielte Team getrennt wird. Während Leo und Ben unter Schutt und Asche begraben werden, entführt eine geheimnisvolle Sekte den Rest der Schulklasse samt Lehrer Herr Joost (Stephan Grossmann) und sperrt sie in das finstere Verlies einer abgelegenen Burg. Leo und Ben können sich aus den Trümmern befreien und versuchen anschließend ihren Freunden zu helfen und den Verbrechern das Handwerk zu legen, zu denen auch ihre Lehrerin Frau Tuschler (Violetta Schurawlow) gehört. Die Psychopathin will die anstehende Sonnenfinsternis nutzen, um mithilfe der sagenumwobenen Irminsul-Statue zu ewigem Leben zu gelangen und benötigt für das Ritual Menschenopfer…



Auch wenn die Inhaltsbeschreibung von „Allein gegen die Zeit“ reichlich abstrus und abwegig klingt, die Irminsul-Statue gab es immerhin tatsächlich: Sie symbolisierte im frühmittelalterlichen Sachsen die Verbindung zwischen Himmel und Erde. In „Allein gegen die Zeit“ wird sie nun von einer vom ewigen Leben besessenen Sekte zweckentfremdet, die mithilfe der Statue eine Art Portal öffnen will, wenn sich der Mond während einer Sonnenfinsternis vor die Sonne schiebt. So weit, so hanebüchen, doch bei entsprechend selbstironischer Umsetzung könnte diese Prämisse durchaus ihren Reiz entfalten. Das Drehbuchduo Michael Demuth und Ceylan Yildirim (es schrieb auch schon diverse Episoden der TV-Serie) bemüht sich auch um eine Prise Ironie, aber die Humorversuche verpuffen weitgehend. Letztlich prallt hier eine skurril-abgehobene Sci-Fi-Thematik auf ein gar nicht dazu passendes bodenständig-bedrohliches Entführungsszenario. Am Ende ist der tricktechnisch irgendwo in den Neunzigern stecken gebliebene „Allein gegen die Zeit“ weder spannend noch amüsant.

Nachdem die begriffsstutzige Chantal aus den „Fack ju Göhte“-Filmen zur Kultfigur geworden ist, taucht in „Allein gegen die Zeit“ nun eine asozial angehauchte, feinstes Proll-Deutsch sprechende Mandy (Amina Merai) auf, die in allen möglichen Situationen ihren Senf zum Geschehen beisteuert. Doch während wir Jella Haases Chantal vor allem deshalb in unser Herz geschlossen haben, weil sich tief in ihrem Inneren ein sensibles junges Mädchen verbirgt, bleiben Mandy und die anderen jugendlichen Nebenfiguren weitgehend gekünstelt daherkommende Stichwortgeber („Sagen Sie doch mal was, Herr Joost. Sie sind doch hier der Ober-Babo!“). Dazu kommt, dass der permanente Wechsel zwischen den Ermittlungen der Gruppe um Leo und Ben und dem Gefangenenszenario mit dem Rest der Klasse verhindert, dass hier echte Spannung entsteht. Auch die Liebeseskapaden innerhalb der Freundesclique erweisen sich da als störend: Während der 90 Minuten ändert sich der Beziehungsstatus jedes Mitglieds mindestens einmal wie aus dem Nichts. Immerhin zeigen die fünf Hauptakteure souveräne Darstellungen, es ist dem Stammbesetzungsquartett anzumerken, dass es schon seit Jahren zusammenspielt und Neuzugang Stephanie Amarell fügt sich gut in die Gruppe ein. Ganz anders dagegen Violetta Schurawlow („Stadtlandliebe“), die ihrer ohnehin wenig überzeugenden Figur der durchgeknallten Lehrerin mit mechanisch wirkendem Overacting den Todesstoß versetzt.

Fazit: Der Spielfilm zur beliebten Kinder- und Jugendserie „Allein gegen die Zeit“ erreicht trotz der talentierten Jungdarsteller bei weitem nicht den Charme der Vorlage.

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