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Sand Storm
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
4,0
stark
Sand Storm
Von Christoph Petersen
Ihre Mutter arbeitet als Fotografin schon seit zehn Jahren mit den Beduinen im Süden Israels zusammen – und so kam es auch zu der Begegnung, die für die junge Filmemacherin Elite Zexer zum Grundstein ihres Dramas „Sand Storm“ wurde: Auf dem Weg zu ihrer eigenen Hochzeit mit einem Mann, den sie noch nie gesehen hatte, verriet eine junge Braut, dass sie heimlich einen anderen liebe – aber weil sie ihrer Familie und speziell ihrem Vater so nah stehe, wolle sie diese auf keinen Fall enttäuschen. Die 18-Jährige kündigte aber zugleich an: „Für meine Tochter werden die Dinge anders sein!“ Es ist eine ebenso widersprüchliche wie faszinierende Idee, sich selbst den Traditionen und seinem Schicksal zu ergeben, aber trotzdem still für eine bessere Zukunft zu kämpfen – und Zexer erzählt davon in ihrem Spielfilmdebüt mit einer solchen Klarheit und Weisheit, dass es schwer fällt zu glauben, dass die Regisseurin noch nicht einmal 30 Jahre alt ist.

Suliman (Hitham Omari) bringt ihr das Autofahren bei und ist enttäuscht, dass sie in ihrem Examen nur 63 Prozent erreicht hat – da ist es kein Wunder, dass Layla (Lamis Ammar) ihren Vater für sehr viel moderner und aufgeschlossener hält als ihre Mutter Jalila (Ruba Blal), die sich vollkommen ergeben in das traditionelle Leben in dem Beduinendorf einzufügen scheint. Selbst die zweite Frau ihres Mannes begrüßt Jalila mit der von ihr erwarteten Demut – und dazu gehört auch, dass sie das Ehebett für die junge Braut zusammenbaut! Aber als Layla voller Hoffnung auf Verständnis einen Jungen aus einem anderen Dorf mit nach Hause bringt, offenbart ihr Vater sein wahres Gesicht – und die zuvor noch so pragmatische Jalila springt nun mit aller Entschlossenheit für ihre Tochter in die Bresche…

Die Männer treffen die Entscheidungen – und die Frauen müssen sie ausbaden! Immer wieder fragt Jalila ihren Mann: „Was hast du getan?“ Sulimans Antwort ist immer dieselbe: „Ich habe getan, was ich tun musste!“ Und es dauert bis fast zum Ende des Films, bis Jalila endlich entgegnet: „Tust du eigentlich auch mal, was du tun willst?“ „Sand Storm“ ist ein Film über starke Frauen (mit zwei großartigen Hauptdarstellerinnen), der zeigt, dass es auch ein Zeichen von Stärke sein kann, nicht zu rebellieren und sein Schicksal zum Wohl seiner Familie und seiner Kinder hinzunehmen. So gibt es zwar kurz die Hoffnung auf ein waschechtes Happy End, aber damit wäre Zexer der realen Situation kaum gerecht geworden. So begnügt sie sich mit der Überzeugung, dass es von Generation zu Generation immer ein kleines bisschen besser wird – wenn es auch nur in winzigen Trippelschritten vorwärts geht.

Fazit: Kraftvoll, berührend, weise – mit „Sand Storm“ liefert die junge israelische Regisseurin Elite Zexer ein herausragendes Spielfilmdebüt, das beim Sundance Festival 2016 völlig zu Recht mit dem Großen Preis der Jury ausgezeichnet wurde.

Dieser Film läuft im Programm der Berlinale 2016. Eine Übersicht über alle FILMSTARTS-Kritiken von den 66. Internationalen Filmfestspielen in Berlin gibt es HIER.
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