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Office Uprising
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Office Uprising

Blutbad im Büro

Von
Die einsame Hütte im Wald muss sich vorsehen, dass sie ihre Spitzenposition als Lieblingsort des Horrorkinos nicht bald an einen neuen Konkurrenten verliert. Schließlich spielen immer mehr moderne Genrefilme an dem Platz, den die meisten Menschen auf diesem Planeten mehr fürchten als jeden anderen: nämlich im (Großraum-)Büro! In dem von „Guardians Of The Galaxy“-Mastermind James Gunn geschriebenen „The Belko Experiment“ müssen 80 amerikanische Angestellte in einem Hochhauskomplex in Kolumbien gegen ihren Willen an einem „sozialen Experiment“ teilnehmen, als eine Computerstimme ihnen befiehlt, zu töten oder getötet zu werden. In „Mayhem“ von „Knights Of Badassdom“-Regisseur Joe Lynch wiederum ist es ein Virus, der die gerade noch so harmlosen Bürohengste in mordlüsterne Bestien verwandelt. Lin Oeding bietet in „Office Uprising“ nun zwar kaum etwas Neues, was wir in den anderen beiden Büro-Gemetzeln noch nicht gesehen haben. Aber eine solide, ebenso kurzweilige wie blutige Action-Horror-Komödie ist der Film trotzdem.

Desmond (Brenton Thwaites) mag seinen Job in der Buchhaltung des traditionsreichen Waffenkonzerns Ammotech vor allem deshalb so gern, weil er dort kaum mal wirklich arbeiten muss, sondern sich die meiste Zeit einfach so durchmogeln kann, während er heimlich an seinem eigenen Kiffer-Computerspiel bastelt. Aber nun muss er unbedingt und möglichst schnell einen Report für seinen Boss Adam Nusbaum (Zachary Levi) fertigbekommen, weshalb er auch die Motivationsveranstaltung des Firmen-CEO Franklin Gantt (Gregg Henry) auslässt, bei der auch haufenweise Dosen mit einem neuartigen Energy Drink verteilt werden. Als Desmond am nächsten Morgen ins Büro zurückkehrt, fallen ihm die blutverschmierten Wände und übel zugerichteten Leichen zunächst gar nicht auf...


„Office Uprising“ beginnt mit einem „Weapons Of Mass Protection“-TV-Spot für Ammotech, in dem der neue Flammenwerfer des Unternehmens mit einem Vergleich zur ur-amerikanischen Tradition des Barbecues beworben wird. Ein amüsanter Einstieg, der zugleich eine satirische Komponente anteasert, die anschließend allerdings nur noch sehr vereinzelt durchschimmert. Gelungen ist dabei vor allem die (Über-)Zeichnung einiger Abteilungen wie Marketing, Sales und Human Resources, deren typischen Eigenheiten noch besser zur Geltung kommen, wenn die Mitarbeiter erst einmal jegliche Impulskontrolle verloren haben: Die testosterontriefenden Sales-Macker tun alles für einen Abschluss, selbst wenn sie einem potentiellen Kunden dafür die Auslöschung seiner kompletten Familie androhen müssen, während die Marketingleute so sehr auf Krampf kreativ sind, dass ein schwacher Slogan bei der Brainstorming-Runde auch schon mal tödlich enden kann. Wer selbst in einem Konzernbüro arbeitet, dürfte da einiges wiedererkennen.

Davon abgesehen ist „Office Uprising“ aber weniger clevere Horror-Groteske oder gar bissige Splatter-Satire, sondern eher kurzweilige Action-Komödie mit reichlich Kunstblut. Man merkt den Prügelszenen trotz eines offensichtlich nicht allzu hohen Budgets positiv an, dass Lin Oeding seine Karriere einst als Stuntman (unter anderem bei „Last Samurai“ und dem ersten „Fast & Furious“) begonnen hat, bevor er schließlich ins Regiefach (zuletzt „Braven“ mit „Aquaman“-Star Jason Momoa) gewechselt ist. Stärker ins Gewicht fallen die schmalen finanziellen Mittel beim CGI: Gerade die Außenansicht des Bürogebäudes, wenn sich plötzlich metallene Verschläge vor die Fenster schieben und den Komplex so in eine abgeschottete Festung verwandeln, sieht schon arg billig aus. So schlimm ist das aber alles gar nicht, denn da sich der Film selbst nicht sonderlich ernst nimmt und die Schauspieler sichtlich gut aufgelegt agieren, passen solche nicht kaschierten Schwächen sogar ganz gut zum Charme des augenzwinkernd-brutalen Treibens.

Gerade Brenton Thwaites, für den es nach seiner Hauptrolle in „Pirates Of The Caribbean 5: Salazars Rache“ zwar nicht zum großen Hollywood-Durchbruch, aber immerhin zu einer Hauptrolle in der Netflix-DC-Serie „Titans“ gereicht hat, bringt eine angenehm leichte Energie in den Film, während „Shazam!“-Star Zachary Levi („Chuck“) als Büro-Despot, der sich nicht länger mit der Buchhaltung zufrieden gibt, sondern erst die Marketingabteilung und dann die ganze Welt für sich erobern will, eine gehörige Portion Selbstironie einbringt. Das heißt nicht, dass jetzt jede Pointe sitzt, ganz im Gegenteil. Aber „Office Uprising“ ist sympathisch genug, um auch mal ins Leere laufende Gags zu überleben – immerhin hat er einen Protagonisten, der in seiner Freizeit mit seinen Kiffer-Kumpels „Mario Kart“-Cosplay-Einkaufswagenrennen veranstaltet.

Fazit: Kurzweiliges Bierkino für Büromuffel.

Wir haben „Office Uprising“ im Rahmen der Fantasy Filmfest White Nights gesehen.
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