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The Salesman (Forushande)
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2 User-Kritiken

Das Kulturblog
Das Kulturblog

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4,0stark
Veröffentlicht am 09.02.17

Farhadis Film gibt sich zu Beginn betont harmlos. Das Publikum spürt lange nicht, worauf der Regisseur hinaus will. Wir lernen ein Paar aus der Mittelschicht von Teheran kennen. Emad und Rana sind gerade mitten in den Theater-Proben zum „Tod eines Handlungsreisenden„, als sie sich eine neue Wohnung suchen müssen. Der Regisseur versteht es in seiner Exposition sehr geschickt, sowohl das iranische als auch das internationale Publikum zu bedienen. Die wachsende Mittelschicht im Iran fand sich in den Schilderungen des Alltags des jungen Paares offensichtlich so gut wieder, dass der Film im Iran zu einem Kassenhit wurde: „Der Film brach 2016 alle Einspielrekorde, die Menschen standen schon um sechs Uhr morgens vor den Kinos Schlange“, berichtete SPIEGEL Online. Das westliche Festival- und Programmkino-Publikum wird hellhörig, wenn die Schauspieler betont beiläufig, aber ganz ausdrücklich die Zensur im Iran thematisieren. Die erste Szene dominiert ein gewaltiger Riss, der das Wohnhaus der Hauptfiguren bedroht. Im Westen wird dieser Riss natürlich gerne als Metapher für Bruchstellen in der Islamischen Republik Iran gelesen. Erst spät beginnt der eigentliche Plot: Rana (Taraneh Alidoosti) wird von einem Unbekannten unter der Dusche überfallen. Es ist unklar, ob sie vergewaltigt wurde oder sich in der Schrecksituation verletzte. Jedenfalls verliert sie den Halt, sie fühlt sich in der Beziehung mit ihrem Mann nicht mehr wohl, in ihrer Wohnung nicht mehr sicher und kann auch ihren Beruf längere Zeit nicht ausüben. „The Salesman“ entwickelt sich zu einem intensiven Drama, das die Themen Schuld und Vergebung, Rache und Selbstjustiz, Ehre und Sexualmoral verhandelt. Es ist lohnend, sich das anzuschauen.

https://daskulturblog.com/2017/02/07/salesman-iranisches-oscar-nominiertes-drama-um-schuld-rache-und-vergebung/

Kinobengel
Kinobengel

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4,5hervorragend
Veröffentlicht am 07.07.16

Als einer der größten Geschichtenerzähler unserer Zeit wurde Asghar Farhadi auf dem 34. Münchner Filmfest bezeichnet. Sein 2016 entstandener Film „The Salesman“ war mit zwei ausverkauften Vorstellungen im Programm zu sehen und erhielt den ARRI/Osram Award für den besten internationalen Film. Zuvor gab es Auszeichnungen in Cannes für das Drehbuch und den Hauptakteur Shahab Hosseini. Emad (Shahab Hosseini) ist Lehrer und spielt zusammen mit seiner Ehefrau Rana (Taraneh Alidoosti) im Theaterstück „Tod eines Handlungreisenden“ nach Arthur Miller. Aufgrund eines erheblichen Gebäudeschadens müssen die Ehegatten innerhalb der Stadt schleunigst umziehen. Rana wird einige Tage nach dem Bezug der neuen Wohnung überfallen und nimmt vor allem seelischen Schaden. Die Vormieterin soll einen ruchlosen Lebenswandel gehabt haben. Emad möchte der Angelegenheit ohne Einschaltung der Polizei nachgehen. Wie bei seinem Oscar-prämierten Werk „Nader und Simin“ erzählt Farhadi nicht nur eine Geschichte. Er platziert eine Aufgabe, an der sich die Hauptfigur versucht. Der iranische Regisseur wirft Emad und das Publikum in die Unwissenheit, denn der Überfall wird nicht gezeigt. Was sind die Hintergründe? Wem vertraut Emad? Will jemand etwas vertuschen? Auf dem Weg zur Lösung lässt Farhadi die Beobachter vor der Leinwand zum einen miträtseln und zum anderen (mit Rana!) das Verhalten des theaterspielenden Lehrers studieren, um dessen Charakter zu erfahren. Farhadi ist ein wahrer Meister dieser Methode der Verwebung. Mit einem zudem schier unglaublich einwandfreien Gefühl für Timing und real wirkende Handlungsabläufe lässt er auf Aktionen schlüssige Konfliktsituationen entstehen. So entwickelt sich die schon mit Beginn bewegte Story allmählich zu einem Thriller, der weder das Zwischenmenschliche verdrängt noch den (für Deutsche) gebräuchlichen Krimihergang nimmt. Letzteres weil relativ spät entscheidende Rollen eingefügt werden. Alle Figuren lassen einen Blick zu, der jede Empfindung von Künstlichkeit ausschließt. Asghar Farhadi ist eben nicht nur ein grandioser Erzähler, sondern auch ein Meister in der Anleitung von Schauspielern. Besonders der Umgang mit Kindern und Jugendlichen ist vortrefflich gelungen. Farhadi hätte das Theaterstück nicht eingebaut, wenn er keine Parallelen zur eigentlichen Geschichte beabsichtigt hätte. Immer wieder führt der Handlungsstrang zu dem Saal, in dem Emad und Rana als älteres Ehepaar verschiedene Szenen spielen. Es ist für den Zuschauer nicht erforderlich, den Inhalt von „Tod eines Handlungreisenden“ zu erfassen, aber ein vorhergehender Blick auf den Handlungsabriss (vgl. Wikipedia) schadet für den abgerundeten Genuss der grenzenlos scheinenden und doch verständlichen Komplexität von „The Salesman“ nicht. Gleichwohl wird das Gespräch nach der Vorstellung angeregt. Wenn du deinen Lebenspartner leibhaftig kennenlernen möchtest, bringe ihn in eine außergewöhnliche Situation. Dies ist die Hauptbotschaft, die Farhadi mit einem erstaunlich vielschichtigen und spannenden Film an sein Publikum sendet.

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