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The Possession of Hannah Grace
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
1,5
enttäuschend
The Possession of Hannah Grace

Dämonenspuk in der Pathologie

Von
The Possession Of Hannah Grace“ fängt da an, wo andere Besessenheitsfilme aufhören – nämlich ganz am Ende eines mächtig schieflaufenden Exorzismus, der gleich zwei Todesopfer fordert: einen Priester, dessen Schädel vom zackigen Rosenkranz einer an der Wand hängenden Jesusfigur durchbohrt wird, sowie die Teenagerin Hannah Grace (Kirby Johnson), die schließlich von ihrem eigenen Vater (Louis Herthum) mit einem Kissen erstickt wird, bevor der Dämon in ihrem gemarterten Körper noch mehr Unheil anrichten kann. Aber mit diesem Auftakt enden zugleich auch die kreativen Ideen, die das Hollywood-Debüt des niederländischen Thriller-Spezialisten Diederik Van Rooijen („Daglicht“) zu bieten hat. Stattdessen entpuppt sich „The Possession Of Hannah Grace“ als Schocker von der Stange, bei dem man den gesamten Plot bereits nach 15 Minuten durchschaut hat und bei dem einen anschließend noch nicht mal mehr die reichlich eingestreuten Jump Scares aus der sich schnell breitmachenden Lethargie herauszureißen vermögen.

Seit sie den Tod ihres Partners im Einsatz nicht verhindern konnte, ist die Ex-Polizistin Megan Reed (Shay Mitchell) alkohol- und tablettensüchtig. Deshalb kommt ihr das Jobangebot ihrer Anonymen-Alkoholiker-Sponsorin Lisa (Stana Katic) auch gerade recht: Megan soll die Friedhofsschicht in der Pathologie eines Bostoner Krankenhauses übernehmen, wo sie die eintreffenden Toten annehmen, fotografieren und im Leichenschrank verstauen soll. Ihr Plan: Solange sie nachts arbeitet, kommt sie nachts auch nicht auf dumme Gedanken. Aber dann trifft bereits bei ihrer zweiten Schicht der Leichnam der jungen Hannah Grace ein – und die auffälligen Verletzungen an ihrem geschundenen Körper, die darauf hindeuten, dass sie zugleich erschlagen, verbrannt und halb zerhackt wurde, sind nur die erste unheimliche Merkwürdigkeit in einer Nacht, die nicht jeder im Krankenhaus lebend überstehen wird...


Schon vor einigen Jahren sollte Diederik Van Rooijen eigentlich für Universal Pictures ein Remake des Alfred-Hitchcock-Klassikers „Die Vögel“ inszenieren, aber dann hat sich das Projekt noch vor Beginn der Dreharbeiten wieder zerschlagen. Nach seinem wenig Finesse aufweisenden Hollywooddebüt fragen wir uns jetzt aber schon, wie genau Van Rooijen denn damals bitteschön geplant hat, dem Master Of Suspense inszenatorisch das Wasser zu reichen? Denn selbst wenn in „The Possession Of Hannah Grace“ hier und da mal ein wenig Atmosphäre aufkommt, gibt es dafür nur exakt zwei Auslöser: Zum einen Hannah Grace selbst, die dank einem R-Rating (hierzulande FSK ab 16) wirklich grausam zugerichtet aussieht und zudem von der ausgebildeten Kontorsionistin Kirby Johnson verkörpert wird, die sich auch ohne allzu viel CGI-Unterstützung grandios-grotesk verrenken kann. Und dann ist da noch die Tonspur mit ihren konstanten Schlurf-, Schmatz- und Knochenknack-Geräuschen. Vermutlich wäre der Film sogar gruseliger, wenn man ihn sich einfach komplett mit geschlossenen Augen ansehen würde.

Denn was man da sonst noch auf der Leinwand zu sehen bekommt, ist leider ziemlich lieblos und nur selten spannend. Das hat auch damit zu tun, dass das Charakterdrama, in das die Macher den Horror einzubetten versuchen, so überhaupt gar nicht funktioniert: So wirkt der ausgiebige Handlungsstrang rund um Megans Suchterkrankung nicht eine Sekunde lang glaubhaft, was neben den oft peinlich-klischeehaften Dialogen auch an Shay Mitchell selbst liegt: Der „Pretty Little Liars“-Star hinterlässt in seiner ersten Kinofilm-Hauptrolle zumindest keinen bleibenden Eindruck, womit sie aber immer noch überzeugender ist als „Castle“-Ermittlerin Stana Katic, die sich in ihrem Part als AA-Sponsorin als krasse Fehlbesetzung erweist. Zudem soll die Tablettenabhängigkeit der Protagonistin zwischendrin immer wieder dazu genutzt werden, um den unheimlichen Vorkommnissen eine gewisse Ambivalenz zu verleihen: Spielt sich das alles womöglich nur in Megans suchtgepeinigtem Hirn ab? Aber das glaubt der Zuschauer – gerade auch mit dem Wissen aus der Auftaktszene – ohnehin für keinen Moment. Und so bremst auch diese Entscheidung den eh schon müden Möchtegern-Schocker nur noch weiter aus...

Fazit: Ein allein auf der Tonspur überzeugender Dämonen-Reißer, der kaum Spannung geschweige denn Überraschungen zu bieten hat. Wir empfehlen deshalb, sich lieber den thematisch sehr ähnlichen und ebenfalls in der Pathologie angesiedelten, zugleich aber sehr viel besser und intensiver geratenen „The Autopsy Of Jane Doe“ anzusehen.
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