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    Ein verborgenes Leben
    Durchschnitts-Wertung
    3,2
    6 Wertungen - 4 Kritiken
    Verteilung von 4 Kritiken per note
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    4 User-Kritiken

    Kinobengel
    Kinobengel

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    5,0
    Veröffentlicht am 8. Februar 2020
    Terrence Malick hat die Biografie eines Kriegsdienstverweigerers nach eigenem Drehbuch verfilmt. Österreich 1943: Franz Jägerstetter (August Diehl) ist Bauer in dem Bergdorf St. Radegund. Er wird vom Militär einberufen, verweigert jedoch den Eid auf den Führer. Das hat nicht nur für ihn Folgen, auch Ehefrau Fani (Valerie Pachner) muss Anfeindungen der Gemeinde über sich ergehen lassen. Die Werke von Malick trumpfen stets mit poetisch hohem Anspruch und entsprechend kreativer Kameraarbeit auf. Das geht nicht immer gut. Die drei Filme nach „The Tree of Life“ (Goldene Palme 2011) sind bei Publikum und Kritikern nicht gut angekommen. Aber der US-Amerikaner hat das Filmemachen nicht verlernt und wieder ein Meisterwerk abgeliefert. Die Stimmung in St. Radegund ist schlecht und wird nicht besser. „Ein verborgenes Leben“ vermittelt dies akustisch äußerst effektvoll mit schwer tragenden Stücken klassischer Musik, z.B. der Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach. Andere deutsche wie ausländische Komponisten kommen hinzu. Wer sich mit diesen Stücken beschäftigt, wird den Bezug zur Handlung feststellen. Während die Landschaften, die durch häufig wolkenverhangenen Himmel zum negativen Gefühlsgemenge beitragen, mit unbewegter Kamera fotografiert sind, rückt die Linse den Akteuren mit fließend wechselnden Perspektiven und collagenhaftem Schnitt beeindruckend nah. Nicht immer ist die Mimik wichtig, sondern die Tätigkeiten mit Händen oder Beinen. Den Bildern im Breitformat ist anzusehen, dass DOP Jörg Widmer viel mit dem preisüberhäuften Emmanuel Lubezki zusammengearbeitet hat. August Diehl gibt den innerlich zerrissenen Jägerstetter mit unglaublicher Hingabe. Sein Gewissen spricht gegen die Teilnahme an Hitlers Vernichtungswerk. Er weiß, dass er die Verantwortung für Frau und Kinder dadurch vernachlässigt. Die Dorfbewohner begehren aus Überzeugung oder Angst vor dem Regime gegen die zuvor beliebte Familie auf. Malick, der gerne ohne viel Drehbuch arbeitet, erreicht in meisterlicher Weise, dass die Schauspieler in ihren Rollen zu 100 % aufgehen; das ist einer seiner Schwerpunkte bei jeder Produktion. Der Regisseur baut in 174 Minuten mit breiter Erzählweise eine spirituelle Atmosphäre auf, die seinesgleichen sucht. Mit großer Kunst kehrt er die Charaktere nach außen. Die in vielen Einstellungen eingefangene Harmonie der Familie Jägerstetter, herrlich untermalt mit dem Score von James Newton Howard, ist genauso schön mitzuerleben wie erschütternd, je näher es dem Ende zugeht, welches wie der Kreuzgang des Messias zelebriert wird. So wird „Ein verborgenes Leben“ zudem ein wirksamer Antikriegsfilm. Die Inszenierung ist von der ersten Minute an mitreißend für den Zuschauer, der sich auf das Terrence-Malick-Universum einlässt, das alles andere als bloß dokumentarisch ist. Gut Ding braucht Weile: Von den Dreharbeiten im Jahr 2016 bis zur Premiere im Mai 2019 in Cannes hat sich der Kult-Regisseur Zeit für die Fertigstellung genommen. Es hat sich gelohnt.
    Rüdiger Wolff
    Rüdiger Wolff

    User folgen 3 Follower Lies die 62 Kritiken

    3,5
    Veröffentlicht am 18. Februar 2020
    Ein falsch interpretiertes Christentum In einem fast dreistündigen Epos wird die – weitgehend auf historischen Fakten beruhende – tragische Geschichte des Bergbauern Frank Jägerstätter erzählt, der sich im Frühjahr 1943 nach seiner Einberufung zur Wehrmacht weigert, den Treueid auf A. Hitler zu leisten, sofort verhaftet wird und im August 1943 auf dem Schafott hingerichtet wird. Er beruft sich bis zum Ende seines lebens in allem auf sein Gewissen, das ihm verbiete, den Treueid zu leisten und in einem Krieg mit der Waffe zu kämpfen. Die Möglichkeit, als Sanitäter ohne Waffe zu arbeiten, lehnt er ab. Durch die Verweigerung des Treueeides, was als Wehrkraftzersetzung gewertet wird, bringt es seine Familie: seine Frau, seine drei kleinen Kinder, seine Schwägerin und seine alte Mutter in unaussprechliche Schwierigkeiten. Selbst nach Gesprächen mit seinem kath. Priester, seinem Bischof, seinem Anwalt und seinem Richter, die ihm alle raten, den Treueeid zu leisten, womit dann die Anklage zurückgenommen würde, weigert er sich, diesen Schritt zu gehen. Alles in allem wird ein Mann dargestellt, der in seiner Verblendung meint, den Willen Gottes zu tun, wenn er das „Vater-unser“ und Teile des 23. Psalms betet. Weder der Hinweis des Bischofs auf die Bibel (Römer 13:1 ff. „Jedermann unterwerfe sich den übergeordneten staatlichen Mächten, denn es gibt keine Obrigkeit außer von Gott, und die bestehenden sind von Gott verordnet...“) noch die gut gemeinten Ratschläge der offiziellen Personen, die zu Wort kommen, können ihn von seiner starrköpfigen Idee, im Sinne Gottes zu handeln, abbringen. Er hat nicht verstanden, dass aus Gottes Sicht in der Gegenüberstellung zwischen Handeln und Reden, das Handeln wichtiger ist als das Aussprechen eines Satzes, den er im Grunde gar nicht so meint. Der einfach gesprochene Eid, zu dem ihm alle raten, ist in Gottes Augen insofern unwesentlich, zumindest zweitrangig, als dass Gott ihm sein Leben geschenkt hat und er es erhalten will, damit er weiterhin für seine Familie sorgt, auch über das Kriegsende hinaus. Das erlittene persönliche Martyrium ist – verglichen mit dem Schaden in Bezug auf seine Familie - demnach per Saldo die Durchsetzung des eigenen, unbelehrbaren Willens in Verkennung des Willens Gottes – also ein falsch interpretiertes Christentum. Fazit: Sehenswert
    Stefan H.
    Stefan H.

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    5,0
    Veröffentlicht am 19. Februar 2020
    Der Film ist ein Kunstwerk! Eine Schande, dass er bei den wichtigsten Filmpreisen komplett übergangen wurde (schon bei den Nominierungen). Wenn ich sehe, was sonst alles ausgezeichnet wurde!
    Andi
    Andi

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    5,0
    Veröffentlicht am 8. Februar 2020
    Grandioser Kinofilm mit überzeugenden Darstellern, atemberaubend schönen Naturaufnahmen und ergreifenden Szenen über Liebe, Ehrlichkeit, Authentizität, Integrität und Gewissen. Über drei Stunden ein wunderschöner Film aber zugleich auch eine schwere und bedrückende Kost. Alle Darsteller sind hervorragend gut besetzt, Drehbuch, Regie und Kamera einfach perfekt. Besonders gefallen haben mir - neben den Hauptdarstellern - der kurze Auftritt von Bruno Ganz als Richter und Tobias Moretti als Vikar, der nach seiner Rolle als Bösewicht im TV-Film: "Das finstre Tal" nunmehr als Kirchenmann überzeugte. Der Film zeigt sehr anschaulich, wie Anfeindung und Ausgrenzung in einem Dorf langsam aber unerbittlich ihren Lauf nehmen.......und wie schleichend und subtil geistige Brandstiftung vonstatten geht.....besonders gut in der Rolle des Dorf- Bürgermeisters sichtbar......Ein sehr empfehlenswerter und durchaus lehrreicher Film, dem man viele Zuschauer wünscht!
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