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Killing God - Liebe deinen Nächsten
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
2,5
durchschnittlich
Killing God - Liebe deinen Nächsten

Gott lebt (aber nicht mehr lange)

Von
Es gibt nicht viele Zitate, die so berühmt sind, dass sie bei der Wikipedia einen eigenen Eintrag haben. Aber „Gott ist tot“ aus Friedrich Nietzsches Buch „Die fröhliche Wissenschaft“ aus dem Jahr 1872 ist eines davon (ironischerweise gibt es den Eintrag inzwischen in neun Sprachen, aber Deutsch gehört nicht dazu). Gemeint ist die Aussage natürlich in einem bildlichen Sinne, nämlich dass ein Glauben an Gott nach dem Zeitalter der Erleuchtung eigentlich unmöglich geworden ist. An eine ähnlich bildliche Bedeutung denkt man wohl auch, wenn man zum ersten Mal den Filmtitel „Killing God – Liebe deinen Nächsten“ hört (im spanischen Original: „Matar A Dios“ = „Töte Gott“). Aber Pustekuchen! Der Titel der Horror-Groteske der Langfilmdebütanten Caye Casa und Albert Pintó ist absolut wörtlich zu verstehen, wenn der Allmächtige an einem Silvesterabend plötzlich im Haus einer spanischen Familie auf dem stillen Örtchen sitzt.

Carlos (Eduardo Antuña) ist stinksauer, nachdem er auf dem Handy seiner Frau Ana (Itziar Castro) eine SMS von deren Chef entdeckt hat, in der sich dieser bei ihr „für die schönste Nacht seines Lebens“ bedankt. Jetzt muss aber erst einmal das Festmahl für Carlos Bruder Santi (David Pareja) und ihren Vater (Francesc Orella) vorbereitet werden, die sich zum Silvesteressen angekündigt haben. Doch dann ertönen aus dem Bad im ersten Stock plötzlich merkwürdige Geräusche, die sich anhören, als wäre ein Fremder ins Haus eingedrungen. Und tatsächlich: Auf dem Klo sitzt ein bärtiger kleiner Mann (Emilio Gavira), der aussieht wie ein Landstreicher, sich der Familie aber als Gott vorstellt. Aber das ist nicht alles: Am nächsten Morgen soll die Welt untergehen und die vier Silvesterfeiernden sollen gemeinsam entscheiden, welche zwei Menschen als einzige die Apokalypse überleben werden...


„Killing God – Liebe deinen Nächsten“ beginnt mit einer wunderbar atmosphärischen Szene: Ein Vater und seine Tochter fahren in einer nebeligen Nacht eine geschwungene Straße entlang, als sich ihnen plötzlich ein kleiner Mann mit ins Gesicht gezogener Kapuze in den Weg stellt. Im Anschluss an diesen lustmachenden Grusel-Prolog spielt der Rest des Films allerdings ausschließlich im Haus von Carlos und Ana – und das erweist sich wahrlich als perfekter Ort für eine schwarzhumorige Horror-Groteske: Schließlich ist das große Haus mit allerlei kitschigem Ramsch vollgestopft, zu dem unter anderem auch ein ausgestopfter Wildschweinkopf gehört, an dem sich die immer und immer wieder an ihm vorbeifahrende Kamera offenbar gar nicht sattsehen kann. Kameramann Miquel Prohens („Geliebte Schwester“) holt aus dem beschränkten Setting atmosphärisch jedenfalls eine Menge heraus.

In der ersten halben Stunde, bevor dann irgendwann der komische Kauz auf dem Abort hockt, wird in „Killing God“ vor allem gestritten, geflucht und gekeift: Das hätte auch leicht unglaublich nervig werden können, wenn das zentrale Schauspielerquartett nicht so unglaublich gut (und zudem auch noch erstaunlich gut synchronisiert) wäre: Gerade Eduardo Antuña („Torrente 4“) spielt als eifersüchtiger Ehemann mit einer solch spanischen Inbrunst drauflos, dass man an seiner Figur trotz seiner unverhohlenen (und unverdienten) Macho-Attitüde einen großen Spaß hat. Und Emilio Gavira („Blancanieves - Ein Märchen von Schwarz und Weiß“) spielt seinen Vielleicht-Gott-vielleicht-Landstreicher-aber-auf-jeden-Fall-einen-Rotwein-nach-dem-anderen-Charakter mit einem diebischen Spaß an kleinen sadistischen Spitzen gegen die vier Streithähnen am Silvestertisch.

Man könnte beim Schauen von „Killing God“ leicht dem Irrtum erliegen, dass es sich bei dem Film um die Kino-Adaption eines Theaterstücks handelt. Schließlich ist die Handlung größtenteils auf ein Haus beschränkt und es wird auch fast ununterbrochen ohne Punkt und Komma durchgeredet. Aber gerade aufgrund dieser Kammerspielartigkeit würde man auch erwarten, dass nach dem Etablieren der betont-absurden, aber zugleich natürlich unendliche Möglichkeiten eröffnenden Prämisse am Tisch ein gewitzter Schlagabtausch zwischen dem vorgeblichen Gott und den Sterblichen losbricht. Aber nach hintersinnigen Argumenten oder doppelbödigen Dialogen sucht man hier vergebens. Stattdessen wird einfach nur genauso weitergestritten wie vor dem Auftauchen des unerbetenen Gastes. Und die Schlusspointe ist ebenfalls „nur“ okay, haut einen jetzt aber auch nicht unbedingt vom Kinosessel.

Fazit: Stark gespielte, atmosphärisch inszenierte und manchmal richtig schön böse Horror-Groteske, von der man sich aber, gerade weil quasi einfach nur eineinhalb Stunden durchgesabbelt wird, noch sehr viel mehr Cleverness und Biss in den Dialogen gewünscht hätte. 
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