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    2040 - Wir retten die Welt!
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,0
    solide
    2040 - Wir retten die Welt!

    Eine dringend nötige Portion Hoffnung

    Von Karin Jirsak-Biemann
    Der Klimawandel und seine fatalen Folgen sind das Thema der Stunde – und das wird sich dank Fridays for Future & Co. wohl so bald auch nicht ändern. Den im medialen Diskurs vorherrschenden apokalyptischen Untergangsszenarien will der preisgekrönte australische Regisseur Damon Gameau („Voll verzuckert – That Sugar Film“) nun mit seinem neuen Dokumentarfilm eine positive Perspektive entgegensetzen: Als „Übung in faktenbasiertem Träumen“ bezeichnet er seine Herangehensweise – und die besteht in „2040 - Wir retten die Welt!“ im Wesentlichen darin, verschiedene bereits bestehende Lösungsansätze zur Abwendung der vielbeschworenen Horrorszenarien vorzustellen. Die von ihm gewählte narrative Form unterstreicht zwar glaubhaft, wie sehr ihm persönlich das Thema zu Herzen geht, hat zugleich aber auch den Nachteil, dass die Themenauswahl teils etwas willkürlich wirkt.

    Als Vater will Damon Gameau seiner vierjährigen Tochter Velvet eine lebenswerte Zukunft ermöglichen. Also macht er sich mit seinem Kamerateam auf die Suche nach bereits existierenden Lösungsmöglichkeiten für die derzeit drängendsten Probleme der Welt, allen voran den globalen Klimawandel. Dazu spricht er mit Experten, die innovative Ideen etwa in den Bereichen nachhaltige Landwirtschaft, Solarenergie und Personenverkehr entwickelt und teils auch schon verwirklicht haben. So entwirft er in Form eines filmischen Briefs an seine Tochter eine optimistische Zukunftsvision für das Jahr 2040…

    Zu Beginn pflanzt Damon Gameau mit seiner Tochter einen Baum...


    Gerade als Elternteil eines kleinen Kindes verbietet es sich, mit der von Politik und Wirtschaft seit Beginn des industriellen Zeitalters vorgelebten Nach-uns-die-Sintflut-Mentalität auf den drohenden (Klima-)Kollaps zu reagieren. Weil er mit seinem Leinwand-Appell an den gesunden Menschenverstand aber nicht nur auf einer rationalen, sondern auch auf einer emotionalen Ebene zum Publikum vorstoßen will, ist es schon legitim, dass Gameau seine Sammlung von Lösungsansätzen erzählerisch sehr stark an seine Rolle als Vater einer vierjährigen Tochter anbindet. Allerdings spielt sich seine persönliche Perspektive dabei manchmal aber auch zu sehr in den Vordergrund.

    Zu Beginn des Films sehen wir den Filmemacher und Schauspieler zusammen mit der kleinen Velvet, die von dem drohenden Unheil der Welt natürlich noch nichts ahnt, im strahlenden Sonnenschein einen Baum pflanzen. Das perfekte Idyll, so scheint es. Doch die friedliche Blase des Noch-nicht-Wissens wird platzen, so wie sie bei vielen anderen, teils nur ein paar Jahre älteren Kindern bereits geplatzt ist – weshalb man sie an manchen Tagen eben nicht mehr in der Schule, sondern auf den Straßen antrifft, um die Politik davon zu überzeugen, dass es höchste Zeit ist zu handeln, wenn ihre Generation auf diesem Planeten noch eine Zukunft haben soll.

    ... um sich anschließend an verschiedenen Orten der Welt nach möglichen Lösungsstrategien umzusehen.


    Und weil es eben vor allem die Kinder sind, die von den drohenden Problemen betroffen sein werden, präsentiert Gameau zunächst einmal die Stimmen derjenigen, die er hier als die „Re-Generation“ bezeichnet: Fast 100 Kinder im Alter von sechs bis elf Jahren hat er befragt, wie sie sich eine lebenswerte Zukunft vorstellen. Mit ihren Statements und Wünschen (die im Wortlaut allerdings manchmal etwas geskriptet anmuten) beginnt seine Entdeckungsreise. Die wirkt insgesamt etwas willkürlich strukturiert, fördert aber durchaus einige spannende Ansätze zutage. So stößt er etwa auf ein kommunales Modell der geteilten Solarzellenversorgung, das in Bangladesch bereits erfolgreich genutzt wird. Er spricht mit dem australischen Farmer Colin Seis über eine von ihm erfundene Methode des nachhaltigen Ackerbaus und fördert im Gespräch mit dem Forscher Dr. Brian von Herzen das erstaunliche Potential zutage, die eine scheinbar einfache Pflanze wie das Seegras in Bezug auf die Regeneration unseres Planeten haben könnte.

    Bei einigen anderen Themen geht Gameau allerdings nicht genug in die Tiefe, um einen wirklichen Erkenntniswert zu erzeugen. So hechelt er etwa am Ende noch kurz das Thema Gender-Gleichberechtigung in Sachen Bildung durch, was sich allerdings in dem frommen Wunsch erschöpft, dass jedes Mädchen auf der Welt die Möglichkeit einer zukunftstragenden Ausbildung haben sollte. Wie das zu erreichen ist und worin genau die Verbindung zu seinem Ausgangsthema liegt (abgesehen davon, dass er jedem Kind auf der Welt dieselben Chancen wie seiner eigenen Tochter wünscht), wird dabei nicht erkennbar. Das fällt allerdings weniger störend ins Gewicht als die mit weichgezeichneten Bildern und ausladender Musik gefütterte Ästhetik des Films, die manchmal fast schon an Ökostrom-Werbespots erinnert und so von den eigentlich wichtigen Inhalten ablenkt.

    Fazit: Es ist ein sinnvoller, begrüßenswerter Ansatz, den derzeitigen Weltuntergangsszenarien statt (angebrachte) Panikmache auch mal eine optimistische Vision entgegenzusetzen. In seiner sehr persönlichen Herangehensweise an die unterschiedlichsten ökologischen und sozialen Themen bleibt Regisseur Damon Gameau dann aber doch teils zu sehr an der Oberfläche.

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