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Men in Black 2
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,0
solide
Men in Black 2
Von Johannes Pietsch
Ausgerechnet der Deutsche Roland Emmerich war es, der anno 1996 mit "Independence Day" eine Neuauflage außerirdischer Invasions-Paranoia im Stil der 50er Jahre auf die Leinwand brachte und damit kurzfristig für eine gewisse Renaissance des Science Fiction alter Schule sorgte. Nur ein Jahr später zog Genre-Jongleur Barry Sonnenfeld, Regisseur der mittelschwer durchgeknallten "Addams Familiy", das Science-Fiction-Comeback respektlos auf Links: "Men in Black" verquirlte Alien-Paranoia, postmoderne Akte-X-Mythologie, altbekannte Motive des Buddy-Movies und eine Breitseite Persiflagen auf bekannte Vorbilder des Genres mit aufwendiger Tricktechnik zu einem äußerst zweckmäßigen, aber höchst vergnüglichen Blockbuster-Sammelsurium.

Die Außerirdischen, so wollte es das leicht verrückt-anarchische Spectaculum von "Men in Black" uns glauben machen, leben nämlich seit 1961 als Einwanderer auf unserem Planeten. Genehmigt, geregelt und überwacht wird das für den Großteil der terranischen Bevölkerung unerkannte außerirdische Treiben von den Men in Black, einer Behörde ultracool angezogener und auftretender Geheimagenten. Als tiefschwarz gewandetes und sonnenbrillen-drapiertes Buddy-Gespann sorgten Tommy Lee Jones und Will Smith sowohl für zermatschte Weltraum-Monster als auch für diverse gekonnt pointierte Einzeiler - Will Smith konnte damit der Devise seiner Hauptrolle aus "Independence Day", "ET in den Arsch zu treten", treu bleiben - nur dass er das unter der Regie von Barry Sonnenfeld wesentlich relaxter und ironischer tat als in der platt hurrapatriotischen Welterrettungs-Story Roland Emmerichs. Mit weltweit eingespielten 587 Millionen Dollar avancierte "Men in Black" mit Abstand zum erfolgreichsten Film des Jahres 1997. Ungewöhnlich lange ließ sich das "MIB"-Team um Regisseur Sonnenfeld Zeit, um nach dem fulminanten - und von vielen in dieser Höhe nicht erwarteten - Kassenerfolg die Alien-Agenten ein zweites Mal zum Halali auf unartige Space-Imigranten blasen zu lassen. Zwischenzeitlich hatte Sonnenfeld versucht, in "Wild Wild West" die „Men in Black“-Thematik mit umgekehrten Vorzeichen im wilden Westen zu platzieren, diesmal mit Smith in der Rolle des wortkargen Draufgängers und Kevin Kline als Quasselstrippe - mit recht dürftigem Resultat!

An der Grobkonstruktion des Plots, zusammengeschrieben von Robert Gordon ("Galaxy Quest") und Barry Fanaro ("Kingpin") , hat sich im "Men in Black"-Sequel nichts Wesentliches geändert. Wieder wird die halbwegs friedliche Koexistenz von Menschen und Aliens auf dem Heimatplaneten der Gattung Homo Sapiens von einer übellaunigen extraterrestrischen Kreatur bedroht. Nach der überdimensionalen Küchenschabe aus Teil eins hat es diesmal ein ganz besonders heimtückisches Weltraum-Biest auf die Erde verschlagen: Serleena, eine ultrabösartige, fleischfressende Kreuzung aus Artischocke und Venusfliegenfalle, die schon seit geraumer Zeit auf der Suche nach einem geheimnisvollen Kultobjekt eine Spur der Verwüstung durch die Galaxis zieht und die nach ihrer Ankunft auf der Erde zwecks ausnehmend erotischer Tarnung die verführerische Gestalt eines Dessousmodels mit dem Körper von Lara Flynn Boyle annimmt. Was es mit dem von ihr gesuchten Wertgegenstand auf sich hat, der zunächst nur als "the light" bezeichnet wird und dem unerhörte Kräfte zugeschrieben werden, wird im Intro des Films in einer wunderschön nostalgischen und auf Altmodisch getrimmten Sequenz von "Mysteries unsolved" gezeigt, einer fiktiven TV-Serie, die von den Taten der "Men in Black" berichtet, garniert mit fliegenden Untertassen an Drähten und herrlich albernen Alien-Darstellerin in Gummianzügen sowie moderiert von Peter Graves, dem Jim-Phelps-Darsteller der klassischen TV-Serie "Mission Impossible".

Nach einer fulminanten Eröffnungssequenz, in der Agent Jay sich in den U-Bahn-Schächten des Big Apple mit einem äußerst renitenten Alien namens Jeff herumprügeln muss und die lustvoll sowohl Emmerichs "Godzilla" als auch de Bonts "Speed" auf die quadratkilometergroße Schippe nimmt, muss sich der inzwischen zum Top-Agenten aufgestiegen Jay mit der wie in Teil eins planetenbedrohenden außerirdischen Invasorin herumschlagen, die alles daran setzt, den mysteriösen Gegenstand namens "the light" in ihren Besitz zu bringen und dabei noch nicht einmal vor einer Geiselnahme des kompletten Personals in der ultrageheimen MIB-Zentrale zurückschreckt. Dumm für die Agenten, dass die Information über das von beiden Seiten gesuchte Objekt der Begierde ausgerechnet in den Hirnwindungen des vor fünf Jahren aus dem Dienst ausgeschiedenen Agenten Kay alias Tommy Lee Jones begraben liegt, dessen Erinnerung an das Men-in-Black-Dasein bekanntermaßen entsprechend den Vorschriften der Alien-Behörde per Geblitztdingstwerden gelöscht wurde. Doch dieses etwas holperige Plotkonstrukt hat ohnehin nur den einen Zweck, Agent Kay wieder ins Match gegen den Abschaum des Universums zu bringen, ohne dessen lakonische Coolness Will Smith' Auftritte ohnehin kaum die Hälfte wert sind.

Überhaupt lebte der erste "Men in Black" weniger von den phantasievollen Alien-Kreationen Rick Bakers oder dem hemdsärmeligen Story-Nichts als viel mehr von dem perfekten Ensemblezusammenspiel des quirligen Smith und des wortkargen, abgebrühten Jones. Das funktioniert auch in Teil zwei nach wie vor bestens, diesmal in Nuancen dadurch abgewandelt, dass sich Agent Jay einerseits durch die jahrelange Routine einige Eigenschaften seines einstigen Partners zueigen gemacht hat (Anna Freud und die Identifikation lassen grüßen), zum anderen, weil die Reaktivierung von Kays Gedächtnis auf Grund widriger Umstände ein wenig auf sich warten lässt und der ehemalige Top-Agent der Men in Black so lange mit dem Bewusstsein und der Erinnerung eines spießigen Postbediensteten plan- und fassungslos durch das turbulente Alientreiben stolpert. Erst als Kay nach einer reichlich chaotischen Tour de Force durch diverse Plotklippen und einige Gag-Untiefen sein Bewusstsein als Geheimagent in Diensten intergalaktischer Sicherheit und Ordnung wiedererlangt, können Smith'n'Jones ihr markant ironisches Pas de Deux als Sonnenbrillen-Dreamteam gegen die zusammengerottete interstellare Höllenbrut diesseits des Andromedanebels wieder aufnehmen.

"Men in Black 2" ist wie sein Vorgänger ein fröhliches, schwungvolles und lärmendes Nichts mit großer Liebe zu gefälligem Design. Innovatives findet sich hier noch weniger als im ersten Teil. Das Wenige, das 1997 noch als witzig und neuartig überraschte, wie das Alien-Szenario allgemein, die Organisation der Men in Black, ihre zahlreichen außerirdischen Mitarbeiter, ihre unterirdische Kommandozentrale und vor allem - natürlich - ihr endcooles Outfit, das wirkt jetzt geradezu familiär und vertraut. Die Gags sind nicht besser und nicht schlechter als 1997, allerdings schwächelt "Men in Black 2" hinsichtlich seines dynamischen Hauptdarsteller-Duos ein wenig auf der breiten Kalauerbrust: Einerseits lässt die Rückkehr Kays in sein angestammtes Rollenprofil zu lange auf sich warten, zum anderen vergeben Sonnenfeld, Gordon und Fanaro Potential zu so manchem zünftigen Kalauer, indem sie viel zu wenig Kays vorübergehende Tätigkeit als Postbediensteter und die daraus resultierenden Berufsgewohnheiten miteinfließen lassen. Wirklich gelungen sind unter anderem das Cameo von Michael Jackson sowie die Entdeckung, die Agent Jay beim Öffnen eines seit Jahren verschlossenen Schließfaches in einem Großstadtbahnhof macht.

Tricktechnisch lässt "Men in Black 2" - immerhin 150 Millionen Dollar teuer - vor allem durch Rick Bakers Kreationen wie nicht anders zu erwarten kaum Wünsche offen. Johnny Knoxville darf sich da als extraterrestrischer siamesischer Zwilling Charlie und Scrad hübsch doppelköpfig animiert mit sich selbst unterhalten, während Jays Teilzeit-Sidekick Frank, ein unaufhörlich plapperndes Mops-Alien, in einer zum Brüllen komischen Szene während einer Autofahrt "I will survive" anstimmt. Wieder mit dabei sind die Worm Guys aus Teil eins, denen diesmal eine tragende und zum Schluss beinahe sogar kriegsentscheidende Rolle zugestanden wird, sowie Tony Shalhoub als außerirdischer Pfandleiher Jeebs.

Mit seinen ungewöhnlich knappen 89 Minuten ist "Men in Black" ein kurzweiliger, aber wie sein Vorgänger kaum sonderlich lange in Erinnerung haftender Kino-Happen, eine launige, schräge, aber an keiner Stelle wirklich bissige Science-Comedy-Action, die wieder scheinbar unvereinbare Genres zu knallbunter Popcorn-Unterhaltung verquirlt. Barry Sonnenfeld marodiert dabei erneut respektlos durch die Filmhistorie, montiert seine Versatzstücke aber mit so liebenswertem Augenzwinkern, dass im Gegensatz zu "Wild Wild West" kein saurer Nachgeschmack zurückbleibt. Die ausufernde Detailverliebtheit und die Schauwerte an Aliens und Effekten vermögen dabei gekonnt über so manche Schwäche des Gesamtkonzepts hinwegzutäuschen. Wie hintergründige Science-Fiction-Persiflage dagegen tatsächlich aussieht, das bleibt nach wie vor einem Tim Burton mit Filmen wie "Mars Attacks!" vorbehalten.
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