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    Unsere Ozeane
    Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
    3,5
    gut
    Unsere Ozeane
    Von Stefan Ludwig
    Der Weltklimagipfel in Kopenhagen ist gescheitert. Die bloße Absichtserklärung zu neuen Verhandlungen führt vor Augen, wie verfahren die globale Situation ist. Industrieländer und Schwellenländer kämpfen um ihre Emissionsrechte, während die globale Durchschnittstemperatur seit Anfang des vergangenen Jahrhunderts um fast ein Grad Celsius angestiegen ist. Mit der Dokumentation „Unsere Ozeane“ versuchen die Regisseure Jacques Perrin und Jacques Cluzaud, das Bewusstsein für die Bedeutung von Umwelt und Natur zu schärfen. Sie zeigen in eindrucksvollen Bildern die Schönheit der Meere und seiner Bewohner und gleichzeitig erinnern sie den Menschen an seine Verantwortung für ihren Erhalt.

    Vier Jahre dauerten die Dreharbeiten für „Unsere Ozeane“. Die Filmemacher widmeten sie den Kreaturen des Meeres in all ihren Facetten: Krebse, die ihren Körper in Muscheln verstecken; Möwen, die sich im atemberaubenden Sturzflug auf einen Fischschwarm stürzen; Buckelwale, die das Wasser mit ihrem gewaltigen Schlund nach Plankton durchsieben. Die Mischung aus Wissensvermittlung und beeindruckenden Schauwerten ist nahezu perfekt. Dank des zurückhaltenden Kommentars kann der Zuschauer vollständig in die faszinierende Welt eintauchen und wird lediglich im nötigen Maße abgelenkt.

    Ein verschmerzbarer Wermutstropfen sind die Auftritte des Regisseurs Jaques Perrin als Opa, der mit seinem Enkelsohn durch eine Halle mit Überresten ausgestorbener Tierarten schreitet. Einerseits ist die Symbolik zutreffend gewählt, andererseits wirken die Szenen stets eine Spur zu pathetisch. Überzeugender im Sinne der aufklärerischen Moral gelingen all jene Szenen, in denen die Zerstörung der Natur unmittelbar dargestellt wird: Eine Robbe schwimmt über einen vollgemüllten Meeresgrund und stößt dabei auf einen verrosteten Einkaufswagen, Delphine verfangen sich unbeabsichtigt in den Netzen der Fischer und verenden qualvoll.

    Obgleich die Namensähnlichkeit und auch der Trailer eine enge Verwandschaft mit dem aufwändigen BBC-Epos „Unsere Erde“ suggerieren, haben die Werke bis auf ihr Grundthema Natur wenig miteinander gemein. Und doch sind sie beide Teil der Rückkehr von Walt Disney zum Tier- und Naturfilm. Mit dem auf ebendieses Genre spezialisierten neugegründeten Hauslabel Disneynature soll auf zeitgemäße Weise an die Pionierleistungen aus der eigenen Firmengeschichte mit oscargekrönten Klassikern wie „Die Wüste lebt“, „Wunder der Prärie“ und „Weiße Wildnis“ angeknüpft werden. Disneynature brachte Unsere Erde – Der Film in die amerikanischen Kinos und ist nun an „Unsere Ozeane“ genauso beteiligt wie an Das Geheimnis der Flamingos. Weitere vier Produktionen über Raubkatzen, Gorillas, Orang-Utans sowie über die sprichwörtlichen Bienen und Blumen sind bereits angekündigt.

    Zynische Kritiker könnten den Strategen des Micky-Maus-Konzerns vorwerfen, dass sie das hochaktuelle Thema Umwelt letztlich nur ausschlachten, um noch mehr Profit zu machen und gleichsam nebenbei das Markenimage aufzupolieren. Doch nahezu jeder halbwegs ernst gemeinte Versuch, Menschen für die Umwelt zu sensibilisieren, ist in unseren Zeiten widerstrebender Interessen und kurzsichtiger Politik zu begrüßen. Mit „Unsere Ozeane“ gelingt es den beiden französischen Regisseuren jedenfalls, ein glaubhaftes Interesse an der Verbesserung der Lebensbedingungen der Meeresbewohner zu vermitteln und ihre visuell überwätigenden Aufnahmen dürften darüber hinaus so manchem Zuschauer eine Gänsehaut bereiten. Perrin und Clouzaud verleihen nicht nur bekannten Bildern wie den majestätisch springenden Delphinen eine ganz neue, berückende Wirkung, sondern ergänzen sie mit noch nie gesehenen Aufnahmen bisher unbekannter Tiere und geben noch eine richtig dosierte Prise lehrreicher Information und aufklärerischen Engagements hinzu.
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