Die X-Men fristen ja nach wie vor ein Schattendasein abseits des großen Marvel Cinematic Universe, in „Doctor Strange 2“ gab es immerhin ein kurzes Multiversums-Crossover mit Prof. Xavier, das war’s dann aber auch schon. Im Trailer zu „Avengers: Doomsday“ wird dann aber ziemlich direkt angeteasert, dass die X-Men dann endlich nach 26 Jahren doch noch mit dem MCU zusammengeführt werden, da freu ich mich jetzt schon drauf. Aber auch die „alten“ X-Men sind nicht so schlecht, wie ihr Ruf. Zwar fehlt den X-Men die unterhaltsame Leichtigkeit und die stets vorhandenen humoristischen Untertöne der MCU-Filme, dennoch weiß der Film durchaus zu unterhalten. Es gibt einige interessante Figuren mit eindrucksvollen Superkräften und wir lernen Wolverine, den heimlichen Star der X-Men kennen – immerhin bekommt er im Verlauf drei Solo-Filme spendiert, mehr als die meisten anderen Marvel-Figuren.
Dien Geschichte an sich ist interessant und hat mit Ian McKellen als der klassische Antagonist aus den Comics, Magneto auch einen starken, charismatischen Antagonisten. Die Action ist ordentlich, der CGI merkt man natürlich an, dass sie 26 Jahre alt ist, das geht aber alles voll in Ordnung. Der immer großartige Patrick Stewart hat relativ wenig Screentime, sein Cerebro-Helm sieht auch ziemlich bekloppt aus, dennoch funktioniert er als Vaterfigur, Mentor und Leiter der Mutantenschule ganz hervorragend. Die ikonische Figur des Wolverine ist mit Hugh Jackman optimal besetzt, er verleiht ihr perfekt die nötige physische Körperlichkeit. Seine Haartracht ist sicherlich etwas, naja, gewöhnungsbedürftig, aber eng an die Comicvorlage angelehnt. Famke Janssen hat hier relativ wenig zu tun, spielt ihre Jean Grey aber überzeugend, in den beiden nächsten Teilen wird sie eine gewichtigere Rolle bekommen. Anna Paquin spielt ihre Rogue mit der perfekten Mischung aus Verletzlichkeit und bissig-wütender Teenager-Attitüde und gibt dem Film auch eine schöne Coming-of-Age-Sidequest. Halle Berry hingegen passt so gar nicht in die Rolle von Storm und wirkt die ganze Zeit auch ziemlich gelangweilt. James Marsden hat dann noch die unbequemste Rolle von allen bekommen, sein Cyclops hat einen dermaßen großen Stock im Arsch, niemand will ihn gernhaben. Von Rebecca Romijn als die ikonische Mystique sieht man hingegen nicht viel, da sie entweder als Formwandler eh gerade jemand anders ist, oder in einem wilden, hautengen, blauen Latexkostüm mit gelben Augen steckt.
FAZIT: Ein gelungener Auftakt für die ungeliebten Stiefkinder des MCU, prominent besetzt und mit einer interessanten Story. Die Action sieht gut aus, die Charakterentwicklungen (hauptsächlich zentriert auf Wolverine und Rogue) sind nachvollziehbar und glaubhaft. Für alle Marvel- und Superheldenfans auf jeden Fall eine klare Empfehlung. Wer ansonsten mit dem MCU nicht viel anfangen kann, könnte entweder an den X-Men die etwas ernstere und weniger spaßige Gangart mögen oder den Film genauso ablehnen wie andere Superheldenfilme.