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4.5 - Großartig
Mir hat der Film extrem gut gefallen, da er in KEINER Weise die leicht naiven Gerechtigkeitsambitionen der drei Protagonisten positiv hervorhebt. Er stellt unentschlossene Sozialrevolutionäre, die gute und moralisch wertvolle Ansätze haben, an den durch ihre ideologische Sichtweise selbst auferlegten Regeln (Gerechtigkeit,...) aber immer wieder verzweifeln, gegen den erfolgreichen Kapitalisten, der sich urplötzlich mit seiner eigenen Jugend konfrontiert sieht und seine Lebensweise zwangsläufig überdenken muss, gegenüber. Dabei wirkt der Verlauf und das Ende keinesfalls wertend. Es wirkt eher tragisch und zeigt auf gefühlvolle Weise auf, wie hoffnungslos die Aussichten heutzutage sind auf eine friedliche Revolution oder "Weltverbesserung", wie sie die Protagonisten anstreben. Jeder junge Erwachsene hat das Bedürftnis, gegen die bestehenden Verhältnisse zu rebellieren. Aber was in den 70ern zumindest noch mittelfristig funktionierte und die Welt zumindest theoretisch auf die finale Stufe der Aufklärung hievte (Emanzipation, sexuelle Revolution, Friedensbewegungen), ist heute kaum mehr möglich. Wo gibt es heute noch große Studentenproteste, wo geht die Abgrenzung zur älteren Generation über den anderen Musikgeschmack hinaus? Wie (pseudo)revolutionär ist es überhaupt noch, einen Che Guevara-Kopf auf dem T-Shirt zu haben? Zählt am Ende das Ideal, oder doch eher das Geld, was man braucht, um nicht Hartz4-Empfänger zu werden?
Der Film präsentiert Klischees, aber indem er sie gegeneinander ausspielt, macht er deutlich, wie hoffnungslos es ist, im 21. Jahrhundert von einer gerechten Welt zu träumen. Dass man es wie die drei Freunde dennoch macht, macht sie allerdings sehr sympathisch. Und so müssen sie auch erkennen, dass ihr eigentlicher Klassenfeind in Wirklichkeit lediglich die Hoffnung in seine alten Ideale verloren hat...auf der Suche nach Sicherheit und Erfolg nach seinen "wilden Jahren".
"Die fetten Jahre sind vorbei" ist ein Appell zur Kommunikation und Verständigung zwischen den Generationen. Wer auch äußerlich so unterschiedlich erscheint, tickt in Wirklichkeit vielleicht genau gleich. Und vielleicht lässt sich so ja doch etwas erreichen...wenn Jung und Alt sich an einen Tisch setzen.
Hinzugefügt am 15.07.2008 um 01:44 Uhr
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