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Dirty Harry 2 - Callahan
Kritik der FILMSTARTS-Redaktion
3,5
gut
Dirty Harry 2 - Callahan
Von Martin Soyka
Es gibt eine ganze Reihe von Schauspielern, die so sehr mit ihrer Paraderolle identifiziert werden, dass es unmöglich erscheint, diese mit einem anderen Darsteller zu besetzen. Zum Beispiel kann es nur einen John McClane (Bruce Willis) geben. Oder einen Rick Blaine (Humphrey Bogart). Aber es gibt nur sehr wenige Schauspieler, die dieses Kunststück zwei Mal fertig gebracht haben. Aus der jüngeren Filmgeschichte ist da zum einen Harrison Ford zu nennen, der untrennbar mit Han Solo aus den „Star Wars“-Filmen und mit Indiana Jones verbunden ist. Der andere ist Clint Eastwood. Er wird zum einen mit dem namenlosen Pistolero aus Sergio Leones „Dollar“-Trilogie assoziiert, desweiteren mit dem harten Polizisten schlechthin: Harry Callahan, genannt „Dirty Harry“. Nach dem großen finanziellen Erfolg des kontrovers diskutierten Originalfilms folgte 1973 das Sequel, diesmal jedoch nicht von Großmeister Don Siegel, sondern von Ted Post, einem TV-Regisseur und Spezi von Eastwood.

Im letzten Bild des Vorgängerfilms hatte Callahan (Clint Eastwood) zwar sein Abzeichen angewidert weggeworfen, jetzt trägt er es wieder. Und das ist auch dringend nötig, denn eine Mordserie hält San Francisco in Atem: Ein Unbekannter verübt in der Aufmachung einer Motorradstreife der Polizei brutale Selbstjustiz. Mobster, Zuhälter und sonstige Dunkelmänner, die sich dem juristischen Zugriff der Polizei und Gerichte entziehen, werden von ihm hingerichtet und alle, die zufällig dabei sind, gleich mit. Callahan kann aber erst mal gar nichts tun, ist er doch von seinem verhassten Vorgesetzten Briggs (Hal Holbrock) in eine Abteilung versetzt worden, in der er nichts Schlimmes anrichten kann. Dennoch nimmt er die Fährte des Vigilanten auf. Zunächst noch auf dem falschen Gleis, fällt Callahan schließlich eine Gruppe junger Motorrad-Polizisten auf, die ihn mit ihren Schießkünsten beeindrucken (unter ihnen: David Soul, „Starsky & Hutch“, und Robert Urich, „Vega$“ und „Spenser: For Hire“). Callahan kommt ein mörderischer Verdacht….

Das Sequel zum Klassiker „Dirty Harry“ kommt im Hinblick auf die Story und ihre Brisanz nicht an den Vorgänger heran. Dort war es um ein Thema gegangen, welches die amerikanische (und deutsche) Justiz immer wieder beschäftigt: Rettungsfolter. Ist es zulässig, einem Straftäter Gewalt anzutun, um einen in Lebensgefahr befindlichen Menschen zu retten? Mit einem so heißen Thema kann der Folgefilm nicht aufwarten, denn zu keinem Zeitpunkt steht außer Frage, dass Harry Callahan Selbstjustiz nicht billigt. So reduziert sich die Fragestellung des Films auf den allgemeinen Standard: Wird der Gute die Bösen erkennen und sie zur Strecke bringen? Die Umsetzung wiederum gelingt spannend und gut konsumierbar.

Am Drehbuch wirkten Michael Cimino (Im Jahr des Drachen) und John Milius (Conan - Der Barbar, Die rote Flut) mit. Sie übernahmen aus dem Vorgänger die Technik, nicht immer starr an der Haupthandlung zu kleben, sondern Callahan das eine oder andere Seitenabenteuer erleben zu lassen. Ging es im ersten Teil unter anderem um einen Selbstmörder, den Harry auf seine Art vom tödlichen Sprung vom Dach abhält, bekommt er es jetzt zufällig mit Flugzeugentführern und Kaufhausräubern zu tun. Das sorgt für Abwechslung und gibt einen Grund für die eine oder andere ordentliche Schießerei. Und die will man ja auch sehen, huldigt der Film buchstäblich vom ersten Bild an des Amerikaners liebstem Kind: der Feuerwaffe.

Die Hauptfigur wird nicht wesentlich weiterentwickelt. Wirkte Callahan im ersten Film noch so, als habe er mit dem System, dem er notgedrungen dient, abgeschlossen, wird eben dieses System nun von ihm als kleinstes Übel mit allen Mitteln verteidigt. Das geht aber auch nicht wirklich anders, denn ansonsten hätte sich Harry den Bösen anschließen müssen. Dass er dies nicht tut, steht für ihn in jeder Lage des Films außer Frage. Hier hätte man mehr innere Spannung herauskitzeln können: Verfolgen die Bösewichter im Film nicht Ziele, die denen von Callahan nicht sehr ähnlich sind? Könnte er sich ihnen nicht anschließen? Schließlich erklärt er gegenüber seinem Vorgesetzten vollmundig: „Wenn die richtigen Leute getroffen werden, ist gegen den Gebrauch der Schusswaffe nichts einzuwenden.“ Auf diese schiefe charakterliche Ebene begibt sich der Film nicht, offenbar aus Angst, den Zuschauer endgültig zu verschrecken. Abgesehen davon bekommt Harry den einen oder anderen (unnützen) Love Interest zur Seite gestellt, ist er doch Witwer. Diese Zweige der Geschichte führen aber nirgendwo hin, außer mitunter in die Horinzontale, und sind damit verzichtbar. Aber hey, es ist das San Francisco der frühen Siebziger. Da ging halt was.

Harry verschleißt auch dieses Mal wieder einen Partner. Im Laufe der fünf „Dirty Harry“-Filme wird er immer wieder neue Partner bekommen, die es aber nie wirklich bis zum Ende des jeweiligen Films schaffen. Der Political Correctness geschuldet, entstammen diese immer wieder neuen Bevölkerungsschichten und Geschlechtern, aber richtig glücklich wird keiner der Mitstreiter mit seinem Job. Weniger schön ist die latent antihomosexuelle Tendenz, die angedeutet wird, mag Callahan auch der Auffassung sein, dass in Anbetracht der Schießkünste der jungen Kollegen seinetwegen das ganze Departement schwul sein könnte.

Die Musik stammt wieder vom legendären Lalo Schifrin (Mission: Impossible), mag das musikalische Thema auch nicht ganz so prominent sein, wie man es erwarten möchte. Trotzdem gibt die Musik dem Film etwas Cooles und unterstreicht die Spannung. Und die ist trotz aller Beanstandungen vorhanden, so dass sich der Streifen von den üblichen Genrevertretern abhebt. Außerdem ist es ein Genuss, Clint Eastwood in seiner Paraderolle zu sehen. Cool, abgeklärt und stets Herr der Lage. Da ist es zu verschmerzen, dass Harry nicht wirklich dreidimensional wirkt. Eastwood äußerte später in einem Interview, dass das Ziel seiner Polizeifilme sei, dem hart arbeitenden Zuschauer in seiner Freizeit das zu bieten, was er sehen will: eine ordentliche Schießerei. Gemessen daran ist das Klassenziel voll erreicht worden. Und dass sich der Film auch nach 35 Jahren immer noch mit Spannung und Gewinn ansehen lässt, kann man über die meisten Genreproduktionen nicht sagen.

Also: Do you feel lucky, punk?
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