0 follower |
Seine 1 Kritik ansehen
|
5 - Spitzenklasse
Blake Edwards „Breakfast At Tiffanys“ erzählt die Geschichte des exzentrischen, im tiefsten Innern aber verletzlichen und ängstlichen New Yorker Partygirls Holly Golightly.
Holly träumt davon, sich einen reichen Millionär zu angeln und aus ihrem instabilen Dasein auszubrechen. Ihr Nachbar Paul ist ein mittelloser Schriftsteller und passt so gar nicht in ihr Beuteraster. Dennoch entwickelt sich zwischen diesen beiden Menschen, die so manche Gemeinsamkeiten besitzen, eine zärtliche und innige Freundschaft. Paul und Holly verlieben sich ineinander, doch Holly bleibt unfähig, ihrem selbst gewählten Käfig aus Kalkül und Illusionen zu entkommen.
„Holly Golightly“ - sagte Audrey Hepburn einmal -„ist das genaue Gegenteil von mir. Sie macht mir Angst. Die Rolle verlangte nach einer extrovertierten Darstellerin. Ich bin introvertiert.“
Truman Capote, auf dessen Romanvorlage „Frühstück bei Tiffany“ beruht, hatte zunächst Marilyn Monroe für die weibliche Hauptrolle auserkoren. Mit Paramounts Entscheidung, die Hepburn zu besetzen, hat er sich nie anfreunden können. Dabei erwies sich diese Entscheidung als ein wahrerer Glücksgriff. Denn Audrey Hepburn interpretiert Holly auf eine wunderbar nuancierte Art und Weise, die bis heute uneingeschränkt bezaubernd, beeindruckend und faszinierend geblieben ist. In Hepburns Darstellung wird Holly zu einem liebreizenden Mädchen, das noch nicht zu sich selbst gefunden und eine wacklige, lebenslustige Fassade um sich herum errichtet hat. Der Zuschauer ahnt von Anfang an, dass diese Fassade zerbröckeln wird. Mit ihrer Rolle prägte Audrey Hepburn letztendlich einen neuen Typ Frau und Kinoheldin; voller Vielschichtigkeit, weiblicher Eleganz, Charme und fragiler Anmut.
Dass ihr das gelang, geht zu einem großen Teil auf das Konto des ungemein talentierten Regisseurs mit sehr viel Fingerspitzengefühl und ist auch ein Verdienst des intelligenten Drehbuches von Autor George Axelrod.
Axelrod löst die unverblümte Offenheit von Capotes Romanvorlage pointiert in spielerische Unverbindlichkeit und wunderbar leichten Dialogwitz auf, Blake Edwards bringt gekonnt und subtil die psychologische Verfassung seiner Helden ins Spiel. Die federleichten Dialoge und Scherze lässt er von seinen Darstellern so abliefern, dass sie wie Beispiele für die Oberflächlichkeit der Gesellschaft erscheinen, zu deren Königin die gelehrige Holly avanciert ist und in die Paul mehr ungewollt als freiwillig hineinstolpert. In „Frühstück bei Tiffany“ geht es im Grunde um zwei Menschen, die dauernd miteinander kommunizieren und sich doch jeden tieferen Einblick in ihre Seelen verweigern. Sie verleugnen sich selbst und klammern sich verzweifelt an ein falsches Weltbild. Immerzu darauf bedacht, die unbequemen Wahrheiten zu unterdrücken, die sie sich zunächst nicht eingestehen möchten.
Blake Edwards Inszenierung zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass er die so gar nicht einfache Komplexität seiner Figuren mit witzreichen Facetten zu einer gefühlvollen und lockeren Tragikomödie verdichtet. Eines der inszenatorischen Highlights ist eine wilde, nächtliche Party in Hollys Wohnung, die Edwards größtenteils von seinen Schauspielern improvisieren ließ. Die daraus resultierende, turbulente Dynamik gepaart mit suggestiv depressiver Stimmung entfaltet einen einnehmenden Sog, der das Chaos in Hollys Leben und ihrer Persönlichkeit nach außen transportiert.
Emotional nachvollziehbar wird Hollys Melancholie auch in Henry Mancinis leitmotivischem, Oscar gekröntem Song „Moon River“, der zu einem der legendärsten und größten Hitsongs der Filmgeschichte wurde.
„Breakfast At Tiffanys“ ist eine heiter-romantische Tragikomödie, ein zeitlos funkelndes und zutiefst berührendes Juwel des Genres. Ein unvergesslicher und formvollendeter Meilenstein von großer kulturgeschichtlicher Bedeutung, der nebenbei erfrischend, klug und verspielt mit den Rollenklischees der vierziger und fünfziger Jahre abrechnet.
Hinzugefügt am 18.05.2007 um 03:21 Uhr
Verstoß melden