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4 - Sehr gut
...zum einen die Ben-Stiller-“ich nehm´ jeden Gag mit“-Fraktion. Und dann Komödien, in denen der Zuschauer nicht über, sondern mit den Protagonisten lacht - ich mag beide Varianten.
Familie Stone ist, das lässt sich zweifelsohne bereits nach einigen Minuten sagen, kein Film der ersten Kategorie.
Die bigotte, neurotische Karrierefrau Meredith, die an Weihnachten der intellektuell-liberalen Familie ihres Zukünftigen Everett vorgestellt wird, und die jedes Fettnäpfchen mitnimmt; die überbehütende, pseudo-tolerante, krebskranke Mutter Sybil und ihr gütiger, aber letzten Endes mit der Situation überforderter Ehemann Kelly; deren zickig-eifersüchtige Mid-Twentie Tochter Amy; der schwule Sohn Thad nebst schwarzem Lebensgefährten; als dritter Sohn der erfrischend “ich bin ein erfolgloser Chaot, und ich bin es gern“-Mime Luke Wilson als Ben Stone, und als Familien-Füllmaterial die zweite Tochter Susannah und Merediths Schwester Julie, die statt zu Hilfe zu eilen das Konfliktpotential erhöht – das ist das Personal, mit dem Thomas Bezucha weihnachtliche Heile-Welt-Familienträume zum Platzen bringt.
Bezucha inszeniert das Problem des Familienzuwachses dabei nicht in der Manier von "Meine Braut, ihr Vater und ich".
Sarah Jessica Parker darf mit ihrer Figur Meredith die mitunter seichten Gewässer bloßer tollpatschiger Situationskomik umschiffen, und ihr – im Rahmen der 100minütigen Spielzeit – charakterliche Mehrdimensionalität verleihen. Wer sich auf den Film einlässt, der weiß am Ende, dass Meredith nicht bloß die eingangs beschriebene Snob- Variante eines Rührmichnichtans ist, sondern das sie dies nur in Verbindung mit Everett zu sein scheint. Nach dem innerfamiliären Partnerwechsel kann sie die Fesseln ihres Perfektionsstrebens abwerfen und wirkt – an der Seite des richtigen Mannes – regelrecht gelöst.
Neben dieser birgt “Familie Stone“ noch einige andere in Szene gesetzte Lebensweisheiten.
Das Zuviel an Protektion einer großartig mütterlichen Bienenkönigin Diane Keaton, die erkennt, das ihr (eines Despoten würdiges) Beharren darauf, nur die für Everett „richtige“ Frau zu akzeptieren, ein Sich am Leben Festkrallen ist.
Everett selbst, der eine Rolle, die so eng sitzt, dass er sich verbiegen muss, um sie überhaupt ausfüllen zu können, abstreifen muss, um glücklich zu werden.
Bens postadoleszente Weigerung, Verantwortung zu übernehmen und die Stutenbissigkeit Amys, als „territoriale“ Abwehrreaktion gegen den Eindringling Meredith, die so anders ist, als sie selbst.
In diesem Potpourri starker Figuren (die jeder für sich aufgrund der zeitlichen Limitierung ein wenig zu kurz kommen) können Claire Danes als Schwester Merediths und Craig T. Nelson als väterlicher Ruhepol lediglich der Kitt sein, der all das zusammenhält.
Bezucha thematisiert die Probleme der menschlichen Existenz – Unsicherheit,
Angst, Erwachsenwerden, Eifersucht, Verlust –, ohne Partei zu ergreifen. Wenn wir den Film mögen, dann entwickeln wir Sympathien für die Charaktere. Für alle Charaktere, weil ein Teil von ihnen in jedem von uns steckt.
“Familie Stone“ ist ein gelungenes Beispiel eines Ensemblefilms und ein Film, der seine Komik aus dem Wiedererkennungswert menschlicher Schrullen und Boshaftigkeiten zieht.
Allein das Überstrapazieren der political correctness ist das Zuviel an Salz in der Suppe, das aber nicht die Höhen des gesamten Films zu ver-salzen vermag.
Hinzugefügt am 06.09.2006 um 15:03 Uhr
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